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    Unterwegs zum Meer – Tag 4

    Heute geht es ans Meer! Doch bevor wir uns auf den Weg machen, möchten wir noch eine kurze Sache von gestern erwähnen. Nach unserem Ausflug nach Sossusvlei war unsere Kleidung ziemlich eingestaubt. Also haben wir sie gewaschen und danach, so gut es eben von Hand geht, im Handtuch ausgewrungen. Dann über Stühle gehängt an die frische Luft. Wir waren etwas skeptisch, ob unsere Jeans bis zum nächsten Morgen trocken werden würden, denn sie waren schon noch recht feucht. Aber siehe da – die trockene, warme Wüstenluft hat es möglich gemacht – die Jeans waren nach noch nicht einmal zwei Stunden knochentrocken!

    Was gut ist für die Jeans, ist auch für uns gut. Wir beide jedenfalls vertragen das Klima zu dieser Jahreszeit in Namibia sehr gut. Es ist warm, mit knapp 30 Grad noch nicht zu heiß, aber vor allem ist es trocken und dadurch die Wärme gut verträglich.

    So, nun aber das Auto gepackt und Abfahrt! Es geht heute nach Walvis Bay an der Atlantikküste, ca. 312 Straßenkilometer von der Sossusvlei Lodge entfernt. Die Fahrt dorthin ist ziemlich ereignisarm und dauert mit Pausen ca. 5 Stunden, so dass wir etwas mehr über die Straßen und die Landschaft schreiben können.

    Zunächst ging es erst einmal 90 km nach Solitaire. Das ist dort so, wie es der Name sagt, nämlich sehr allein. Eine Tankstelle, eine Bar, und das ist es. Getankt hatten wir schon am Tag zuvor, und ansonsten wird dort in jedem Reiseführer der Apfelkuchen angepriesen, den man unbedingt versuchen müsse. Das geht zurück auf einen Vorbesitzer der Bar in Solitaire, der 2014 gestorben ist und damals jeden Tag ein Blech leckeren Apfelkuchen verkauft hatte. Seitdem dieser Kuchen in allen Reiseführern auftaucht, ist der Ansturm groß geworden und die Qualität angeblich etwas wechselhaft. Jedenfalls standen dort einige Busse auf dem Parkplatz, und so haben wir uns den Apfelkuchen gespart.

    Dann in Solitaire links abbiegen und noch 220 Kilometer geradeaus fahren. Unser Navi meinte „Nach 210 Kilometern im Kreisverkehr die erste Ausfahrt nehmen“. Lustiges Ding, so ein Navi.

    Die ersten 200 Kilometer seit unserer Abfahrt an der Lodge sahen Straße und Landschaft so aus wie auf den Bildern oben. Die Straße sehr breit, eine Schotterpiste, auf der locker 3 bis 4 Busse aneinander vorbei fahren könnten. Die Oberfläche der Straße manchmal doch recht glatt, sodass schon mal 75 km/h möglich sind. Dann wieder Strecken mit wellenartiger Oberfläche, auf der 40 km/h schon zu viel erscheinen.

    Die Namibier fahren dabei eher defensiv. Überholt wird in großem Abstand, damit einem die Staubwolke nicht völlig die Sicht vernebelt. Die obligatorische Staubfahne hinter jedem Auto hilft übrigens dabei, den Gegenverkehr oder vorausfahrende oder nachfolgende Fahrzeuge bereits in großer Entfernung auszumachen. Sehr praktisch. Die Straße verläuft über sehr weite Strecken einfach geradeaus, selten mal eine Kurve oder eine Kuppe, die dann aber plötzlich die Aufmerksamkeit erfordern. Überhaupt gibt es immer wieder losen Schotter auf der Piste, bei dem das Fahrzeug unvermittelt leichte Schleudertendenzen zeigt. Beide Hände am Lenkrad sind Pflicht!

    Die Landschaft ist weit und karg. Gelbgrünes Gras in einer flachen Ebene, soweit das Auge reicht, Hügel in unterschiedlichen Höhen und Formen am Horizont und ein paar Büsche im Gras. Am nächsten Tag in Walvis Bay (wir greifen hier etwas vor) haben wir gelernt, dass das viele gelbe Gras sehr ungewöhnlich ist, denn ein Regenguss hat es vor 2 Monaten hervorgebracht. Das Gras ist jetzt dabei, sich auszusäen und wird in Kürze verschwunden sein, und dann wird die Wüste Namib wieder aussehen, wie es der Name sagt – wüst eben.

    Die Landschaft ist auch (fast) menschenleer. Wir haben es mal überschlagen, aber auf der gesamten Strecke von über 300 Kilometern haben wir nicht mehr als 20 Einfahrten zu Farmen gesehen. Namibia ist doppelt so groß wie Deutschland bei gerade mal 3 Millionen Einwohnern. Pro Quadratkilometer wohnen dort 3,7 Menschen, und davon die meisten in den Städten. In Deutschland drängeln sich übrigens über 230 Leute auf den Quadratkilometer.

    Unterwegs haben wir wieder den südlichen Wendekreis passiert, dieses Mal in nördlicher Richtung. Ein Hinweisschild am Straßenrand wies darauf hin. Wir haben es in flotter Fahrt passiert und daran gedacht, dass wir nie zuvor in unserem Leben so weit südlich gereist waren wie in den letzten 2 Tagen.

    Nach vielen Kilometern hat sich die Landschaft inzwischen verändert und ist einem bergigen Gelände gewichen. Wir haben inzwischen den Gaub Pass erreicht, und die Straße führt in Serpentinen in ein Tal hinab und wieder hinauf. Am Boden des Tals überquerte die Straße einen Trockenfluss. Das sah so hübsch aus, dass wir beschlossen, dort Mittagspause zu machen. Wir zeigen hier auch mal, was unsere Kühltasche dafür so hergibt. Es ist kein Luxusmenü, aber an der frischen Luft sehr lecker.

    Deutlich bergiger ist es geworden und landschaftlich interessanter. Wir haben unterwegs einen Trupp Radfahrer getroffen mit Begleitfahrzeug. Das ist wahrscheinlich auch notwendig bei diesen Entfernungen bis zur nächsten Farm oder Unterkunft. Den Namib-Naukluft-Nationalpark haben wir auch wieder befahren, den kannten wir schon von Sossusvlei. Dieser Nationalpark deckt einen großen Teil der Namib Wüste von der Atlantikküste bis ins Hochland hinein ab. Übrigens waren die Straßen im Nationalpark zu einem großen Teil geteert und wir kamen besser voran.

    Für unsere kleine Rubrik „außergewöhnliche Straßenschilder“ haben wir übrigens auch wieder zwei nette Exemplare gefunden.

    Je mehr wir uns unserem Ziel am Atlantik näherten, umso karger wurde die Landschaft. Irgendwann fuhren wir auf einer über viele Kilometer geraden, flachen, befestigten Straße durch eine ebenso flache Landschaft mit ein paar Hügeln am Horizont. Das Gras war verschwunden und es gab auch keine Büsche mehr. Braun- und Grautöne verschiedener Abstufungen beherrschten das Bild.

    Schließlich erreichten wir dann Walvis Bay, eine Stadt von 100.000 Einwohnern direkt am Atlantik gelegen, die als Industriestadt touristisch nicht so viel zu bieten hat. Allerdings ist sie ein guter Ausgangspunkt für eine Tour zu den Robben und den Wasservögeln, die wir für morgen geplant haben. Unsere Unterkunft Desert Dreams Bed & Breakfast bietet uns ein sehr geräumiges Zimmer mit Küchenzeile und großem Bad. Sogar unsere Wäsche hätten wir hier waschen können mit der vollautomatischen Waschmaschine! Dabei ist die Unterkunft recht übersichtlich mit nur 5 Wohneinheiten. Das Beste daran aber ist die eigene Garage für unser Auto, die in unserer kleinen Ferienwohnung integriert ist.

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