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    Arm und reich – Tag 6

    Heute verlassen wir unsere schöne Unterkunft Desert Dreams B&B und fahren wieder ins Landesinnere. Doch zuvor geht es die Küstenstraße entlang nach Norden, auf der wir uns ein paar Ziele herausgepickt haben.

    Als wir Walvis Bay verlassen, sehen wir links und rechts der Straße zunächst Industriegebiete und dann die Wohnviertel der ärmeren Bevölkerung. Es sieht nicht nach Slums aus, sondern das Wohngebiet besteht aus lauter kleinen Häusern, die neueren Datums zu sein scheinen und gepflegt aussehen. Wie wir gelesen haben, auch mit Kanalisation, Wasser und Strom und, wie wir selbst sehen können, mit Beleuchtung. Also sicherlich kein Luxus, aber nach dem, wie wir es verstehen, durchaus menschenwürdig.

    Allerdings ist uns nicht klar, wie sich die Menschen hier ohne Auto vorwärts bewegen. Öffentlichen Nahverkehr, d.h. Busse oder ähnliches, haben wir bisher noch nicht gesehen, auch in Windhuk nicht. Höchstens ein paar Fahrräder, aber auch nicht viele. Also doch zu Fuß? Auf jeden Fall scheint Trampen eine beliebte Methode zu sein, denn wir sehen unterwegs einige Anhalter am Straßenrand stehen. Mitnehmen kommt für uns aber nicht in Frage.

    Die Fahrt geht vorbei an einem Startpunkt für Quad-Touren, an einem Aussichtspunkt auf einer der zahlreichen Sanddünen, die auf der rechten Seite liegen. Das lassen wir alles hinter uns und biegen statt dessen nach links in das Neubaugebiet Afrodite Beach ein. Es gibt entlang der Küste zwischen Walvis Bay und Swakopmund und auch darüber hinaus eine Reihe von Siedlungen mit Ferienhäusern, aus denen sich inzwischen teilweise kleine Ortschaften entwickelt haben. Wir haben das Gefühl, dass hier an der Küste der Tourismus stark am Wachsen ist, vielleicht nicht unbedingt für uns europäische Touristen, aber mehr für Einheimische mit Geld oder Leute aus der Republik Südafrika, mit der Namibia immer noch sehr enge Bindungen hat.

    Afrodite Beach ist das Kontrastprogramm zu den Häusern der Ärmeren, die wir zuvor an der Straße von Walvis Bay gesehen hatten. Das Ganze ist noch am Werden, es gibt nur wenige Häuser, aber diese wenigen Gebäude müssen keinen Vergleich mit jeder Luxusvilla in Europa scheuen. Dazu passt die Anlage der Straßen, die Palmen am Straßenrand. Die wenigen Menschen, die wir in den Häusern sehen, sind europäischer Abstammung, und das bestätigt auch eine kurze Recherche im Internet, nach der Namibia ein Land ist mit einer sehr ungleichen Einkommensverteilung zwischen Arm und Reich, viel ungleicher als z.B. in Deutschland oder jedem anderen Land Europas. Die Kehrseite ist eine relativ hohe Kriminalitätsrate. So hat uns der Fahrer auf unserer Pelikantour gestern davor gewarnt, abends zu spät auf die Straße zu gehen, weil das Risiko von Raubüberfällen besteht. Auch lassen die Leute hier ihre Häuser nicht unbewacht, wenn sie mal im Urlaub sind.

    Wir verlassen Afrodite Beach und fahren weiter über die wirklich gut ausgebaute und asphaltierte Straße, passieren Swakopmund und fahren nördlich davon weiter die Küstenstraße entlang. Von weitem sehen wir eine weitere Salzfabrik, vielleicht ein Ableger der Fabrik in Walvis Bay?

    Einige Nebenstraßen auf der linken Seite führen zu Plätzen, an denen man gut angeln kann, und sind entsprechend ausgeschildert. Angeln scheint ein beliebtes Hobby der Namibier zu sein, und heute ist auch noch Sonntag. Wir sehen unterwegs viele Fahrzeuge mit senkrecht stehenden Angelruten, vielleicht drei oder vier Meter lang bzw. hoch. In einem Land mit wenigen oder keinen Brücken ist das auch kein Problem. Ein Auto mit befestigten Angelruten hatten wir tags zuvor in Swakopmund fotografiert, zeigen das Foto aber hier, weil es thematisch besser passt.

    Unser nächsten Ziel ist das Wrack der Zeila einige Kilometer weiter nördlich. Die Zeila war ein ausgedienter Fischkutter, den man 2008 mit ausgebauter Maschine von Walvis Bay aus zum Abwracken abschleppen wollte. Leider ist das Abschleppseil gerissen, und die Zeila ist unkontrollierbar abgetrieben und an der stürmischen Küste auf Grund gelaufen. Die beiden Seeleute an Bord konnten zum Glück gerettet werden. Man hat sich entschlossen, das Wrack dort liegen zu lassen, denn es hat sich zu einem hervorragenden Platz für die Seevögel enwickelt. Nicht umsonst beginnt hier die sogenannte Skelett-Küste, denn das Meer ist von hier aus nach Norden sehr tückisch und es gibt so einige Wracks an dieser gefährlichen Küste, sogar noch in jüngster Zeit.

    An der Schautafel zum Wrack tummeln sich ein paar Leute in ärmlicher Kleidung, die uns Steine und Halbedelsteine anbieten, die sie in den Bergen gefunden haben wollen. Weil die Steine hübsch aussehen und die Leute Geld zu gebrauchen scheinen, kaufen wir ein paar ab. Als Dank bekommen wir noch ein Gruppenfoto und ein paar Worte in der Klick-Sprache, die eine besondere Eigenheit der Menschen hier ist.

    Jetzt ist es nicht mehr weit nach Henties Bay. Ein Ferienort, der auf Hentie van der Merwe zurückgeht, der hier 1922 eine Frischwasserquelle entdeckt hat und beschloss, ab 1929 seinen Sommerurlaub hier zu verbringen. Das sprach sich herum, Freunde und Familie kamen dort hin, und über die Jahre ist daraus ein kleiner Ort entstanden mit über 4000 Einwohnern und allem, was dazu gehört. Interessant finden wir, dass Henties Bay heute sein Frischwasser über einen Staudamm erhält, der einen der Trockenflüsse aufstaut. Der Fluss führt zwar nur alle paar Jahre mal Wasser, aber das scheint zu reichen. In der Nähe des Ortes entdecken wir auch eine Meerwasserentsalzungsanlage, vielleicht möchte man zukünftig mehr auf diese Technik setzen. In Verbindung mit Sonnenergie, von der es hier reichlich gibt, könnte das eine nachhaltige Methode der Wasserversorgung in der Zukunft sein. Entsprechende Pläne soll es auch für Windhoek geben.

    In Henties Bay gibt es einen schönen Strand und neben den Häusern der fest dort wohnenden Menschen auch viele Ferienhäuser, die in dieser Jahreszeit fast alle leer stehen. Die Häuser sind durchschnittlich und bei weitem nicht so luxuriös wie in Afrodite Beach. Im namibischen Sommer ist hier bestimmt mehr los, wenn das Küstenklima eine willkommene Abkühlung bietet.

    Von Henties Bay geht es 100 km ins Landesinnere. Unser Ziel ist die Spitzkoppe, wo wir in einem Camp für zwei Tage bleiben wollen. Die Straße führt wie gewohnt schnurgerade durch die Wüste. Der Straßenbelag ist sehr gut, fest und eben, und erinnert uns etwas an Salz, denn er glänzt in der Sonne. Michael macht einen kleinen Test mit Wasser, denn wozu ist man Ingenieur. Tatsächlich, die Straße besteht aus einem festen Sandunterbau mit einer oberflächlichen Salzkruste. Eine interessante Konstruktion, die wahrscheinlich nur hier in einer Gegend fast ohne Regen funktioniert.

    Wir passieren die Grenze des Dorob Nationalparks, d.h. wir verlassen den Nationalpark, der sich nördlich von Swakopmund an der Küste entlang zieht.

    Die Straße geht wieder in die bereits gewohnte Schotterpiste über, und wir schalten wie gewohnt unseren Allradantrieb zu. Alles kein Problem mehr inzwischen. Die Landschaft wird etwas grüner, es sprießt wieder das Gras links und rechts und ein paar Büsche grüßen entlang der Straße. Am Horizont haben wir stets unser Ziel vor Augen, die Berge rund um die Spitzkoppe, die wir in der Ferne seit unserer Abfahrt in Henties Bay erkennen konnten. Aber erst jetzt sind sie nah genug, um fotogen rüberzukommen.

    Je mehr wir uns der Spitzkoppe nähern, umso imposanter erscheinen sie im Sonnenlicht, das die verschiedenen Farben und Schattenwürfe gut herausarbeitet. Unterwegs müssen wir anscheinend ein Stück Privatgelände auf der Straße durchqueren, denn da ist ein Tor quer über die Straße, und der Mann, der dort ärmlich wohnt, verkauft uns für die Durchfahrt auch einen kleinen Turmalin.

    Schließlich erreichen wir unser Ziel, das Spitzkoppe Cabin Camp. Das ist eine von mehreren Camp Sites, die mehr oder weniger komfortabel ausgerüstet sind, es gibt hier auch eine sehr komfortable Lodge. Wir haben uns für die mittlere Variante entschieden, d.h. wir bewohnen ein kleines festes Häuschen mit kleiner Veranda, aber mit Gemeinschafts-Sanitäranlagen. Ein Grill steht direkt an unserem Häuschen, außerdem gibt es noch einen großen Gemeinschaftsgrill. Die Dame am Check-In warnt uns davor, irgendwelche Elektrogeräte in die Steckdosen zu stecken, denn dann würde das lokale Elektrizitätsnetz zusammenbrechen, das von einigen Solarzellen gespeist wird. Wir trauen uns trotzdem, unsere Kühltasche anzuschließen, und es gibt kein Problem.

    Hier laufen auch überall Grillen herum, die ziemlich dick und groß sind, so ca. 5 cm, aber zum Glück nicht fliegen können. Aber dafür umso besser zirpen.

    Das warme Wasser für die Duschen wird anscheinend mit einer Holzheizung erzeugt und dann gespeichert, davon haben wir auch ein Bild gemacht.

    Ein paar Bilder von der Abendstimmung am Camp, mehr Infos folgen morgen.

    Zum Schluss noch ein Foto unserer inzwischen recht imposanten Sammlung von Steinen und Halbedelsteinen. Amethyst ist dabei, Turmalin, diverse Quarze, auch ein Malachit. Auf jeden Fall genug für diese Reise.

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