Der nette Mann an der Rezeption hatte nicht zu viel versprochen, das Zimmer war wirklich außergewöhnlich ruhig. Kein Straßenlärm oder sonstiges Geräusch störte unseren Schlummer, sodass wir nach unsagbaren 10 Stunden unser Schlafdefizit wieder aufgeholt hatten.




Bevor wir zu unserer Tagesetappe aufbrechen konnten, mussten wir uns zunächst Mal mit Lebensmitteln eindecken und vor allem unsere schicke Kühltasche einweihen, die im Kofferraum des Autos schon mit dem Zigarettenanzünder verbunden darauf wartete, endlich gefüllt zu werden.
Dieses Mal entschieden wir uns für einen Besuch im Supermarkt Superspar, der in etwa auf unserem Weg lag. Dieser Supermarkt war nun wirklich wie ein Gruß aus Deutschland. Regale voll mit deutschen Produkten, bunt zusammen gewürfelt mit Exporten von Produkten von Edeka, Rewe oder anderen erinnerten uns an Zuhause. Der Bäcker bot außerdem ein „Vollkorn small“ Brot an und belegte „Brötchen egg/mayo“, bei denen wir natürlich sofort zugegriffen haben. Das Ganze ergänzt mit Bierwurst, Sacherschnitte und Clausthaler alkoholfrei sowie vielen Flaschen Wasser und sonstigen Dingen des täglichen Bedarfs haben wir unser Fahrzeug vollgeladen und die Kühltasche endlich ihrer Bestimmung zugeführt.




Nun ging es also endlich los. Unser Tagesziel war die Sossusvlei Lodge, ca. 303 Kilometer südwestlich von Windhoek gelegen, mitten in der Namib Wüste. Zunächst fuhren wir über normal asphaltierte Stadtstraßen aus der Stadt heraus auf die Überlandstraße C26, die ebenfalls zunächst als eine normal geteerte Straße daher kam. Allerdings nahm der Verkehr spürbar immer mehr ab und die Landschaft links und rechts der Straße ging von einer typischen Großstadt in freies, offenes Land über.
Plötzlich tauchte mitten auf der Straße eine Gruppe Affen auf, es könnten Paviane gewesen sein, die sich wahrscheinlich mehr über uns erschreckten als wir über sie. Sie stoben in allen Richtungen davon, aber ein paar haben wir doch noch mit dem Handy durch die Windschutzscheibe erwischt, links auf der Leitplanke hockend. Die Fahrt ging dann weiter, bis wir an diesem interessanten Verkehrsschild vorbeikamen, das auf das Ende der Teerstraße und den Beginn der Schotterpiste hinwies.




Nun also erst einmal anhalten und den Drehschalter von 2-Radantrieb umschalten auf Allradantrieb. Ganz wie wir es bei der Übergabe des Autos am Flughafen gelernt hatten. Wie war noch Mal die maximale Geschwindigkeit hier? Ach ja, nicht mehr als 70 km/h sollen es sein. Am Anfang tasteten wir uns an diese Geschwindigkeitsgrenze vorsichtig von unten heran. Es schaukelte etwas im Auto, ab und zu schlug ein Stein von unten gegen das Fahrzeug, aber wir vertrauten voll und ganz auf die Ingenieure von Toyota, dass sie dem Auto einen stabilen Unterbau verpasst haben.
Die Landschaft veränderte sich zunächst nur wenig, eine offene und weite Savanne mit viel Gras sowie Büschen und Bäumen dazwischen. Ideales Farmland für Rinder, sodass wir unterwegs an vielen Hinweisschildern und Toreinfahrten zu Farmen vorbeikamen, wobei zwei Nachbarn schon Mal einige Kilometer auseinander liegen. Man merkt da schon, dass Namibia nach der Mongolei das Land mit der zweit niedrigsten Einwohnerdichte der Welt ist. Wir sahen auch ein paar Rinder, die aber leider nicht so fotogen waren und sich nicht mit unserem Handy verewigen ließen.








Apropos ungewöhnliche Verkehrsschilder: unterwegs sahen wir noch weitere interessante Exemplare davon, die wir hier zeigen möchten. Das eine ist selbsterklärend, aber das andere kündigt eine Durchfahrt durch einen Trockenfluss an, ein sogenanntes Rivier, von denen es hier ziemlich viele gibt. In der Regenzeit im Sommer können sich diese Riviere durchaus mit etwas Wasser füllen, das man dann mit dem Auto durchqueren muss. Wir waren aber am Beginn des namibischen Winters dort, und es war alles ziemlich trocken. Spannend fanden wir auch das Schild mit der Höchstgeschwindigkeit. 100km/h sind hier erlaubt, wir können es kaum glauben!



Wir waren immer noch im namibischen Hochland, das den ganzen zentralen Bereich des Landes ausmacht. Im Osten geht das Hochland in die Kalahari-Wüste über, und im Westen erstreckt sich die Namib-Wüste, in der unser Ziel liegt, die Sossusvlei-Lodge. Ein Blick auf die Höhenanzeige im GPS-Tracker zeigt erstaunliche 2000 Höhenmeter. Der Blick in den Rückspiegel offenbart während der Fahrt eine erstaunliche Staubwolke, die wir hinter uns her ziehen.


Der Straßenaufbau mit Schotter und den entsprechenden Staubwolken ist nur möglich, weil auf den namibischen Straßen entsprechend der geringen Besiedelung des Landes auch nur sehr wenig Verkehr herrscht. Dafür gibt es umso mehr Natur und auch Tiere zu sehen. Auf den Straßen tummeln sich imposante Grillen von bestimmt 5cm Länge. Außerdem sehen wir viele Nester von Webervögeln, die große Nester in die Bäume oder auf Strommasten bauen. Diese Nester werden aus Gras geflochten und beherbergen sehr viele von diesen spatzengroßen Vögeln, die dann einen entsprechenden Lärm veranstalten.


Ein weiterer Meilenstein unserer Fahrt war der südliche Wendekreis bei 23,5 Grad südlicher Breite. Auch genannt der Wendekreis des Steinbocks, in Englisch Tropic of Capricorn. Das ist die Stelle auf der Erde, an der die Sonne am 21. Dezember genau senkrecht vom Himmel scheint und bei uns in Deutschland dann die Sonne am tiefsten steht.


So langsam näherten wir uns der sogenannten Abbruchkante, an der das namibische Hochland ziemlich abrupt in die wesentlich tiefer gelegene Namibwüste übergeht. Ein Stopp am Aussichtspunkt Spreetshoogte View Point ist ein Muss. Leider kann man die Weite des Blickes auf die mehrere hundert Meter tiefer liegende Wüste nicht mit dem Handy einfangen. Wir haben es trotzdem versucht und teilen hier die Fotos mit euch.


Jetzt ging es sehr steil bergab auf einer gepflasterten Straße. Eine Schotterpiste wäre bei diesem Gefälle wirklich zu gefährlich!

Nachdem wir unten angekommen sind, geht es ohne weitere Stopps direkt zur Lodge. Es sind immer noch gut 100 Kilometer zu fahren, sodass sich unsere Geschwindigkeit doch leicht von den 70 km/h nach oben anpasst.
Das letzte Stück Straße war dann wieder geteert, bevor wir dann endlich unser Ziel erreicht haben. Nach einem sehr leckeren Abendessen mit Büffet, über das wir morgen mehr berichten werden, und einer Flasche Wein fielen wir ins Bett.