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    Die Stille der Wüste – Tag 8

    Die Wüste begrüßt uns wieder mit einem bezaubernden Sonnenaufgang, erfrischenden Temperaturen und – Stille. Es ist unvorstellbar still in der Wüste, gerade wenn man das hektische Leben in Deutschland oder gar in einer deutschen Großstadt gewohnt ist. Es gibt schon das Geräusch des Windes, vielleicht Zwitschern eines Vogels oder das Zirpen einer Grille oder das Brummen eines vorbeifliegenden Käfers – aber bei Windstille und wenn gerade keine Tiere in der Nähe sind, dann ist es wirklich absolut still. Vor allem sind keine von Menschen gemachten Geräusche zu hören, außer vielleicht ab und zu mal ein Auto, aber die sind an einer Hand abzählbar.

    Weil wir die Stille so mögen, haben wir auch unsere Unterkünfte danach ausgewählt und bevorzugen kleine Privatquartiere, wo nur Privatreisende wie wir übernachten und die zu klein für Bus Touren sind. Ja, in Sossusvlei und später in Etosha übernachten wir auch in einer großen Lodge und ehrlich gesagt, genießen wir dann auch mal den Komfort dort mit schickem Abendessen und allen Schikanen. Aber sonst versuchen wir, die ausgetretenen Pfade des Tourismus zu meiden und einen ruhigeren Weg zu gehen.

    Dies zeigt sich auch daran, dass wir fast immer zwei Nächte in einer Unterkunft bleiben. Dies führt natürlich dazu, dass wir insgesamt mehr Zeit brauchen und in dieser Zeit weniger sehen als andere, aber dafür erleben wir das Weniger dann auch intensiver, denken wir.

    So, jetzt aber zu diesem Tag. Michael bekommt beim Rasieren einen kleinen Schrecken, weil er beim Rasieren in der Morgensonne von der Seite angezirpt wird. Eine Grille betrachtet den Waschbereich als ihr Revier, aber nach einer kurzen Diskussion hat sich die Lage geklärt.

    Vor dem Frühstück noch schnell den Grill reinigen und dann in Ruhe packen. Beim Restaurant gestern hatten wir ein kleines Päckchen Nescafé extra bekommen, das wir mitgenommen und für heute Morgen aufgehoben haben. Michael versucht sich am Gasbrenner im allgemeinen Kochbereich und bringt tatsächlich Wasser zum Kochen, sodass Annette ihren gestern vermissten Kaffee heute genießen kann. Für Michael konnten wir immer noch keinen Teebeutel auftreiben, aber Sprudelwasser zum Frühstück ist mal eine willkommene Abwechslung.

    Die Tierwelt um uns herum verspürt auch Hunger. Alle Krümel vom gestrigen Abendessen sind ratzeputz verschwunden, und die Grillen laufen hungrig an unserer Terrasse entlang. Wir fangen an, die Grillen erst mit Brot, dann mit Apfelstückchen zu füttern. Tatsächlich – wir füttern nicht nur Vögel, sondern auch Grillen. Unfassbar. Die Tierchen nehmen unsere Präsente dankbar an und knurpsen so vor sich hin. Wobei wir feststellen, dass die eine Grille Brot bevorzugt und die andere Apfel. Anscheinend gibt es auch Feinschmecker in der Tierwelt.

    Wir lassen uns reichlich Zeit und wollen gegen 10:30 auschecken, als uns die nicht ganz so freundliche Dame an der Rezeption erklärt, dass wir eine erkleckliche Summe nachzahlen müssten, weil wir 30 Minuten zu spät seien. Obwohl wir zu diesem Zeitpunkt die einigen Gäste im Camp sind und neue Gäste erst am Nachmittag kommen werden. Wir zeigen unseren Unwillen und sie zeigt sich dann bereit, auf die Nachzahlung zu verzichten, wenn wir ihr ein Trinkgeld geben. Uns ist klar, dass von uns Europäern überall Trinkgeld erwartet wird und geben es auch gerne zur Anerkennung guter Dienste, aber diese Forderung ist dann doch etwas dreist. Da wir am kürzeren Hebel sitzen, geben wir grummelnd nach. Schade um diesen unversöhnlichen Abschied in einer ansonsten sehr schönen Unterkunft. Der Service hätte generell etwas besser sein können, was die Ausstattung mit Camping-Utensilien angelangt, aber ansonsten ein wirklich schöner Flecken, komfortabel, modern und ruhig.

    Wir wollen heute nach Uis fahren zu unserem nächsten Quartier, aber vorher machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Rock Arch, ganz in der Nähe des Spitzkoppe Cabin Camp gelegen. Der Rock Arch ist ein natürlicher Bogen aus Granit, den man über einen Weg über die vorgelagerten Granitfelsen erreicht. Ein sehr fotogenes Motiv, in dem sich Annette ebenso fotogen platziert und Michael das Fotografieren überlässt. Man hat von hier oben einen weiten Blick über die Landschaft. Wir entdecken in einer Senke, in der sich offenbar etwas Wasser gesammelt hat, blühende Sträucher und daran sogar Hummeln. Die ersten Hummeln in Namibia überhaupt, die wir entdecken.

    Auf dem Weg zum Rock Arch sehen wir einen off-road geeigneten Wohnanhänger auf dem Parkplatz stehen vom Anbieter mobilodge.com. Wir überlegen, ob so etwas nicht eine Alternative für einen Urlaub z.B. in Südafrika sein könnte, denn das ständige Koffer Packen ist schon etwas nervig.

    Weil wir uns heute ja richtig Zeit gelassen hatten, verspüren wir inzwischen Hunger und gehen nochmal in das Restaurant aus dem Western-Film zum Mittagessen. Wir parken perfekt unter dem „Parking“ ein und essen heute namibische Pizza und Hähnchensalat. Und vor allem viel Kaffee und Tee! Gefiederte Freunde sind natürlich auch mit von der Partie.

    So langsam wird es Zeit, dass wir uns auf den Weg machen in das 93 Kilometer entfernte Uis. Als wir den Bereich um die Spitzkoppe verlassen, sehen wir links und rechts der Straße viele Stände, an denen Kinder stehen, viele Kinder und fast keine Erwachsenen. Wenn wir vorbeifahren, rennen die Kinder auf unser Auto zu, haben in einer Hand kunsthandwerkliche Artikel und in der anderen eine leere Wasserflasche. Es sind Kinder jeden Alters, und sie bieten anscheinend alle die gleiche Art von Kunsthandwerk an. Erwachsene sind wie gesagt nicht oder kaum zu sehen, und wir vermuten, dass die Eltern in dem Camping- und Lodge-Bereich rund um die Spitzkoppe arbeiten und dass die Familien in den nahegelegenen Häusern, die durchaus sauber und ordentlich aussehen, wohnen. Wir fragen uns, warum die Eltern die Kinder nicht in die Schule schicken, ob sie den Wert von Schulbildung nicht erkennen oder ob es keine Schule in der Wohnsiedlung gibt.

    Jedenfalls kaufen wir den Kindern nichts ab. Wir waren vor Jahren mal in Marokko bei einer geführten Rundreise in einer ähnlichen Situation, und der damalige Reiseleiter riet uns, den bettelnden Kindern nichts zu geben, damit sie lernen, dass es besser ist zur Schule zu gehen. An diesen Rat haben wir uns gehalten.

    Unterwegs nach Uis sehen wir auf 90 Kilometer Strecke nur zwei Autos. Die Straße könnte mal wieder planiert werden, denn sie ist heute schon recht wellig und wir kommen meistens nur mit 60 km/h voran. Unterwegs sehen wir ein paar wenige Einfahrten zu Farmen oder Gehöften, wie wir vermuten, und ein paar wenige einfache Behausungen mit Menschen und Tieren. Zum Beispiel eine Ziegenherde und ein paar Esel, die über die Straße laufen. Die Landschaft wird zwischenzeitlich deutlich grüner, bevor sie wieder in das bereits gewohnte Bild der Wüste übergeht.

    Uis erreichen wir am frühen Nachmittag und steuern gleich unser Quartier, das 3 Aloes Guest House an. Es liegt abseits des Ortes auf einem Hügel mit einem sehr schönen Blick zum Brandberg-Massiv. Wir werden sehr freundlich begrüßt, bekommen das beste der drei Zimmer mit Ausblick zum Brandberg. Das Zimmer ist sehr geräumig und sauber, und im Kühlschrank steht ein Kännchen Milch für Tee und Kaffee. Wir sind heute die einzigen Gäste hier und genießen erst einmal den Pool. Das Wasser ist erfrischend, aber nach etwas Überwindung ist es sehr schön darin und wir können sogar ein klein wenig schwimmen. Der Garten drum herum ist schön angelegt, und wir genießen wieder die absolute Stille, die wir bereits so schätzen gelernt haben.

    Abends haben wir einen sehr schönen Blick auf die Sonne, die hinter dem Brandberg untergeht, und der Tag endet, wie er begonnen hat – still und friedlich.

    Morgen haben wir einen Ausflug vor, und dann schreiben wir auch etwas über den Ort und seine interessante Geschichte.

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