Heute begrüßt uns Namibia mit einem eher trüben und bewölkten Himmel. Ob es vielleicht doch regnen könnte? Ein kurzer Check auf WetterOnline.de zeigt zwar ein paar lockere Wolkenfelder über Namibia aber eine Regenwahrscheinlichkeit von 0%. Also doch die kurzen Hosen anziehen.
Während wir frühstücken, ist auch schon Cecil, unser Guide, im Guest House erschienen. Mit ihm wollen wir Elefanten in der Wüste suchen. Elefanten in der Wüste? Das ist doch absurd, hätten wir früher gedacht, Elefanten brauchen doch Wasser und baden gerne, wie man es als aufmerksamer Zoogänger weiß. Aber tatsächlich, in der Wüste gibt es Elefanten, und Cecil will sie für uns finden.
Also los. Wir überlassen das Steuer unseres Toyota Fortuner unserem Guide, und ab geht die Fahrt über die bekannten Schotterpisten Richtung Norden, am Brandberg vorbei, durch den Ugab-Fluss, der sogar noch etwas Wasser führt und den wir trotzdem durchqueren können, weil der Wasserstand recht niedrig ist.
Unterwegs erfahren wir so einiges über Wüstenelefanten-Theorie, über Uis und auch sonst so. Über Uis werden wir am Ende des heutigen Blogs noch etwas schreiben.
Zum Beispiel hören wir, dass es vor kurzem geregnet hat, und zwar ziemlich viel, was wir schon wussten, aber davor einige lange Jahre gar nicht. Entsprechend ausgedörrt war das Land, und viele Bäume und Büsche zeigen auch deutlich Trockenschäden. Die allseits vorhandenen Grillen haben auch einen Zyklus, der vom Regen abhängt. Wenn es bald kälter wird im Winter, werden die vielen Grillen alle sterben, aber vorher legen sie Eier ab in der Erde, die auf den nächsten Regenguss warten und den nächsten Zyklus des Lebens beginnen.
Die Wüstenelefanten sind normale Elefanten, die vor dem seinerzeitigen Bürgerkrieg in Angola in den 1970er Jahren geflohen und über die Grenze nach Namibia südwärts gewandert sind. Dort in dem im Verhältnis zu Angola wesentlich trockeneren Klima sind viele von ihnen ums Leben gekommen. Die Überlebenden haben gelernt, bis zu fünf Tage ohne Wasser auszukommen und auch ihr Verhalten an das Leben in der Wüste angepasst. So haben sie sich abgewöhnt, ganze Büsche auszureißen, wenn sie Hunger haben, sondern sie reißen nur Äste ab, damit die Büsche eine Chance haben nachzuwachsen.
Das geübte Auge unseres Führers entdeckt nach 30 Minuten auch schon die ersten Tiere in freier Wildbahn, wo wir nach inzwischen über einer Woche in Namibia nicht mehr als ein paar Grillen, Kühe, Ziegen und Vögel zu Gesicht bekommen haben. Cecil wundert sich darüber sehr, aber vielleicht ist es wirklich das geübte Auge, das uns noch etwas abgeht. Links von der Straße laufen in einiger Entfernung zwei Springböcke, die wir trotz Cecils Hinweis erst nach etwas Suchen sehen. Aber immerhin, wir sehen sie, die ersten Wildtiere der Wüste! Leider etwas zu weit entfernt und zu schnell für unsere Handys, aber ins Gedächtnis eingebrannt. Kurze Zeit später flüchtet eine Gruppe Strauße anscheinend vor unserem Fahrzeug davon, ebenso zu weit entfernt und zu schnell für uns.
Unser Guide ist mit uns zu einer Stelle unterwegs, an der er vor zwei Tagen die Elefanten gesehen hat, und biegt von der Straße offroad ab auf eine ausgefahrene Spur quer durch die Wüste. Die ganze Zeit über fahren wir mit 2-Rad-Antrieb, ganz so als wären wir nicht in der Wildnis unterwegs, sondern irgendwo in Deutschland auf einer der feinst ausgebauten Autobahn. Für uns heißt das nichts, und wir werden sicher beim Allrad-Modus bleiben, da wir nicht so geübt sind wie Cecil.
Nach einer Weile tauchen plötzlich ein paar Strauße auf, die sogar in nicht zu großer Entfernung die Fahrspur kreuzen. Mit hektischem Handy-Gefuchtel gelingt es uns sogar, davon zwei Fotos zu schießen. Mann, sind die Viecher schnell! Bitte etwas zoomen.


Wir fahren wahrhaftig über Stock und Stein, und wir denken dankbar an die Geschicklichkeit der Ingenieure bei Toyota, die unser Auto sehr robust konstruiert haben.Gleichzeitig bewundern wir die Geschicklichkeit von Cecil am Steuer unseres Mietwagens. Plötzlich stoppt er, denn er möchte uns etwas zeigen. Wir steigen aus und entdecken nach seinem Hinweis Elefantenspuren im Sand der Fahrspur. Die Richtung der Krallen an den Spuren zeigt in die Richtung, in die wir fahren. Wir sehen andere Fahrzeuge mit Touristen-Gruppen, die in die gleiche Richtung fahren wie wir. Sollten wir bald Elefanten sehen können?

Zunächst sehen wir links und rechts der Straße viele Früchte, die aussehen wir faustgroße Melonen. Unser Guide erklärt uns, dass diese Melonen bitter schmecken und ungenießbar sind, dass die Wüsteneichhörnchen sie trotzdem lieben und Früchte auf die Straße rollen, damit Autos sie für sie aufknacken.

Nun dauert es nicht mehr lange, und wir sehen die Elefantenhorde! Es sind ca. 15 Tiere, eine Gruppe von Weibchen verschiedenen Alters, zu denen sich ein Bulle gesellt hat. Die männlichen Elefanten sind Einzelgänger, die sich nur zur Paarungszeit, die jetzt beginnt, den Gruppen der Weibchen anschließen. Der Elefantenbulle ist wirklich beeindruckend groß, um einiges größer noch als die auch schon großen Weibchen.






Die Tiere laufen gemächlich und ruhig durch die Landschaft, sie sind dabei völlig entspannt. Es ist ein langgestreckter Zug, der sich durch die Wüste bewegt, mal hierhin, mal dorthin ein paar Büsche anstrebt, um Äste von den Gehölzen zu reißen und sie genüsslich zu verspeisen. Wir erzählen Cecil davon, dass die Elefanten im Berliner Zoo zu Weihnachten mit Weihnachtsbäumen gefüttert werden, und er lacht.
Im Gegensatz zu den Springböcken und den Straußen interessieren sich die Elefanten überhaupt nicht für die kleine Schar von Autos, die sich hier versammelt hat. Es ist wichtig, erklärt unser Führer, den Dickhäutern Raum zu geben und die Richtung zu respektieren, in die sie sich bewegen wollen. Dann sind sie auch friedlich und nicht aggressiv.








Diese Tiere hier in Freiheit, ohne Grenzen, Zäune und Schranken zu beobachten, ist schon etwas Besonderes. Besonders auch verglichen mit Sri Lanka, wo wir auch Elefanten in freier Wildbahn gesehen haben, wobei die freie Wildbahn dort wesentlich eingeschränkter war aufgrund der viel höheren Bevölkerungsdichte. Hier in Namibia ist der Bewegungsraum der Elefanten praktisch unbegrenzt.

Nach einiger Zeit ist die Herde vorbei gezogen, und wir machen uns auf den Rückweg. Wir treffen unterwegs auf etwas viel Profaneres als Elefanten, nämlich eine Herde Rinder, die sich aber auch frei bewegen können, ohne Zäune und Grenzen. Wir lernen, dass die Rinder von selbst zurückkehren zum Stall, wo sie vor allem Wasser vorfinden. Wir lernen auch, dass sich die Elefanten gerne an den Rindertränken bedienen, was zu Konflikten mit den Farmern führt. Deshalb gibt es engagierte Gruppen junger Menschen, die versuchen, zwischen Farmern und Elefanten zu vermitteln, damit die Menschen die Tiere nicht alle Bedrohung wahrnehmen. Zum Beispiel werden die Tränken fest ummauert, damit die Elefanten sie nicht zerstören können.


Unterwegs grüßt auch noch ein Strauß, der trotz unseres Autos ganz still steht. Möglicherweise weil das Weibchen Junge hat, vermutet Cecil. Leider ist der Strauß etwas unscharf wegen der großen Entfernung.

Als letztes Tier auf unserem Ausflug entdecken wir noch eine Schlange, eine hochgiftige Puffotter. Die Schlange sitzt zunächst im hohen Gras und schlängelt sich dann langsam auf die Straße, wo sie unter dem Auto verschwindet und Michael und Cecil sie mit gebührendem Abstand suchen. Wir verstehen jetzt, warum festes Schuhwerk und Vorsicht beim Gang durch das Gras unbedingt geboten sind.




Auf der Rückfahrt nach Uis entdecken wir noch ein paar Strauße, die inzwischen aber schon wesentlich weniger spektakulär sind als noch am Morgen. Woran das wohl liegt? Im Ort verabschieden wir uns von unserem Guide, nicht ohne vorher ein Foto zu schießen. Cecil wurde uns vermittelt durch das 3 Aloes Guest House, und er hat seine Sache sehr gut gemacht und bekommt daher zum vereinbarten Honorar noch ein gutes Trinkgeld.

Jetzt geht es zum Mittagessen und zum Tankstopp. Das alkoholfreie Windhoek-Bier kommt mit eisgekühlten Gläsern und schmeckt. Am Restaurant fällt uns ein Schild auf, dass vom neuen Management aufgestellt wurde und Betteln verhindern soll. Ein ähnliches Schild finden wir am Supermarkt und an der Tankstelle. Das Schild ist mäßig erfolgreich, denn wir werden trotzdem angesprochen, widerstehen dieses Mal aber der Versuchung, noch mehr Steine zu kaufen. Auf dem Parkplatz steht direkt neben uns ein Auto desselben Typs mit fast identischem Kennzeichen. Wir sind etwas überfordert, unser Auto anhand der mittlerweile reichlichen Staubspuren zu erkennen, aber unsere Funkfernbedienung bekommt das locker hin.



Anschließend schauen wir uns Uis etwas näher an. Die Siedlung verdankt ihre Existenz einer Zinnmine hier, die viele Jahre lang das Metall aus der Erde geholt hat. Große weiße Abraumhalden, die schon von weitem sichtbar sind, sind so etwas wie das Markenzeichen von Uis geworden. Ende der 1980er Jahre wurde die Mine noch vor der Unabhängigkeit Namibias von der südafrikanischen Verwaltung geschlossen. Offiziell wegen des eingebrochenen Marktpreises für Zinn, aber inoffiziell, weil Südafrika die Konkurrenz loswerden wollte, wie uns Cecil erzählte.
Danach ging es mit Uis bergab, bis 2014 ein Investor quasi den ganzen Ort aufkaufte und den Tourismus ankurbelte, auch mit verschiedenen Events. Begleitend eröffnete 2019 auch die Mine wieder, die nun zusätzlich zum Zinn auch Lithium und Tantal fördert. Der Betrieb wurde modernisiert, das Prozesswasser wird aufbereitet und wiederverwendet, und aus dem sehr tonhaltigen Schlamm, der bei der Aufbereitung entsteht, hat man ein zweites Geschäftsfeld eröffnet. Der Schlamm wird in Formen zu Tonziegeln gebrannt, die in ganz Namibia und vielleicht darüber hinaus verkauft werden.





Auf dem Rückweg zur Unterkunft fahren wir noch etwas durch den Ort. Die Häuser sehen gut aus, und viele sind gebaut worden mit den Ziegeln aus der Ziegelfabrik. Das ist unschwer zu erkennen an dem charakteristischen Muster der Ziegel, die nicht einfarbig sind, sondern etwas schattiert. Uns gefällt das sehr gut, und wir sind gespannt, ob wir die Ziegel auch anderswo in Namibia entdecken werden.




Und noch ein Foto unseres Quartiers auf dem Hügel.

Angekommen in der Unterkunft ist erst einmal etwas Siesta angesagt. Am Nachmittag dann Blog schreiben auf der Terrasse. Inzwischen hat im Dorf eine Gesangsstunde von Kindern begonnen, die uns über mehrere Stunden mit ihrem Gesang und Musik beschallt. Ist eigentlich ganz schön, die Kinder aus voller Brust und mit Spaß singen zu hören, dauert dann aber doch etwas lang. Etwas Hundegebell tönt von der Ferne herüber, es ist das erste Mal, dass wir in Namibia Gebell hören.
Insgesamt liegt diese Unterkunft wirklich schön und ist auch sehr ruhig, aber wir vermissen etwas persönliche Zuwendung. Eine Angestellte ist hier und regelt das Geschäftliche, aber es fehlt etwas das Kümmern um die Gäste.
Wir verabschieden diesen schönen Tag mit einem Bild aus unserem Zimmer durch das Panoramafenster auf die Terrasse, den Pool und den Sonnenuntergang hinter dem Brandberg.
