Die Nacht unter dem auf seiner Seite immer noch etwas schiefen Moskitonetz verlief besser als von Michael befürchtet, sodass er und Annette einigermaßen fit waren, als der Wecker um 5 Uhr klingelte. Zeitiges Frühstück um 6 Uhr war angesagt und pünktliche Abfahrt um 6:45 Uhr.
Heute geht es in den Etosha Nationalpark, der von zwei Drittel aller Namibia-Touristen besucht wird. Warum? Weil es dort Tiere zuhauf gibt, die wegen der flachen und teilweise buschlosen Landschaft auch noch sehr gut zu beobachten sind. Wir sind sehr gespannt! Wir gehen auf Safari!
Wir stehen pünktlich an der Abfahrtstelle direkt neben der Rezeption zusammen mit vielen anderen Gästen des Etosha Safari Camp. Es ist ziemlich kalt, ca. 7 Grad, und man hat uns geraten, dass wir uns dick anziehen sollen. Das haben wir getan, jeweils mit Unterhemd, T-Shirt, Hoodie und Regenjacke als Windschutz bekleidet. Insbesondere die Regenjacke freut sich, auch mal die Rückbank des Autos verlassen zu können.
Die anderen Gäste werden nach und nach abgeholt mit offenen Geländewagen, die mit nach hinten ansteigenden Sitzreihen ausgestattet sind, so dass alle Passagiere einen guten Blick auf die Umgebung haben. Um 6:50 Uhr stehen wir alleine in der aufziehenden Dämmerung, aber man versichert uns, dass wir bald abgeholt würden. Wir vertrauen dem und schießen ein Foto des wirklich beeindruckend farbenprächtigen Morgenhimmels.

Kurze Zeit später kommt unser Fahrzeug angefahren. Es hat drei Sitzreihen mit jeweils drei Plätzen. Die erste Reihe ist bereits besetzt, und wir entscheiden uns für die mittlere Reihe. Durch die ansteigende Anordnung haben wir einen guten Blick. Unsere Fahrerin Nadia, mit Handschuhen und Pudelmütze bewaffnet, fährt das Geländefahrzeug auf die Straße, es sind noch 10 Kilometer bis zum Tor des Parks.
Zehn Kilometer bei 7 Grad und 80 km/h in einem offenen Wagen sind – sehr, sehr kalt! Wir mummeln uns zusätzlich zu unserer Eskimo-Bekleidung in die ausliegenden Decken ein und frieren trotzdem wie sonst was. Uns wird schlagartig der Nutzen einer Windschutzscheibe klar und auch warum sie so heißt. Eine wirklich geniale Erfindung! Das rote Morgenlicht sorgt dann noch für eine interessante Farbgebung der Gesichtshaut.

Nach gefühlt langer Zeit (wohl nur ein paar Minuten) erreichen wir das südliche Gate des Etosha-Nationalparks. Schön, wenn der Schmerz nachlässt. Vor uns eine Schlange von Fahrzeugen, die alle auf den Einlass um 7:15 Uhr warten. Nadia hat ein paar Formalitäten zu erledigen, zwei weitere Gäste mit ihrem Reiseleiter steigen dazu.


Los geht die Fahrt! Wir fahren nun etwas langsamer, und die Kälte wird erträglicher. Nach zwei oder drei Minuten sehen wir bereits die ersten Tiere ganz dicht an der Straße stehen. Es ist eine Gruppe von Zebras, die im Licht der ersten Morgensonne Gras futtern. Was für ein schöner Anblick! Alle Gäste im Fahrzeug sind entzückt und schießen Fotos, die Leute hinter uns sogar mit Profiausrüstung und Teleobjektiv.




Wir biegen von der Hauptstraße ab und folgen nun Nebenstraßen, die wie bereits gewohnt die Geländegängigkeit unseres Transportmittels herausfordern. Das Gute daran ist, das wir langsamer fahren. Das hilft bei der Tierbeobachtung, aber es wird uns auch allmählich wärmer dabei.
Es tauchen alsbald die ersten Springböcke auf. Diese Antilopenart hat ungefähr die Größe unserer Rehe, ist aber etwas bunter gezeichnet und trägt zwei kleine spitze Hörner auf dem Kopf. Ähnlich wie bei den Zebras sind wir alle begeistert und schießen eine Menge Fotos. Wir wussten da noch nicht, dass wir noch recht oft auf Springböcke treffen werden, da diese Tierart sehr häufig in Etosha vertreten ist. Wir haben hier Fotos der Springböcke von mehreren Stellen zusammen gestellt, die wir unterwegs gesehen haben.








Es gibt natürlich auch Vögel im Nationalpark. Ein schönes Exemplar eines Raubvogels entdecken wir auf einem Baum, gerade als er sich erhebt und davon fliegt.




Am Boden treffen wir auf eine Kuhantilope. Diese Tiere scheinen seltener zu sein, denn dies ist unsere einzige Begegnung mit dieser Art. Die Kuhantilopen sind die zweitschnellsten Antilopen, lernen wir.

Plötzlich bleibt unser Fahrzeug stehen, ohne dass die Passagiere auf der rechten Seite wissen warum. Links am Weg steht ein Vogel, der im Englischen Alarm Bird genannt wird. Kurze Zeit später wissen wir warum, als der Vogel einen sehr lauten Schrei von sich gibt und verschwindet.

Was wir bisher noch nicht gesehen haben, sind Löwen und Elefanten. Da bleibt unser Fahrzeug wieder stehen. Der Fahrer und sein Begleiter schauen angestrengt nach links auf eine große, freie Fläche voller Gras. Sie sagen uns, dass dort am Tag zuvor Löwen gesichtet wurden. Heute sind sie leider verschwunden, und wir werden auch den ganzen Tag keine Löwen zu Gesicht bekommen.
Von Elefanten entdecken wir am Weg einige Spuren, wie z.B. ihren Dung oder abgerissene Zweige. Das lässt uns hoffen, dass wir heute vielleicht noch welche sehen werden.
Zunächst einmal ist es Zeit für eine kleine Pause, und wir steuern einen eingezäunten Picknick- und Toilettenbereich an. Hier hinein können die Tiere nicht gelangen, und wir steigen aus und werden mit Kaffee, Tee und Gebäck versorgt.

Die Fahrt geht bald weiter. Wir peilen ein Wasserloch in der Nähe an und tatsächlich treffen wir dort auf eine große Gruppe von Elefanten. Es sind weiblichen Tiere mit ihren Jungen, wobei die Jungtiere teilweise schon recht erwachsen wirken. Ab einem bestimmten Alter werden die jungen männlichen Tiere von der Gruppe verstoßen und ziehen alleine ihres Wegs. Wir beobachten einige entsprechende Rangeleien, bei denen männliche Elefanten weggedrängt werden. Ein oder zwei erwachsene Bullen sind auch Teil dieser Gruppe. Es scheint Paarungszeit zu sein, denn nur dann nähern sich erwachsene Bullen den Gruppen der Weibchen.
Die Elefanten sind sehr dominant und lassen andere Tiere nicht an das Wasserloch. In der Nähe steht eine Gruppe Zebras, die von den Elefanten vertrieben würden, wenn sie versuchen würden, Wasser zu trinken.






Im Reiseführer lesen wir, dass mittlerweile zu viele Elefanten in Etosha leben, was negative Auswirkungen auf andere Tiere und die Pflanzenwelt hat. Es müssen ab und zu Elefanten erschossen werden, was zu Protesten im Ausland führt. Wir finden aber, dass die Namibier selbst entscheiden sollten, wie sie mit ihrer Natur umgehen, und bisher haben wir festgestellt, dass man in diesem Land sehr verantwortungsvoll mit der Umwelt und Tierwelt verfährt.
Weiter geht die Fahrt, da taucht ein seltsamer Vogel im hohen Gras auf, der durch die Gegend schreitet. Es ist ein Sekretär, der seinen Namen vom frackähnlichen Aussehen des Federkleides hat in Verbindung mit nach hinten abstehenden Federn am Kopf, die an hinter die Ohren gesteckte Bleistifte erinnern. Da hat jemand wohl viel Phantasie gehabt! Der Raubvogel ist auf der Jagd am Boden, er frisst zum Beispiel Schlangen oder andere Kleintiere. Nach einer Weile hat er genug von uns und wechselt flügelschlagend die Straßenseite.




Raubtiere außer den Vögeln sehen wir heute kaum, nur eine einzelnen Hyäne.


Allmählich wird es mit der steigenden Sonne wärmer, und wir befreien uns allmählich von unserer zwiebelähnlich geschichteten Kleidung. Allerdings ist Michael verfrorener als Annette und ist hier etwas zögerlicher.


Weitere Tiere kommen ins Blickfeld. Wir entdecken eine Oryx Antilope mit ihren charakteristischen langen Hörnern. Wir lernen, dass Oryxe sehr gut in der Wüste überleben können, weil sie bis zu fünf Tage ohne Wasser auskommen.


Am Boden taucht eine Gruppe oder Familie von Erdhörnchen auf. Sie stehen auf ihren Hinterbeinen und schauen uns an. Sieht ziemlich niedlich aus.




Schließlich treffen wir noch auf ein Tier, auf das wir alle gewartet haben, aber bisher noch nicht entdeckt. Neben der Straße äst eine Giraffe die Blätter von der Spitze eines Baumes. Diese Tiere können bis zu fünf Meter hoch werden und sind ideal angepasst an die Nahrungsaufnahme aus großer Höhe. Bei der Geburt suchen sie sich einen weicher Untergrund, denn das Neugeborene fällt aus relativ großer Höhe einfach auf den Boden.




Wir fahren zu weiteren Wasserlöchern und sehen Unmengen von Zebras und Springböcken in der Umgebung. Die Tiere lassen sich von den zahlreichen Autos überhaupt nicht stören. Sie sind offenbar gewöhnt an die vielen Besucher und überhaupt nicht scheu. Man könnte meinen, die vielen Tiere stehen dort an der Straße und grüßen uns, so voll ist es und so wenig Scheu haben sie. Beeindruckend.






Das betrifft übrigens alle Tiere, die wir gesehen haben. Im Gegensatz zu den wenigen Tierbegegnungen, die wir bisher außerhalb des Parks hatten, wo die Tiere sehr scheu reagiert haben, sind alle Tiere in Etosha an Menschen gewöhnt und fotogen.
Es wird Zeit für die Rückfahrt. Wir entdecken weiterhin vor allem Zebras und Springböcke in großen Mengen und aus dem entzückten „Ah, ein Zebra“ und „Oh, ein Springbock“ ist eine gewisse Gewöhnung geworden. Aber schön ist es immer noch, die vielen Tiere zu sehen.
Wir machen Stopp in Okaukuejo, einer kleinen Siedlung in der Nähe des Tores. Unsere Fahrerin Nadia bezahlt dort den Parkeintritt für die Gruppe. Auf dem Parkplatz treffen wir wieder auf die Gruppe von Porsche Rennwagen, die wir bereits in Khorixas auf der Straße gesehen haben. Sie scheinen alle Teilnehmer einer Africa Rallye zu sein.

Es geht nun zügig zurück zum Etosha Safari Camp. Insgesamt dauerte unser Ausflug fast 6 Stunden, und wir freuen uns auf einen ruhigen Nachmittag.
Am Abend gibt es wieder Abendessen mit Livemusik. Eine graue Katze bettelt uns an, ebenso wie sie es am Abend vorher versucht hat. Wir haben nicht so viel Mitleid mit ihr wie vermutlich andere Gäste, die früher an diesem Tisch saßen. Sie sieht aber wohlgenährt aus und wird sicher nicht verhungern. Es ist übrigens die erste Hauskatze, die wir in Namibia sehen.

