• Deutsch
  • English
  • Ferne Entdecken – Reiseblog für individuelle Abenteuer

    Wandern am namibischen Matterhorn – Tag 7

    Der Tag beginnt mit der Feststellung, dass die Warmwasserbereitung in unserem Camp einwandfrei funktioniert. Annette musste etwas länger auf das warme Wasser warten, aber weil Michael morgens gerne etwas länger liegen bleibt, hatte er das Glück, dass die Leitungen mit warmem Wasser bereits gefüllt waren. Die Luft war recht frisch mit ca. 12 Grad, aber Rasieren und Zähne putzen in der Morgensonne war schon sehr schön.

    Annette hat in der Zwischenzeit, bis Michael so langsam fertig wird, ein paar Fotos der Umgebung und unserer Hütte gemacht. Besonders die Große Spitzkoppe direkt hinter unserem Camp ist im Morgenlicht beeindruckend, ebenso wie die Details der Natur um uns herum. Die Spitzkoppe wird von den Einheimischen stolz das „namibische Matterhorn“ genannt. Die Große Spitzkoppe ist laut Internet über 1700m hoch, die Kleine Spitzkoppe daneben ist etwas kleiner. Beide Berge erscheinen uns aber niedriger. Ein Blick auf das GPS im Handy verrät uns warum, nämlich weil wir hier am Fuß des Berges bereits auf 1100m Höhe sind. Wir haben es bei der Fahrt hierher überhaupt nicht gemerkt, dass die fast schnurgerade Straße ganz langsam immer höher gestiegen ist von Meereshöhe auf 1100 Meter. Wir sind beeindruckt.

    Alsbald wird unsere Terrasse von einem Schwarm schwarzer Vögel heimgesucht, die sich über die Krümel unseres Abendessens hermachen. Natürlich können wir dem Reflex nicht widerstehen und unterstützen dieses Verhalten durch Verfütterung einer Brotscheibe. Unvernünftige Menschen!

    Wir beobachten dabei, dass einige der Vögel noch Jungtiere zu sein scheinen, die fast so groß wie ihre Eltern sind, aber von denen noch gefüttert werden. Die erwachsenen Vögel haben rote Augen, die Jungtiere anscheinend noch weiße. Das Füttern konnten wir leider nicht im Foto festhalten, aber am Bildrand sitzt eine Grille, die sich gegen den vermeintlichen Angriff der Vögel in Verteidigungshaltung geht und dabei die ganze Zeit zirpt. Die Vögel interessieren sich aber überhaupt nicht für sie.

    Wir haben auch Hunger bekommen und frühstücken erst einmal. Leider sind wir etwas unvorbereitet hier angereist, was die Mitnahme von Kaffee und Tee anbelangt, sodass es zum Frühstück leckeres Sprudelwasser gibt, aber immerhin stilgerecht aus einer Tasse, die wir auch noch leihen mussten. Naja, nachdem wir das mit der Kühltasche perfekt hinbekommen haben, kann man sich auch ein paar Schnitzer erlauben.

    Wir brechen auf zu einer kleinen Wanderung von etwas mehr als sieben Kilometern und erkunden das Gebiet rund um die Spitzkoppe. Nach so vielen Tagen im Auto ist etwas Bewegung dringend nötig.

    Die Landschaft hier entstand vor Jahrmillionen, als Magma aus dem Erdinneren in einen unterirdischen Hohlraum aufstieg, aber nicht die Erdoberfläche erreichte. Im Laufe von vielen Millionen Jahren verwitterte das sogenannte Deckgestein, aber der Granit aus dem Erdinneren ist wesentlich härter und blieb erhalten. Durch das Wüstenklima konnte sich keine Vegetationsschicht bilden wie in Europa, so dass wir heute noch den nackten Felsen sehen, der diesem Gebirge ein besonderes Erscheinungsbild gibt.

    So, jetzt aber los, bevor es zu warm wird. Unser erstes Ziel ist das Small Bushman Paradise. Das Gelände ist abgesperrt, weil es zu viel Vandalismus durch unvernünftige Touristen gab, sodass wir einen lokalen Guide benötigen, der uns gegen ein Trinkgeld führt und alles erklärt. Es gibt Felsmalereien zu sehen, die vor 2000 bis 4000 Jahren von damals hier lebenden Buschmännern ausgeführt wurden. Diese Menschen gehörten zum Volk der San und waren sehr klein, nicht mehr als 1,50m groß. Sie lebten in Gruppen von 15-25 Personen und zogen als Nomaden durch das Land und folgten den Tieren und dem Wasser.

    Wir sehen Malereien in roter Farbe und weißer Farbe. Die rote Farbe ist das Blut der Beutetiere, die weiße Farbe entstand aus dem Urin der Klippschliefer, vermischt mit dem Inneren von Straußeneiern. Klippschliefer sind ca. 50cm große Tiere, die hier leben und das Aussehen von großen Meerschweinchen haben. Leider haben wir bisher noch keinen erblickt.

    Die Tiere auf den Malereien sind ein Nashorn, ein Zebra, ein Elefant, ein Strauß und jagende Menschen auf allen Vieren. Leider scheint die Sonne voll auf die Malereien, sodass wir etwas künstlichen Schatten geben müssen. Erstaunlich, wie lange die Bilder erhalten blieben, obwohl sie vormittags der vollen Sonne ausgesetzt sind.Wir schießen auch ein Foto mit unserem Guide John, der stolz oder ironisch eine Mütze trägt mit der Aufschrift „Best Guide in Namibia“.

    Der nächste Stopp ist ein Restaurant im Spitzkoppe Community Restcamp, wo wir Mittag essen wollen. Es ist zwar noch etwas früh, aber der Weg noch lang, und es wird zeitlich schon passen. Unterwegs sehen wir viele Grillen auf der Straße, die sich von den durch Autos überfahrenen Kadavern ihrer Artgenossen ernähren. Beim Blick in die Landschaft versucht unser Verstand, Muster in den Felsformationen zu erkennen, und wir meinen Schlangen, Elefanten, Vögel, Affen und Dinosaurier in den Felsen zu sehen.

    Schließlich erreichen wir das Ziel im Spitzkoppe Community Restcamp. Das Restaurant sieht vor dem Granitfelsen aus wie aus einem US-amerikanischen Westernfilm. Wir gönnen uns jeder einen leckeren Chickenburger mit Pommes, die fast wie selbstgemacht schmecken. Überhaupt waren wir eigentlich jedes Mal sehr zufrieden mit dem Essen hier. Die Gerichte sind stark europäisch eingefärbt und entsprechen daher weitgehend unseren Gewohnheiten.

    Nach der Stärkung geht es langsam auf den Rückweg. Beim Essen kam uns der Gedanke, dass wir zum Braten der Würstchen auf dem Terrassen-Grill unterwegs Holz sammeln könnten, denn es stehen doch einige vertrocknete Bäume und Büsche in der Gegend herum. Gesagt, getan. Zum Glück hatten wir eine faltbare Einkaufstasche dabei.

    Bepackt mit reichlich Holz zum Grillen laufen wir weiter und treffen auf eine Welwitschia, eine ziemlich hässliche Pflanze, die es aber schon seit über 110 Millionen Jahren gibt und die nur hier in der Wüste Namib wächst. Das besondere an dieser Pflanze ist, dass sie mehrere hundert Jahre alt werden kann und dabei nur ein einziges Blattpaar besitzt, das immer länger wird. Das ist für Botaniker interessant, fördert aber nicht die Attraktivität für Laien wie uns. Sei’s drum, ein Foto muss sein. Gleich noch mit einem Bild der Umgebung.

    Nach einer Weile erreichen wir den Rockpool. Der Rockpool ist ein Granitbecken, zu dem man etwas hochklettern muss, in dem sich Regenwasser sammelt und eine Weile erhalten bleibt. Aus solchen natürlichen Pools haben sich übrigens seinerzeit auch die Buschmänner versorgt. Von hier oben hat man eine hervorragende Aussicht auf die Ebene und hinüber zur Spitzkoppe. Eine Detailaufnahme des Granitgesteins mit seinem Farbspiel ist auch dabei.

    Zum Spitzkoppe Cabin Camp ist es nun nicht mehr weit. Den Nachmittag verbringen wir mit Ausruhen, Blog schreiben, Wäsche waschen und Pläne für morgen schmieden. Und wir schauen uns unsere Tour bei komoot an, das wir für die Aufzeichnung der Wanderung genutzt haben.

    Am Abend kommt dann noch das selbst gesammelte Grillholz zum Einsatz. Es brennt nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Entzünden wunderbar. Die Würstchen, eine namibische Spezialität namens Boerwors, schmecken sehr herzhaft, aber gut, und zusammen mit dunklem Brot, Paprika, Gurke und Tomaten gibt das ein leckeres Abendessen.

    Irgendwann verabschiedet sich dann der Sonnenuntergang hinter dem Berg, und das Duschwasser für den nächsten Morgen ist auch eingeheizt. Gute Nacht!

    Kommentar verfassen

    Entdecke mehr von Ferne Entdecken – Reiseblog

    Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

    Weiterlesen