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    Zweifelhafte Quelle – Tag 10

    Wir verlassen heute Uis und fahren zunächst zu einer bekannten Sehenswürdigkeit in Namibia, nach Twyfelfontein. Der Name stammt aus dem Afrikaans und bedeutet „Zweifelhafte Quelle“. Was es damit auf sich hat und was es dort zu sehen gibt, davon schreiben wir später.

    Es sind ungefähr 150 Kilometer bis nach Twyfelfontein auf den bereits recht vertraut wirkenden Schotterpisten Namibias zu bewältigen. Inzwischen haben wir uns schon fast an diese Straßen als den Normalzustand gewöhnt und freuen uns umso mehr über jede geteerte Straße, die dann als etwas Besonderes wahrgenommen wird. Erstaunlich, wie schnell man sich anpassen kann! 

    Zunächst sehen in einiger Entfernung links von der Straße das Brandberg-Massiv im rötlichen Morgenlicht schimmern. Der Brandberg ist ein Bergmassiv, das die umgebende Landschaft um fast 2000 Meter überragt und von der Fläche her halb so groß ist wie Berlin. Auch der Königstein, mit 2573m der höchste Berg Namibias, liegt hier.Das Bergmassiv besteht aus Granit und ist ähnlich wie die Spitzkoppe durch unterirdischen Vulkanismus vor 130 Millionen Jahren entstanden, also zur Zeit der Dinosaurier. Das umliegende Gestein wurde durch Erosion abgetragen und der härtere Granit blieb übrig. In diesem Gebiet, ähnlich wie auch an der Spitzkoppe, findet man viele Mineralien und Halbedelsteine, wie wir sie bereits unterwegs gekauft haben.

    Am Brandberg gibt es  auch Felszeichnungen, die sogenannten White Lady Paintings. Die sparen wir uns aber, denn es hätte einen Umweg von 42 km bedeutet.

    Wir entdecken unterwegs wieder zwei uns bisher unbekannte Warnschilder vor Tieren. Das eine ist selbsterklärend, beim anderen sind wir uns nicht ganz sicher, um welches Tier es sich handeln könnte.

    Auf der Fahrt tauchen seitlich an der Straße ab und zu Gruppen von Menschen auf, die dort in sehr einfachen Hütten zu leben scheinen. Wir haben diese Menschen bereits am Vortag auf unserer Tour zu den Elefanten gesehen, und unser Guide hatte uns gesagt, dass das Himba seien. Bei unserer Vorbeifahrt versuchen die Leute, unser Auto anzuhalten durch Winken mit Wasserflaschen. Wir sehen auch vereinzelt selbstgemalte Schilder mit dem Wort „Himba“, die das bestätigen. 

    Nachschlagen im Reiseführer belehrt uns, dass die Himba ein Nomadenvolk sind, das im einsamen Nordwesten Namibias lebt. Es bleibt unklar, was diese Menschen hierher getrieben hat, warum sie ihre traditionelle Lebensweise aufgegeben haben und statt dessen versuchen, durch Betteln über die Runden zu kommen.

    Nach einer Weile erreichen wir den Ugab Trockenfluss. Obwohl, so trocken ist er aktuell gar nicht, denn es hatte ja vor zwei Monaten hier geregnet. Auf unserer Elefantentour gestern haben wir den Ugab an einer D-Straße überquert, und unser Guide musste unser Auto ein Stück durch das zum Glück bereits flache Wasser der Flusses lenken. Heute haben wir eine C-Straße gewählt in der Hoffnung, dass diese Hauptstraße eine bessere Möglichkeit der Überquerung bietet.

    Die Hoffnung wurde belohnt, eine steinerne Brücke führt über den Fluss. Das ist eine Besonderheit in Namibia, sodass wir gleich ein paar Fotos davon und von der wirklich schönen Umgebung machen.

    Direkt am Ugab wurde eine Gruppe von Touristen aus einem geländegängigen Kleinbus (Basis Unimog) abgesetzt, die einen Kunstgewerbemarkt der Herero besuchen und dort auch das eine oder andere Stück kaufen sollen. Das erinnert uns an Gruppenreisen, die wir in der Türkei oder in Marokko unternommen haben, wo wir bei Teppich-, Schmuck- und Lederhändlern Station gemacht haben.

    Wir treffen dann auf eine der Maschinen, die die Schotterpisten begradigen, bei ihrem Einsatz auf unserer Straße. Das schwere Gerät fährt langsam, wobei eine Art Schaufel ähnlich wie bei einem Bagger die Oberfläche glättet und gleichzeitig seitlich ein kleines Häuflein Schotter bildet. Die Maschine ist von allen Seiten sehr gut beleuchtet und daher bereits von weitem schon gut sichtbar. Der Fahrer winkt uns beim Vorbeifahren freundlich zu.

    Später sehen wir noch ein zweites Mal eine solche Maschine, was seltsam ist, da wir in der ganzen Zeit bisher noch keine angetroffen hatten.

    Plötzlich steht dann ein Pferd am Straßenrand, das muss natürlich auch aufs Foto, ist doch klar. Es ist jetzt auch Zeit für einen kleinen Imbiss mit einem Schluck Wasser aus der Flasche, die im Supermarkt in Uis gekauft hatten. Wir bemerken dabei, dass das Wasser speziell für diesen Supermarkt abgefüllt wurde. Interessant.

    Als wir uns langsam der zweifelhaften Quelle, also Twyfelfontein, nähern, verändert sich die Straße zu einer geteerten Variante, also für uns inzwischen zu einer Besonderheit. Ein Zeichen dafür, dass der Verkehr zunehmen wird und dass wir uns einem Ziel für Touristen nähern. Entsprechend nimmt auf die Dichte an Lodges, Camps und anderen Unterkunftsmöglichkeiten zu.

    Der Name Twyfelfontein geht auf den Siedler David Levin zurück, ein deutsch-jüdischer Auswanderer, der hier mit seiner südafrikanischen Frau in der Einsamkeit der Namib eine Farm baute und Schafe züchtete. Das tat er an einem Ort, an dem er eine Quelle entdeckte, die allerdings nicht sehr zuverlässig Wasser produzierte, also etwas zweifelhaft war und bis heute ist – daher der Name.

    Warum sollte eine verlassene Schaffarm Touristen anlocken? Das tut sie natürlich nicht, sondern die Touristen kommen hierher wegen der Felsgravuren, die ganz in der Nähe der Quelle entdeckt wurden und sehr alt sind.

    Wir fahren also auf einen Parkplatz, wo mehrere Kleinbusse stehen, außerdem ein paar Geländewagen, wie wir einen haben. Insgesamt sind schon einige Reisegruppen da, aber es ist wesentlich weniger los als zum Beispiel in Sossusvlei. Auf dem kurzen Weg vom Parkplatz zur Rezeption treffen wir auf ein paar interessante Felsen, bei denen es sich offenbar um ein Sedimentgestein, also vielleicht Sandstein handelt. Stark von der Erosion gezeichnet und so ganz anders als der Granit an der Spitzkoppe oder am Brandberg.

    An der Rezeption zahlen wir Eintritt und bekommen einen Guide zugeteilt. Wir marschieren los, zunächst die Straße entlang. Als erstes treffen wir auf das verlassene Farmhaus, in dem David Levin von 1946 bis 1964 lebte. Es ist nur noch eine Ruine. Im Hintergrund ist am Hügel ein kleiner Holzüberbau zu erkennen, unter dem sich die Quelle befindet.

    Der Weg führt durch steiniges Gelände bergauf. Wir sehen viele Tierfiguren, aber auch Abdrücke von menschlichen Füßen und Händen, eingraviert in den Sandstein. Unsere Führerin erklärt uns, dass diese Gravuren vor 2000 bis 6000 Jahren durch das Volk der San entstanden sind. Also von den gleichen Menschen, von denen wir bereits die Malereien an der Spitzkoppe gesehen hatten. Allerdings wurde in Twyfelfontein nicht gemalt, sondern im relativ weichen Sandstein graviert. 

    Der Guide erklärt uns die Bedeutung der einzelnen Tierfiguren, die wir aber leider nicht alle im Gedächtnis behalten haben. Gemerkt haben wir uns, dass die Giraffe ein Symbol für die Suche nach Wasser ist, denn die Giraffe berührt in der Vorstellung der San die Wolken und bringt damit das Wasser zur Erde.

    Wir sehen auch eine Art Landkarte, auf der durch runde Kreise und Löcher die Positionen von Wasserstellen markiert sind. Diese Karte lässt sich heute nicht mehr lesen, da sich die Wasserstellen nicht mehr an den gleichen Orten befinden wie damals.

    Auffällig sind die Bilder von Tieren, die am Meer leben. So gibt es Gravuren eines Flamingos, von Robben und einem Pinguin. Die San waren regelmäßig am Meer, um von dort Salz zu holen, dass sie für die Konservierung von Fleisch benötigten. Auf dem Bild sind die Robben in der Mitte und rechts zu sehen.

    Nach dem Abschluss des Rundgangs noch ein Foto mit unserem Guide und eine Informationstafel über Twyfelfontein.

    Wir überlegen noch kurz, uns die nahe gelegenen Orgelpfeifen anzusehen, eine Basalt-Formation. Als wir feststellen, dass wir dazu wieder ein ganzes Stück in der mittlerweile ziemlich warmen Luft laufen müssten, überlassen wir den Basalt sich selbst.

    Die Fahrt zum Petrified Forest Rest Camp dauert nicht mehr lange. Unsere Unterkunft ist ein wirklich privates Quartier. Wir wohnen bei einem Ehepaar, etwas jünger als wir, die sich seit 2011 eine Existenz mit einem Café an der Straße aufgebaut haben und seit kurzem auch vier Bungalows an Übernachtungsgäste vermieten.

    Weil wir noch etwas darauf warten müssen, dass unser Bungalow fertig wird, kommen wir mit den Besitzern Eddy und Letty ins Gespräch und lernen viel über sie kennen. Er war früher Lkw-Fahrer, sie war Krankenschwester. Sie haben vier Kinder und fünf Enkel, wobei zwei Kinder studiert haben und als Apotheker und Journalist arbeiten. Sie haben sich aus dem Nichts diese Existenz aufgebaut und denken sogar über Erweiterungen nach. Wir sind beeindruckt.

    Interessant fanden wir, wie sich die Anzahl der Kinder über die Generationen verringert hat, ähnlich wie bei uns. Unser Gastgeber hat 9 Geschwister, er selbst mit seiner Frau 4 Kinder, und sein Sohn 2 Kinder. Namibia hat ein Bevölkerungswachstum von 3%, und überall sieht man hauptsächlich junge Menschen, aber der Trend scheint durch wachsenden Wohlstand in die richtige Richtung zu gehen.

    Von unserem Bungalow schauen wir auf die Weite der Namib und genießen den Sonnenuntergang. Am Blog schreiben wir auch etwas, aber erst einmal wird nur lokal gespeichert, da es hier kein Internet gibt. Am Abend bekommen wir noch ein gutes Essen serviert mit Rindfleisch, Kartoffelpüree und Gemüse. Schon ein bisschen Deutsch.

    Nach dem Essen zeigt uns Eddy einen verblüffenden Kartentrick und dann noch am Himmel das Kreuz des Südens. Ähnlich wie bei uns das Sternbild des Großen Wagens verwendet wird, um die Nordrichtung zu finden, kann man das Kreuz des Südens benutzen, um auf der Südhalbkugel der Erde die Südrichtung zu bestimmen.

    Ein schönes Ende eines vollen Tages!

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