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  • Ferne Entdecken – Reiseblog für individuelle Abenteuer

    Pelikane, Robben, deutsche Geschichte – Tag 5

    Walvis Bay begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Das ist hier nicht selbstverständlich, denn an ca. 150 Tagen im Jahr herrscht dicker Nebel an der Küste. Warum das so ist, dazu schreiben wir weiter unten etwas. Es ist noch etwas kühl, aber mit Jeans & Hoodie kein Problem und die Luft vermittelt eine angenehme Frische.

    Desert Dreams B&B hat uns mit einem schönen Zimmer und „Bed“ versorgt und bietet uns nun ein sehr leckeres „Breakfast“ an. Wir müssen heute viel Energie tanken, denn wir haben einiges vor. Um 8:15 werden wir zu einer Tour abgeholt zu den Seevögeln und Robbenbänken! Vorher schnell noch ein Selfie vor unserem Quartier.

    Noch ist aber etwas Zeit, sodass wir etwas über Walvis Bay erzählen können. Die Stadt ist eine Industriestadt mit Namibias größtem Hafen und viel dazu gehörigen Industrien, z.B. Fischverarbeitung. Das Besondere ist der natürliche Tiefwasserhafen, der von einer langgestreckten Sandbank vor dem offenen Meer geschützt wird und es auch großen Seeschiffen erlaubt, bis dicht an die Küste zu fahren und dort einen vor Wellen und Seegang geschützten Ankerplatz zu finden.

    Diese Bucht wurde im 15. Jahrhundert von portugiesischen Entdeckern wegen ihres Fischreichtums und auch wegen der vielen Wale „Walfischbucht“ genannt. Die Portugiesen haben 10 km weiter südlich der heutigen Stadt ein Steinkreuz in die Landschaft gestellt und damit gezeigt „das gehört jetzt uns“.

    Damit waren sie nur mäßig erfolgreich, denn die Briten erkannten die strategische Bedeutung des Hafens als Stützpunkt an der afrikanischen Küste und sagten 1795 ebenfalls „das gehört jetzt uns“ und gründeten den Hafen und die Vorläufer der heutigen Stadt Walvis Bay. Wem das alles ursprünglich mal gehörte, hat natürlich niemanden interessiert damals.

    Über die Jahrhunderte kam die Stadt dann von den Briten an den Staat Südafrika, und erst seit 1994, d.h. vier Jahre nach der Unabhängigkeit Namibias, gehört Walvis Bay zu dem Staat Namibia und damit zu den Menschen, die hier leben.

    Der Tourismus in Walvis Bay ist heute recht bescheiden entwickelt, und die Stadt dient vor allem als Ausgangspunkt zu der bereits erwähnten Sandbank mit ihrem Tierreichtum oder zum weiter südlich gelegenen Sandwich Harbour, der auch ein Tierparadies ist.

    So, jetzt ist unser Fahrer gekommen, um uns zu unserer Tour abzuholen. Wir fahren mit seinem geländegängigen Toyota zu dritt, d.h. der Fahrer und wir beide, und bekommen dadurch die nächsten Stunden sozusagen eine Privatführung. Wir sind sehr gespannt!

    Zunächst sehen wir einen kleinen Park mit einer Kirche nicht weit von unserer Unterkunft.

    Dann geht die Fahrt endlich ans Meer! Zunächst noch nicht an die offene See, sondern an die Lagune, die durch die vorgelagerte Sandbank entstanden ist und neben dem Tiefwasserhafen liegt. In der Lagune sehen wir die ersten Flamingos und Pelikane!

    Ein Blick Richtung Land zeigt die Häuser an der Küste. Abgesehen von den künstlich bewässerten Grünanlagen an der Lagune beginnt die Wüste direkt an der Küste, das heißt die Namib ist eine sogenannte Küstenwüste. Das hat die gleich Ursache wie der häufige Nebel, doch dazu weiter unten mehr Information.

    So, weil das Ganze mit der Sandbank, der Lagune und dem Tiefwasserhafen doch etwas kompliziert ist, zeigen wir hier einen Screenshot von Google Maps von Walvis Bay, die bei google.de den deutschen Namen Walfischbucht trägt. Im Norden sieht man die Hafenbucht, im Westen die Sandbank, auf die wir gleich fahren werden, und im Süden zwischen Sandbank und Festland liegt die Lagune.

    Auf dem Weg zur Sandbank passieren wir zunächst eine interessante Industrieanlage, nämlich eine Salzfabrik, die über eine Million Tonnen Meersalz pro Jahr produziert und damit die größte Meersalzfabrik in ganz Afrika ist. Schon von weitem grüßen die blendend weißen Salzhügel der Industrieanlage. Das Salz wird hauptsächlich exportiert und für chemische Prozesse verwendet. Nur ein kleiner Teil davon endet als Tafelsalz im Mittagessen.

    Das Meersalz wird in großen Becken gewonnen, in die man gezielt Meerwasser hineinströmen lassen oder es aus ihnen abpumpen kann. Das Meerwasser mit 3,5% Salzgehalt strömt also in diese Becken und verdunstet in der Sonne, wobei eine zunächst dünne Salzkruste zurück bleibt. Neues Meerwasser wird eingelassen, was wiederum verdunstet. Dieser Vorgang wird viele Male wiederholt und damit wächst die Salzkruste mit der Zeit immer weiter. Nach ungefähr 11 Monaten hat sie eine Dicke von 30 bis 50 cm erreicht.

    Dann wird das überschüssige, sehr salzhaltige Wasser in einen Kanal abgepumpt, der um alle Becken herum führt, und das Salz kann geerntet werden. In diesem quasi Abwasserkanal erreicht der Salzgehalt des Wassers eine derartige Konzentration, dass sich im Wasser spontan Salzkristalle bilden. Spezielle Bakterien, die in dieser Umgebung leben können, färben Wasser und Salz in rosa ein. Wir sehen uns die weißen Salzbecken und den Kanal aus der Nähe an. Einen Salzbrocken können wir in der Hand halten.

    Langsam nähern wir uns der Sandbank, und für die weitere Fahrt muss unser Fahrer etwas Luft aus den Reifen lassen, denn nun geht es Off Road!

    Wir fahren über die Sandbank, die wie ein ewig breiter Strand erscheint, am Rande der Lagune entlang und entdecken viele Vögel, darunter mehrere Arten von Flamingos. Die meisten der Flamingos sind zurzeit in ihren Brutgebieten in Etosha im Norden Namibias oder in Botswana, und die Vögel, die wir sehen, sind noch nicht geschlechtsreife Jungtiere unter vier Jahren, aber auch vereinzelt bereits zurück gekehrte Elternvögel mit Jungtieren aus diesem Jahr.

    Unser Fahrer weiß sehr viel zu erzählen, z.B. dass Flamingos in der Jugend grau sind und erst durch die Ernährung rosa gefärbt werden. Es sind übrigens nicht die Krebse, die die Flamingos rosa färben, sondern die Algen, die Beta-Karotin erzeugen, die wiederum von den Krebsen gefressen werden. Nahrungskette halt.

    Neben den Flamingos treffen wir hier auch auf eine einzelne Robbe, die im flachen Wasser auf die Jagd geht. Unser Fahrer meint, dass es sich dabei um ein Männchen handelt. Das Tier lässt sich gerne von uns fotografieren und man könnte fast meinen, es würde für unser Foto posieren.

    Dann gibt es natürlich noch die Pelikane. Sie brüten ganz in der Nähe auf Bird Island, einer kleinen Insel, die Walvis Bay im Atlantik vorgelagert ist. Zum Jagen kommen sie aber gerne hierher in die Lagune.

    Neben den vielen Wasservögeln und der einzelnen zufällig angetroffenen Robbe gibt es aber noch anderes zu entdecken. Wir lernen, dass der ganze Sand, den wir hier sehen, den wir aber auch in Sossusvlei angetroffen haben und der große Teile der südlichen namibischen Küste bedeckt, aus Südafrika stammt. Dort wird der Sand vom Regenwasser aus dem Gebirge gewaschen und über die Flüsse, vor allem den Oranje Fluss an der Grenze zwischen Namibia und Südafrika, ins Meer gespült.

    Der atlantische Benguela-Strom vor der Küste nimmt den Sand mit und lagert ihn dann weiter nördlich an der Küste ab, wo der Wind den Rest erledigt und Strände und Dünen auftürmt. Der Benguela-Strom kommt aus der Antarktis und ist dementsprechend kalt. Dadurch verhindert er die Bildung von Wolken, d.h. es regnet sehr selten, was wiederum die Namib Wüste entstehen lässt. Gleichzeitig sorgt der Strom auch für den häufigen Küstennebel.

    Am Strand entdecken wir neun verschiedene Arten von Sand in allen möglichen Farben. Ein Zoom mit dem Handy zeigt diese Farben in allen ihren Varianten. Eine reine Farbenpracht!

    Außerdem findet man am Strand versteinerte Muschelschalen. Sie stammen aus der Zeit, als Afrika und Südamerika im Kontinent Gondwana verbunden waren, vor sehr vielen Millionen Jahren. Damals gab es hier einen Süßwassersee. Als Gondwana zerbrach und Amerika sich von Afrika trennte, wurde der See vom Meer überspült, und die versteinerten Schalen der Süßwassermuscheln findet man heute hier und an vielen anderen Stellen in Namibia.

    Weiter geht die Fahrt. Unterwegs treffen wir auf Schakale. Diese Einzelgänger überleben auf dieser Sandbank, weil sie sich hauptsächlich von toten Robben, also von Aas, ernähren. Wie wir gleich sehen werden, gibt es hier wirklich sehr viele Robben, die hier geboren werden, leben und natürlich irgendwann sterben. Und dann andere Tiere am Leben erhalten.

    Bald nähern wir uns dem Ende der Landzunge und treffen auf Gruppen von Robben. Die Tiere liegen am Strand, viele erwachsene Robben und viele Jungtiere. Einige tummeln sich im Wasser. Es ist laut und, man muss es sagen, wie es ist – es stinkt ziemlich. Ist aber zu ertragen. Die Tiere werden nervös, als sie unser Auto wahrnehmen, also halten wir Abstand.

    Der Fahrer fragt uns, ob uns der Geruch stört. Wir verneinen, und er packt nun einen Tisch aus und einen Mittagssnack mit leckerem kalten Fingerfood. Sogar ein Fläschchen gekühlten Wein hat er dabei. Das Essen schmeckt gut, besteht aber zum großen Teil aus fleischhaltigen Speisen. Was uns auch schon bisher in Namibia aufgefallen ist: Hier wird gerne Fleisch gegessen, denn das gibt es reichlich, während nicht so viel Gemüse wächst und importiert werden muss. Für Vegetarier oder Veganer könnte es in Namibia etwas schwieriger werden.

    Michael nutzt die Pause, um die Füße in den Atlantik zu halten, und er kann bestätigen, dass das Wasser eiskalt ist. Von unserem Picknickplatz sehen wir auch gut die wartenden Schiffe in der Hafeneinfahrt nach Walvis Bay.

    Auf der Rückfahrt halten wir noch am alten Leuchtturm von Walvis Bay, der 1915 erbaut wurde und damals am Ende der Sandbank lag. Heute mussten wir vom neuen Ende einige hundert Meter dorthin fahren. Wir lernen, dass der Benguela-Strom die Landzunge jedes Jahr um 20 bis 25 Meter wachsen lässt. Erstaunlich!

    Hier haben wir auch einen schönen Blick auf die Seeseite der Landzungen, die ganz im Gegensatz zur ruhigen Lagunenseite wellenumtost daherkommt.

    Unser Fahrer bringt uns dann zum Desert Dreams B&B zurück, wo wir gegen Mittag ankommen. Nach einer kurzen Ruhepause verspüren wir immer noch Energie, um am Nachmittag noch einen Ausflug zu unternehmen. Wir fahren nach Swakopmund!

    Swakopmund liegt an der Mündung des Swakop-Trockenflusses und ist eine deutsche Gründung. Es ist entstanden, als das damalige Deutsche Reich das Bedürfnis nach einer eigenen Kolonie in Afrika hatte und die Briten in Walvis Bay den Zugang vom Meer an Land den Deutschen verweigerten. Also suchte man nach einer Möglichkeit für einen eigenen Hafen und fand sie 30 Kilometer nördlich von Walvis Bay. Nach einigen Rückschlägen und gekenterten Schiffen beim Versuch, an der stürmische Küste an Land zu kommen, war man schließlich erfolgreich und gründete kurz vor 1900 Swakopmund. Aus dieser Zeit stammen noch einige interessante Gebäude.

    Wir fahren mit dem Auto die 30 Kilometer mit dem Auto und parken an einem bewachten Parkplatz. Der nette Parkwächter weist uns darauf hin, dass das Licht noch eingeschaltet ist. Wir haben uns einen Stadtrundgang bei komoot runtergeladen und marschieren nun den vier Kilometer langen Weg los.

    Zunächst geht es die Strandstraße entlang zum Leuchtturm, wo wir einen Markt mit Verkauf von lokalem Kunsthandwerk passieren.

    Dann treffen wir auf die Strandpromenaden mit Cafés und Restaurants, wo wir uns in der Sonne ein leckeres Eis und einen Kaffee gönnen. Ein kleiner gefiederter Gast wollte auch etwas abhaben. Und eine Tafel in der Nähe bestätigt unser subjektives Gefühl der Wassertemperatur. 14 Grad!!!

    Es geht nun in die Stadt mit ihren historischen Gebäuden aus der deutschen Zeit. Das sind zum Beispiel das Amtsgericht, die alte Post, die lutherische Kirche im Barockstil und verschiedene mehr. Dabei treffen wir auch wieder auf ungewöhnliche Verkehrszeichen.

    Zuletzt kommen wir am Woermann Haus von 1894 vorbei, dem ältesten Gebäude der Stadt, das heute eine Bibliothek und andere öffentliche Einrichtungen beherbergt.

    In der Nähe entdecken wir einen deutschen Buchladen, der auch englischsprachige Bücher verkauft, an einer kleinen Fußgängerzone.

    Es gibt noch immer einige Tausend Nachkommen der damaligen deutschen Siedler im Land, ebenso eine deutschsprachige Zeitung, wie überhaupt das Publikum auf den Straßen und in den Supermärkten sehr gemischt ist. Hellhäutige Menschen, dunkelhäutige Menschen und solche dazwischen – das ist hier ziemlich selbstverständlich. Alle scheinen Englisch zu sprechen und ein paar Wenige verstehen auch etwas Deutsch.

    Auf dem Rückweg zum Parkplatz teilen wir noch ein paar Eindrücke von der Strandpromenade und der Seebrücke.

    Am Parkplatz geben wir dem Wächter ein gutes Trinkgeld, weil er bei unserer Ankunft so aufmerksam auf unser Licht geachtet hat. Er freut sich sehr darüber und winkt uns dafür auch aus der Parklücke.

    Ein kurioses Foto kommt jetzt zum Schluss. Wir waren nämlich noch einkaufen für die Weiterfahrt am nächsten Tag und haben im Supermarkt einen anscheinend sehr leckeren Schokoladenkuchen entdeckt mit ironischem Warnhinweis. Wir haben den Hinweis ernst genommen und den Kuchen nicht gekauft.

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