• Deutsch
  • English
  • Ferne Entdecken – Reiseblog für individuelle Abenteuer

    Quer durch Etosha – Tag 14

    Nachdem wir gestern verstanden haben, dass es problemlos möglich ist, im Etosha Nationalpark selbst Auto zu fahren, beschlossen wir, für die Weiterreise nach Ghaub die Strecke quer durch den Park zu nehmen. Die Strecke wird etwas länger dauern, weil es wegen der vielen Tiere eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60km/h gibt, aber sicherlich ist diese Etappe reizvoller als eine Fahrt komplett außerhalb des Parks. Insgesamt stehen heute ca. 350 Kilometer auf dem Plan, da müssen wir früh aufbrechen.

    Wir schießen noch ein paar Fotos vom Eingangsbereich des Etosha Safari Camp und einer blühenden Pflanze im morgendlichen Dämmerlicht, und brechen auf.

    Am südlichen Tor, demselben wie gestern, stehen wir nun also um 8 Uhr und füllen zunächst den Fragebogen aus mit unseren persönlichen Daten. Dann kommt eine zweite Mitarbeiterin, die offensichtlich vom Veterinärdienst ist, und fragt uns, was wir alles so an Fleischprodukten dabei hätten. Wurst? Rohes Fleisch? Wir haben nur etwas Salami dabei, und sie ist zufrieden. Unsere Vermutung ist, dass es ihr um Seuchenschutz ging. Ein dritter Mitarbeiter fragt uns, ob wir eine Drohne dabei hätten oder Plastiktüten. Eine Drohne haben wir nicht, aber bei den Plastiktüten wird es schwierig, denn wir haben unser gesamtes Gepäck an Bord. Nach einem Blick in den Kofferraum beschlagnahmt er die Plastiktüte, in der wir unsere Sandalen aufbewahren. Wir vermuten, dass es hier um Abfallvermeidung geht.

    Endlich dürfen wir in den Park hineinfahren! Es geht zunächst 10 Kilometer auf geteerten Straße geradeaus bis nach Okaukuejo, wo wir gestern schon waren und wo wir jetzt das Eintrittsgeld für den Park bezahlen. Unterwegs sehen wir an der Straße schon das erste Tier, bei dem es sich um ein Impala handeln könnte.

    Vielleicht ein paar Worte über Etosha. Vorläufer des Nationalparks entstanden bereits 1907, als die deutsche Kolonialverwaltung den ganzen Norden Namibias unter Naturschutz stellte und die Jagd verbot. Auslöser war, dass durch intensive Jagd praktisch alle Elefanten aus Namibia verschwunden waren. Im Laufe der Zeit hat das Schutzgebiet seine Größe mehrmals verändert, und den Nationalpark in seiner heutigen Form gibt es seit den 1970er Jahren. Der Etosha Nationalpark ist ca. 22.000km² groß, das entspricht ungefähr der 25 fachen Fläche Berlins oder etwas mehr als der Fläche des Bundeslands Hessen. Der gesamte Park ist umzäunt. In der Mitte liegt die Etosha Pfanne, ein abflussloser See, in den einige umliegende Flüsse münden. Ähnlich wie in Sossusvlei fällt dieser See teilweise trocken, und es hat sich eine Salz-Ton Schicht gebildet, die eine Fläche von ca. 4.700km² bedeckt, was fast 6 mal so groß ist wie Berlin.

    Entsprechend groß wie der Park ist auch unsere Fahrstrecke durch ihn hindurch, die mehr als 150 Kilometer beträgt. Wir entdecken heute Tiere, die wir bisher noch nicht gesehen haben. So treffen wir öfter auf Herden von Gnus. Die büffelähnlichen Tiere grasen in der Steppe oder liegen wiederkäuend im Gras. Manchmal sehen wir auch einzelne Gnus, die zusammen mit Springböcken unterwegs sind.

    Zebras sehen wir natürlich auch wieder sehr viele, die wir aber gar nicht mehr alle fotografieren möchten. Irgendwie sind wir mittlerweile etwas Zebra-gesättigt. Eines aber steht so nett grüßend am Straßenrand, dass wir einfach ein Foto schießen müssen.

    Ein weiteres neues Tier ist ein Vogel, der langsam durch das hohe Gras watet und anscheinend auf der Jagd ist. Wir vermuten, dass es sich um ein Weibchen des Sekretärs handeln könnte, von dem wir gestern bereits ein männliches Tiere gesehen hatten.

    Nach einer ganzen Weile Fahrt erreichen wir das Camp Halali, das ungefähr auf halbem Weg durch Etosha liegt. Ein Jagdhorn ziert den Eingangsbereich, passend zum Namen. Das Camp ist eingezäunt und bietet Möglichkeiten zur Übernachtung mit Camping, ein Restaurant, Tankstelle und weiteres mehr. Wir machen hier Mittagspause, und weil es exzellentes Internet gibt, laden wir etwas vom Blog hoch.

    In Halali gibt es ein künstliches Wasserloch mit Zuschauertribüne und Flutlicht. Leider tummelt sich jetzt um die Mittagszeit kein Tier dort.

    Gestärkt nehmen wir nun eine Nebenstraße „Etosha Pan Lock Out“, die uns ein ganzes Stück hinaus in die Etosha-Pfanne führt. Mitten im Nichts, quasi auf dem Seegrund und seinem salzhaltigen Boden bleiben wir stehen und schauen uns um. Bis zum Horizont erblicken wir eine topfebene Fläche in gleichförmigem Grau-Braun, unterbrochen von ein paar Weißtönen, wo sich etwas mehr Salz abgelagert hat.

    Wir fahren zurück zur Hauptstraße, die wir bisher auf unserem Weg durch den Park benutzt haben. Im Gegensatz zu gestern, als wir viele Nebenstrecken genommen hatten, um möglichst viele Tiere zu sehen, wollen wir heute schnell voran kommen. Die Hauptstraße nähert sich nun immer wieder der Etosha-Pfanne, die teilweise wirklich von einem flachen See bedeckt ist. Ein paar schöne Impressionen gelingen hier.

    Ein Tier, das wir bisher noch nicht so häufig gesehen haben, ist die Giraffe. Heute entdecken wir einige davon, die in einer kleinen Gruppe zusammen mit Gnus und Zebras unterwegs sind. Leider etwas weit weg. Wir sehen auch ein einzelnes Tier, das in einem Gebiet mit verhältnismäßig flachem Bewuchs unterwegs ist und deshalb zum Fressen seinen Kopf sehr weit nach unten bewegen muss. Ein seltsames Bild, finden wir.

    Endlich erreichen wir das östliche Gate des Nationalparks. Ein Stück davor kommen wir an Namutoni vorbei, eine weitere kleinere Siedlung im Park mit Tankstelle, Camp usw. Wir interessieren uns dafür nicht und passieren kurz vor dem Ausgang ein Hinweisschild auf ein Wildgatter, das nur Autos, aber nicht Tiere überqueren können. Unser Zettel vom Eingang wird kontrolliert, aber wir müssen nicht unseren Kofferraum öffnen, wie es bei anderen Besuchern der Fall ist. Glück gehabt!

    Auf asphaltierter Straße geht es nun flott voran. Ein weiteres Hinweisschild auf Warzenschweine erscheint, und kurz danach entdecken wir tatsächlich ein Warzenschwein, das die Straße passiert. Einige Zeit später sehen wir sogar eine kleine Gruppe. Die Tiere sind ziemlich scheu und rennen sofort davon, wenn sich unser Auto nähert. Es ist schwierig, sie zu fotografieren.

    Nach 24 Kilometern gerader Straße, die nur von einer leichten Linkskurve unterbrochen werden, erreichen wir die Nationalstraße B1, in die wir Richtung Süden einbiegen. Die B1 ist eine der Nationalstraßen Namibias und entsprechend breit und gut ausgebaut und natürlich geteert. Für Namibia gibt es relativ viel Verkehr und wir begegnen auch einigen LKWs, die auf dem Weg nach Norden sind, vielleicht in Richtung Angola. Die Regierung Namibias bemüht sich, den Handel mit dem Nachbarland zu fördern. In geringer Entfernung verläuft links neben der Straße eine einspurige Eisenbahnlinie, die mit frischem, hellgrauem Schotterbett in einem guten Zustand zu sein scheint.

    Nach weiteren ca. 80km erreichen wir die Stadt Tsumeb. Der Ort wird von rund 38.000 Menschen bewohnt und hat seine Einwohnerzahl in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Es gibt hier eine bedeutende Mine, wir fahren auch an einem Zementwerk vorbei und sehen weitere Industriebetriebe. Für die vielen zusätzlichen Einwohner Tsumebs konnten anscheinend nicht genügend Wohnungen gebaut werden, sodass wir an sehr einfachen Wellblechhütten vorbeifahren, in denen viele Menschen leben. Dies steht in erheblichem Kontrast zu den schicken Einfamilienhäusern, in den die Alteingesessenen wohnen, sowie den Grünanlagen. Wir vermuten, dass viele Menschen hierher gekommen sind, um Arbeit zu finden, aber erfahren später, dass die Arbeitslosigkeit mit 40% sehr hoch ist.

    Da unser Essensvorrat zur Neige geht, fahren wir noch in eine schicke Mall und kaufen im ebenso schicken Supermarkt dort ein, der alles bietet, was das Herz begehrt. Welch ein Gegensatz zu den Wellblechhütten!

    Wir kaufen unter anderem zwei Packungen Käse in Scheiben, der in Namibia ansonsten schwer zu bekommen ist. Käse am Stück ist uns schon schlecht geworden. An der Kasse lässt sich der Käse nicht scannen, da der Barcode auf der Verpackung dem System unbekannt ist. Insgesamt vier Menschen werden sich nun mit unserem Käse beschäftigen, bis am Ende eine Chefin entscheidet, welcher Preis für den Käse zu nehmen ist. Das Ganze dauert eine Weile, und inzwischen hat sich die Schlange an der Kasse hinter uns geleert.

    Auf dem Parkplatz geben wir dem Wächter das übliche Trinkgeld und werden von drei Kindern angebettelt. Wir sind gutmütig und geben ihnen etwas, was aber nur dazu führt, dass sie uns umso intensiver anbetteln. Die Gesten mit der Hand und der Augenaufschlag dabei wirken aus unserer Sicht sehr eingeübt und erprobt. Mit einem schlechten Gewissen fahren wir los und überlegen, wie wir uns hätten verhalten sollen. Wir können zu zweit nicht die Welt retten, und die Kinder sollen zur Schule gehen und nicht betteln, aber andererseits geht es diesen Menschen nicht gut, obwohl es in Namibia eine Sozialhilfe gibt. Wir kommen zu keinem klaren Ergebnis.

    Endlich kommen wir an unserem Ziel an, der Ghaub Nature Reserve & Farm. Ein paar hundert Meter vor dem Einfahrtstor erleben wir noch einen großen Schrecken in der fortgeschrittenen Nachmittagsstunde. Unvermittelt springt aus dem Gebüsch rechts von uns ein Tier, so groß wie ein ausgewachsener Hirsch, aber ohne Geweih, direkt vor unserem Auto auf die Straße und verschwindet nach links über das Gatter und ins Gebüsch. Wir können gar nicht so schnell begreifen, was da gerade geschehen ist, da ist es auch schon wieder vorbei. Uns ist nur klar, dass wir großes Glück gehabt haben. 

    Wir beziehen unser Quartier, das in einem sehr alten, aber modernisierten Haus liegt. Ghaub liegt im zentralnamibischen Hochland, und so hat es seit Etosha ziemlich abgekühlt und nur noch 19 Grad. Wir essen ein leckeres Abendessen mit vier Gängen und Wildsteak und einer halben Flasche Wein. Auf dem Tisch liegen Servietten als Männchen gefaltet und der Kellner zeigt uns, wie das geht.

    Nach einem sehr langen Tag fallen wir todmüde ins Bett.

    1 Kommentar

    1. wirklich so interessant, fast als wäre man dabei gewesen. Natürlich kann man das nur selbst erleben, aber sehr gut geschrieben @! Lg Petra

    Kommentar verfassen

    Entdecke mehr von Ferne Entdecken – Reiseblog

    Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

    Weiterlesen