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    Damaraland – Tag 11

    Die Nacht in unserer Unterkunft verlief wie erwartet sehr ruhig, denn schließlich sind es bis zum nächsten Ort Khorixas noch etwas über 20 Kilometer. Unser Gastgeber fährt übrigens seine schulpflichtigen Enkel jeden Tag zur Schule und holt sie wieder ab.

    Wir beginnen den Tag mit einem außerordentlich umfangreichen Frühstück unserer Gastgeberin. Es gibt Omelett, Boerewors, Bohnen, jede Menge Toastbrot, Marmelade, Tomaten und Avocado. Da brauchen wir heute nicht mehr viel zum Essen!

    Wir schießen dabei noch ein paar Fotos vom Gemeinschaftsbereich, von den Hunden unserer Gastgeber und vom Elefantenschädel. Ja, richtig gelesen! Vor ein paar Jahren gab es hier einen Elefanten, der eine Menge Schaden angerichtet hat. Normalerweise stehen die Tiere unter Schutz, aber dieser „Problemelefant“ durfte geschossen werden und sein Schädel ziert die Einfahrt unseres Quartiers.

    Zurück im Bungalow noch ein paar Fotos von dort. Wir haben den „afrikanischen Bungalow“ bekommen. Das Besondere daran ist die afrikanische Ausstattung, von den Bildern an der Wand bis zur Bettwäsche. Das Bild einer Frau wirkt so, als wenn sie uns die ganze Zeit ansieht, egal aus welcher Richtung man das Bild betrachtet. Schon etwas unheimlich…

    Heute planen wir zunächst einen Ausflug zum „Petrified Forest“, also zum versteinerten Wald. Davon gibt es mehrere in der Nähe, wir wählen denjenigen mit dem offiziellsten Anstrich. Wieder führt uns ein Guide herum.

    Der versteinerte Wald entstand vor 280 Millionen Jahren. Damals gab es nach einer Eiszeit ein großes Schmelzwasser-Ereignis, bei dem riesige Wassermengen aus dem Norden große Pinienwälder davon geschwemmt und die Bäume hier in Namibia abgelegt haben. Das Schmelzwasser führte große Mengen an Schlamm mit sich, der sich über den Bäumen hunderte Meter hoch aufgetürmt hatte, sodass die Bäume darunter unter Luftabschluss mit der Zeit versteinert sind. Vor 125 Millionen Jahren wurden sie durch Erosion wieder freigelegt.

    Außer den versteinerten Bäumen gibt es im Park auch anderes zu entdecken. So sehen wir ein Pärchen von Welwitschia Pflanzen, das heißt eine männliche und eine weibliche Pflanze direkt nebeneinander in trauter Eintracht. Wir hatten die Welwitschia schon an der Spitzkoppe gesehen, aber diese hier sind viel schöner und es gibt viele davon. Das ist die seltsame Pflanze, die nur zwei Blätter entwickelt, die immer weiter wachsen, und die es nur hier in der Namib gib. Welwitschias können über eintausend Jahre alt werden, aber das Pärchen hier sind noch Jünglinge von nur 200 Jahren. Die Wurzeln reichen drei bis vier Meter tief in das Grundwasser hinein.

    Wir sehen auch andere Pflanzen, z.B. einen Baum, der gerade winterbedingt keine Blätter trägt, dessen Zweige aber nach Zitrone duften. Oder den Mopane Baum mit schmetterlingsförmigen Blättern, der gerne von den Wüstenelefanten gefressen wird.

    Aber wir sind ja nicht wegen der grünen, lebendigen Bäume hier, sondern wegen ihrer versteinerten urzeitlichen Verwandten. Davon liegen hier eine ganze Menge herum. Teilweise kann man an den uralten Stämmen noch die Rinde oder die Jahresringe erkennen. Das größte Exemplar hat einen Durchmesser von 1,20 Metern und ist im sichtbaren Bereich 10 Meter lang. Die Stämme stecken teilweise in der Erde, aber sie werden aus Gründen des Naturschutzes nicht ausgegraben.

    Das war ein sehr interessanter Besuch, und schon geht es zum nächsten. Wir fahren ein gutes Stück der Straße zurück, die wir gestern von Twyfelfontein gekommen sind. Unser Ziel ist das Damara Living Museum, ein Freilichtmuseum, das sich die Erhaltung der Damara-Kultur zur Aufgabe gemacht hat. Unterwegs sehen wir einen sehr fotogenen Strauß.

    Die Damara sind ein Volk, dessen Ursprung unbekannt ist und dass sich vor vielen hundert oder tausend Jahren in der Gegend zwischen Spitzkoppe und Etosha niedergelassen und dabei die San verdrängt hat, die vorher hier lebten. Also genau die Gegend, in der wir uns jetzt gerade aufhalten, und dementsprechend gehört auch unser Gastgeber den Damara an. Die Damara lebten viele Jahre im Streit mit den angrenzenden Herero und Nama und wurden von diesen auch unterdrückt. Interessanterweise hat ausgerechnet die Kolonialisierung durch das Deutsche Reich den Damara einen Landstreifen verschafft, nämlich das Damaraland, in dem sie in Frieden leben konnten.

    Heute machen die Damara knapp 10% der Bevölkerung aus, wobei fast niemand mehr von ihnen traditionell lebt, sodass die Aufgabe des Museums umso wichtiger ist.

    Am Eingang entrichten wir unseren Obolus, und ein Guide führt uns herum, wie wir es schon gewohnt sind. Zunächst zeigt er uns die Schmiede, in der sie Messerklingen herstellen, schleifen und daraus Holzfiguren aus Balsaholz herstellen. Außerdem haben sie auch Messer zum Rasieren. Dabei stellt sich heraus, dass unsere Guide sehr gut Deutsch spricht, das er sich durch seine Tätigkeit für das Museum und den Kontakt mit den Besuchern selbst beigebracht hat. Hut ab!

    Als nächstes sehen wir einen Topf mit Bier. Das Bier wird aus Grassamen gewonnen, wobei man das mühevolle Sammeln der Grassamen den Ameisen überlässt und diesen dann die Samen wegnimmt. Arme Tierchen! Je nach Dauer der Fermentation entsteht Bier oder Wein mit unterschiedlichem Alkoholgehalt. 

    Wir beobachten dann noch, wie eine Ziegenhaut von den Haaren befreit und zum Gerben vorbereitet wird. Aus den Haaren stellt man Kopfkissen her.

    Anschließend wird traditionell Feuer entfacht mit weichem und hartem Holz und etwas Zunder aus getrocknetem Tierdung.

    Nun wird es voll. Die ganze Gruppe von insgesamt vielleicht 20 Männern und Frauen führt zu fröhlicher Musik und Gesang zwei Tänze auf. Macht Spaß und reizt zum Mitwippen. In den Liedern geht es wohl um die Heirat und die schönen Dinge des Lebens.

    Als letzten Besuchspunkt im Dorf gehen wir zur Werkstatt der Frauen, die aus der Schale von Straußeneiern (natürlich weiß oder durch Feuer schwarz gefärbt) oder Samen verschiedene Schmuckstücke herstellen.

    Da wir zusätzlich zum Besuch des Museumsdorfes auch den Bush Walk gebucht hatten, geht es nun mit dem Führer und zwei weiteren traditionell gekleideten Damara hinaus ins Gelände. Wir bleiben an einigen Bäumen und Sträuchern stehen, und die Frau erklärt in der Damara-Sprache mit den typischen Klicklauten die Bedeutung der Bäume, und unser Guide übersetzt. Ein Baum hilft bei Bauchschmerzen und wirkt als Abführmittel, ein anderer wird zum Zähneputzen eingesetzt. Das ist der Mopane-Baum, den wir schon im versteinerten Wald gesehen haben. Lorbeer wird bei den Damara verwendet bei Ohrenschmerzen, und unser Guide wundert sich, als wir ihm erzählen, dass wir in Europa Lorbeer zum Kochen verwenden.

    Wir sehen auch die traditionelle Art der Jagd durch Anpirschen, die allerdings heute untersagt ist. Der Guide sagt, dass sie nur noch im Supermarkt jagen…

    Interessant ist auch die Sprache mit den Klicklauten, die es bei mehreren afrikanischen Völkern gibt. Wir lernen, dass es vier verschiedene Arten von Klicklauten gibt, die im Wesentlichen von der Zunge gesteuert werden. Nach ein paar Versuchen geben wir allerdings auf, bevor wir uns noch die Zunge verknoten. Symbole für die Klicklaute hatten wir auch schon auf dem aus Balsaholz geschnitzten Messerheft gesehen.

    Zum Schluss des wirklich sehr interessanten Besuchs zeigt man uns noch Schminke aus Ockerfarben, und Annette wird geschminkt. Hübsch!

    Im Shop nehmen wir noch Andenken mit und es geht zurück zum Parkplatz. Gleich neben uns parkt ein Wagen aus Britz, der muss natürlich aufs Bild!

    Da unser Kühlschrank ziemlich leer ist, fahren wir auf dem Rückweg am Petrified Forest Rest Camp vorbei noch 20 Kilometer weiter bis nach Khorixas, um im Supermarkt einzukaufen. In der Stadt sehen wir viele junge Leute die Straße entlang laufen, offensichtlich Schüler der High School, an der wir vorbeifahren, und die gerade Schulschluss haben. Der ganze Ort ist voll mit jungen Menschen.

    Im Supermarkt bekommen wir alles, was wir so brauchen, auch einen leckeren Focaccio zum Mittagessen. An der Kasse ist dann ziemlich viel Geduld nötig, denn die Gelassenheit der Dame an der Kasse und der Kundin mit dem vermutlichen Monatseinkauf beschleunigt den Prozess nicht unbedingt. Allerdings stellen wir fest, dass auch die einheimischen Kunden vor und hinter uns etwas genervt erscheinen.

    Auf dem Rückweg zum Quartier sehen wir einige Rallyewagen vom Typ Quasi-Porsche mit Geländereifen entgegenkommen. Keine Ahnung, ob das ein Rennen ist oder was die Leute da treiben. Auf jeden Fall vernebeln sie ganz schön die Sicht, und wir müssen vom Gas gehen.

    Im Bungalow beginnt dann die Nachmittag-Ruhezeit mit Blog-Schreiben und Nichtstun. Leider haben wir hier kein Internet, sodass wir das Hochladen des Blogs verschieben müssen. Ein schöner Tag geht langsam vorüber.

    Gegen Abend kommt der Gastgeber vorbei und heizt unseren Badeofen ein. Es handelt sich um eine ähnliches Modell, wie wir es bereits an der Spitzkoppe kennengelernt hatten, nur etwas kleiner. Das Heizen mit Holz scheint preiswerter zu sein als die elektrische Warmwasser-Erzeugung, denn Strom gibt es ausreichend hier. Michael fühlt sich an seine Kindheit und Jugend erinnert. Auf jeden Fall ist das Wasser richtig heiß, und wir nehmen eine schöne warme Dusche uns spülen den vielen Staub der namibischen Straßen von unseren Körpern. Den Mischhebel können wir dabei zu 2/3 Richtung „kalt“ stehen lassen, so heiß ist das Wasser.

    Abends genießen wir dann das Essen. Heute ist ein anderes Paar an einem eigenen Tisch dabei, sie scheinen etwas älter zu sein als wir. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass sie ursprünglich aus Südafrika stammen, aber schon seit 20 Jahren in Australien leben. Jetzt sind sie bis Oktober auf einer Rundreise durch das südliche Afrika. So viel Zeit haben wir vielleicht auch bald!

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