Guten Morgen, liebe Wüste! Um 6 Uhr 50 begrüßt uns die Namib mit einem Sonnenaufgang hinter dem Pool und der Morgenstern Venus schaut sich das Ganze von oben her an.

Wir wollen heute schon frühzeitig zum Frühstück gehen, denn um 7 Uhr 30 öffnet der Namib-Naukluft Nationalpark seine Tore, und dort fahren wir dann nach Sossusvlei. Was uns an dieser Sehenswürdigkeit erwartet, dazu später, denn es sind auf dem Weg dorthin noch 60 Kilometer mit dem Auto zu bewältigen. Unterwegs zum Frühstück schnell noch ein paar Fotos unseres Bungalows und der Anlage schießen. Insgesamt eine sehr gepflegte Anlage mit einer Anzahl von Bungalows in einem wüstenartigen Garten.



An der Pforte zum Nationalpark stehen wir pünktlich, sind aber trotzdem in der Warteschlange bereits Nummer 58, die uns der Mann am Gate zugewiesen hat, der auch unser Nummernschild notiert. Nachdem wir das Eintrittsgeld bezahlt haben, geht es los. Eine kleiner Plan auf der Rückseite der Eintrittskarte zeigt den Weg, denn ab jetzt gibt es keinen Handyempfang und damit auch kein Google Maps mehr. Naja, es gibt sowieso nur eine Straße, da können selbst wir uns nicht verfahren.


Nun also los! Die Straße ist geteert, dadurch gut befahrbar, und zieht sich auf schnurgeradem Weg durch die karge, ebene Landschaft, nur von Zeit zu Zeit unterbrochen von einer langgestreckten Kurve. Sechzig Kilometer können doch ganz schön lang werden. Immer schön auf der linken Seite bleiben, auch wenn es so gut wie keinen Gegenverkehr gibt und das Auto vor uns irgendwo ganz weit weg ist und hinter uns gar keins zu sehen. Apropos Links-Verkehr: Wir hatten eigentlich keine großen Probleme bisher damit. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt auf der doch viel befahrenen Straße dort hat dafür gesorgt, dass wir uns ziemlich schnell umgestellt hatten.
Links und rechts der Straße tauchen in der Ferne die ersten Dünen auf, Recht hoch und durch das klare Morgenlicht und die tief stehende Sonne in orange gefärbt mit deutlich definierten Schattenwürfen. Die Farben sind beeindruckend, das Gelb des weitläufigen, vertrockneten Grases bildet einen schönen Kontrast zu den Dünen und darüber der wolkenlose blaue Himmel. Faszinierend!




Nach rund 20 Kilometern erreichten wir die Flussdurchfahrt des Tsauchab, einer vielen bereits erwähnten Riviere oder Trockenflüsse Namibias. Der Tsauchab erfüllte seine Eigenschaften als Trockenfluss wunderbar und war wirklich sehr verdorrt. Allerdings standen an den Ufern viele Bäume und Büsche, die schon von weitem den Verlauf des Flusses in der Landschaft anzeigen. Diese Gewächse haben wohl tief reichende Wurzeln, aber ihre Anwesenheit hier ist ein klares Indiz dafür, dass der Tsauchab doch wenigstens ab und zu reichlich Wasser führen muss.




Unser Reiseführer sagt uns, dass der Tsauchab bis vor 60.000 Jahren in den Atlantik floss, der von hier ungefähr 80 km entfernt ist. Dann bildeten sich die vielen Sanddünen und schnitten dem Fluss den Weg zum Meer ab. Da er nur selten Wasser führt, hatte er den Dünen nicht wirklich was entgegen zu setzen und der Fluss endet nun einfach in einem See, wenn er denn mal Wasser hat. Und dieser See oder auch meistens eher Nicht-See ist Sossusvlei, die heute als sogenannte Salz-Ton-Pfanne daherkommt, also einfach nur ausgetrockneter, harter, rissiger Schlammboden eines großen Sees. Das Ganze umgeben von hohen Dünen, von denen einige die höchsten der Welt sein sollen. Wegen seiner Schönheit ist Sossusvlei auch Unesco-Welterbe.
Auf dem Weg dorthin passieren wir Düne 40 und Düne 45, die man jeweils von einem Parkplatz aus erklimmen kann. Unser Ziel ist aber das Ende der normalen Straße, wo wir unser Auto auf dem Parkplatz abstellen. Um uns herum viele Touristen, die durch Absenken des Reifendrucks ihre Fahrzeuge vorbereiten für die letzten 5 km zum Sossusvlei, die durch tiefen Sand und eigentlich schon auf dem Boden des Sees verlaufen. Wir trauen es uns trotz unseres Allradantriebs nicht zu, durch den Sand zu fahren, und entscheiden uns daher für einen Shuttle, der uns durch die Sandstrecke zum eigentlichen Parkplatz am Sossusvlei bringt.


Sehr schön der Farbkontrast zwischen dem orange-roten Sand und dem weiß-grauen Grund des ausgetrockneten Sees.
Nach einigen Überlegungen, welchen Weg wir nun einschlagen, entscheiden wir uns für eine Wanderung zum Deadvlei. Das ist ein weiterer meist ausgetrockneter See etwas südlich vom Sossusvlei. Dort soll es abgestorbene Bäume geben mitten in dem See. Diese Bäume sollen über 800 Jahre alt sein und ca. um das Jahr 1500 herum wegen anhaltender Trockenheit abgestorben. Das Wüstenklima hat sie aber prächtig erhalten, sagt unser Reiseführer. Auf dem Weg dorthin und im Deadvlei selbst entdecken wir so einiges.










Im hinteren Bereich des Deadvlei entdecken wir sogar Hinweise auf Wasser. Zunächst sind da kleine Pflanzen mit fleischigen Blättern, die sich an bestimmten Stellen sammeln, an denen es offenbar etwas feuchter ist. Schließlich treffen wir sogar auf offenes Wasser, eigentlich zwar nur etwas größere Pfützen, aber darin tummeln sich Unmengen von Insekten. Und bei uns führt der weiche Schlamm zu unschönen Schmutzrändern an unseren schicken weißen Sneakers. Naja, das kann man wieder abwischen.


Wie ihr seht, haben wir so einiges entdeckt, nur leider haben wir keine Spur der abgestorbenen schwarzen Bäume gefunden, die der Reiseführer empfohlen hatte. Statt weiter danach zu suchen, entschlossen wir uns zu einem Aufstieg auf die Dünen am Deadvlei. Nach 60 m Höhe sind wir noch ein Stück vom Gipfel entfernt, aber der Aufstieg im ständig wegrutschenden Sand (zwei Schritte vor, einer zurück)ist eine Tortur, und so begnügen wir uns mit der Aussicht von dort oben auf das Deadvlei, die wirklich sehr schön ist. Die Farben der Wüste sind wieder einmal faszinierend! Sehr hübsch übrigens auch der lange Schatten, den Annette bei immer noch tief stehender Sonne an der Dünenkante wirft.




Mit dem Shuttle fahren wir wieder zurück zum ersten Parkplatz und genießen einen kleinen Imbiss mit Vollkorn small. Und tatsächlich sehen wir hier auch einen abgestorbenen Baum! Vielleicht keine 800 Jahre alt, aber immerhin.


Nach sich noch mehr als bei der Hinfahrt ziehenden 60 Kilometern haben wir noch getankt und dabei ein nettes Gespräch mit dem Tankwart gehabt. Im Sommer hat es dort über 40 Grad, und in diesem Jahr hat es schon einmal geregnet, hat er erzählt. Ein zweites Mal wird es in diesem Jahr vielleicht im Dezember regnen. Wüste eben!
Zurück in der Lodge haben wir uns mit Sacherschnitte und Apfeltäschchen belohnt, denn unsere Fitnessuhren zeigten über 10.000 Schritte an. Nachmittags dann Ausruhen am Pool, wo wir bei hervorragender WLAN Qualität an diesem Blog weiterarbeiten konnten.


Zum Ende dieses Tages noch ein paar Worte zum Abendessen. Es gibt in der Sossusvlei Lodge ein sehr gutes Grillbüffet mit einer großen Auswahl an Fleischsorten, die man bei uns in Europa noch nie gehört hat. Neben Schwein und Rind waren das Oryx, Kundu, Eland und noch weitere. Alles Wildtiere aus der Gegend, sehr gut gewürzt und zubereitet. Dazu der namibische Wein, die Muscheln und das Nachtischbüffet. Wir haben es genossen, guten Appetit!

