Gestern Abend hatten wir uns vorgenommen, heute ganz früh zum Schwimmen zu gehen. Naja, ganz früh ist relativ. Also für Michael ist 7:30 ziemlich ganz früh, für Annette nicht so sehr – aber für uns beide ein guter Kompromiss.
Also los. Der Campingplatz liegt um diese Zeit noch ziemlich verträumt da. Man sieht aber schon eine Menge Frühaufsteher und auch einige verschlafene Eltern mit putzmunteren Kleinkindern.


Am Meer erhebt sich die Sonne gerade über die Bäume und taucht die Welt in ein goldgelbes Licht. Alles ist ganz still, die See liegt spiegelglatt da und lädt zum Schwimmen ein. Wir lassen uns nicht zweimal bitten.




Erfrischt und gestärkt machen wir uns auf den Weg, die Altstadt von Zadar zu erkunden. Rund 4 Kilometer Fußmarsch sind es dahin, immer an der Küste entlang, an Booten, Schiffen und Yachten vorbei, immer mit Blick auf das Meer und die vorgelagerte, lang gestreckte Insel Ugljan.








Die Straße folgt der gewundenen Küstenlinie mit ihren vielen Buchten. Manchmal führt die Straße geradewegs direkt auf das Meer zu und biegt in letzter Sekunde zur Seite weg ab. Damit die Autofahrer diesen gewundenen Pfaden auch richtig folgen, dafür soll ein eher unübliches Verkehrsschild sorgen.

Es ist schon eine ganz schön lange Strecke, die wir hier laufen, bevor wir die Fußgängerbrücke erreichen, die über den Meeresarm auf die Halbinsel mit der Altstadt von Zadar führt. Endlich ist es aber geschafft, wir gehen über die Brücke und sehen im Meer einen großen Fischschwarm, der auf die von den Touristen ins Meer geworfenen Brotreste wartet.


Zadar ist in Deutschland als Urlaubsziel recht bekannt, es gibt auch regelmäßige Direktflüge hierher. Trotzdem ist Zadar nicht das „malerische Fischerdorf“, wie so viele Touristenorte am Mittelmeer vermarktet werden, sondern eine lebendige Stadt von rund 71.000 Einwohnern mit allem, was dazu gehört. Industriegebiete, Wohnviertel, Kroatiens bedeutendster Hafen – all das ist Zadar. Tourismus gehört natürlich auch dazu, dominiert aber nicht das Gesicht der Stadt, und das macht sie für uns sympathisch.
Zadar ist eine uralte Siedlung und über 2500 Jahre alt. Seit dem 15. Jahrhundert war die Gegend hier von Italien aus besiedelt, wobei die Italiener die Adriaküste gegen das Osmanische Reich verteidigten, das Gebiete im Hinterland eroberte. Deshalb ist die Bevölkerung Kroatiens heute überwiegend katholisch, während die Menschen in Bosnien weiter im Binnenland heute noch muslimisch sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Italiener vertrieben, teilweise gab es auch Massaker. Geschichte ist kompliziert!
Wir passieren die Brücke und betreten die Altstadt durch ein Tor in der alten Stadtmauer und gelangen gleich danach auf den zentralen Platz, genannt Volksplatz.


Hier in der Fußgängerzone wimmelt es nur so vor Menschen. Wir bekommen Hunger, also suchen wir uns ein Restaurant, aber in einer etwas weniger belebten Seitengasse. Wir finden ein Plätzchen im Lokal Troha und genießen gegen 11 Uhr ein spätes Frühstück mit Omelette für Annette und einem reichlich belegten Toast für Michael. Es gibt auch frischen Orangensaft!

Nach dem Essen schlendern wir weiter und gehen zum Glockenturm der Kathedrale, den man besteigen kann.


Wir entrichten einen Obulus und steigen die enge und gewundene Treppe des Turms nach oben. Unterwegs kommen wir dabei am Glockenraum vorbei.





Von oben haben wir einen schönen Rundblick über die Stadt.






Wir gehen die Treppen wieder hinunter, auf der engen Treppen immer wieder dem Gegenverkehr ausweichend, und gehen zum benachbarten historischen römischen Forum. Dort steht auf dem alten Römerpflaster die Kirche St. Donatus aus dem 9. Jahrhundert.


Die Kirche wird heute nur noch für Konzerte genutzt wegen ihrer guten Akustik. Als Baumaterial wurden viele Abbruchsteine des alten römischen Forums wiederverwendet, und man sieht überall Reste von römischen Säulen, Platten und Inschriften, die als Baumaterial eingesetzt wurden. Schon kurios.


Von der Empore haben wir einen besseren Blick auf das Innere der Kirche.



Hier oben entdecken wir eine Wand, an der sich viele verschiedene Menschen und Liebespaare mit ihren Namen oder Initialen verewigt haben.

Wir setzen unseren Weg durch die Altstadt fort und schauen uns auf dem römischen Forum um mit der Kathedrale und der Kirche St. Donatus, wo wir gerade waren.


Am Ende der Halbinsel des Altstadt treffen wir dann auf das große Kreuzfahrtschiff, das dort vor Anker liegt und das wir schon aus der Ferne vom Glockenturm aus gesehen hatten. Viele Menschen sind hier unterwegs und werden mit Bussen transportiert.

So langsam bekommen wir Appetit auf einen Nachtisch gehen daher wieder zurück in die Fußgängerzone der Altstadt auf der Suche nach etwas Süßem. Wir werden fündig im Eiscafé Danica und bestellen uns zwei große Eisbecher mit Tee bzw. Cappuccino. Hohe Leckerstufe!

Für den Rückweg zum Campingplatz wählen wir einen etwas kürzeren Weg, der auf geradem Weg durch die Stadt zurück verläuft. Es sind trotzdem noch drei Kilometer zu bewältigen, sodass wir insgesamt auf rund 20.000 Schritte (pro Person!) an diesem Tag kommen. Das ist schon was! Der Screenshot unserer Tour, die wir mit komoot aufgezeichnet haben, belegt das.

Abends gehen wir wieder in den Capo Grill, in dem wir schon am ersten Abend waren. Heute bestellen wir gegrillten Tintenfisch und es schmeckt uns sehr gut.