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    Rote Dünen in der Kalahari – Tag 18

    Red Dunes in the Kalahari

    Der letzte ganze Tag in Namibia bricht an – morgen Abend geht es wieder zurück nach Deutschland.

    Das Frühstück ist wieder einmal sehr reichhaltig am Büffet. Die nette Frage des Personals, ob wir Eier essen möchten, verneinen wir wie schon in den letzten Tagen. Unser Bedarf nach Eiern und Speck ist in den letzten Wochen für eine Weile gedeckt worden und wir freuen uns über ein namibisch-deutsches Frühstück mit Müsli, Joghurt, Vollkornbrot und Aufschnitt, wie es hier überall angeboten wird.

    Unsere Unterkunft im Ti Melen Boutique Guesthouse liegt auf einem Hügel am Ende einer Sackgasse. Es ist ein älteres Gebäude mit Holzdielen, alten Türen und Fenstern, aber renoviert und geschmackvoll entsprechend dem Stil des Hauses eingerichtet. Vom großen Balkon haben wir einen Blick auf die Berge, die das Hochtal Windhoeks nach fast allen Seiten abschließen. Das Auto parkt sicher auf dem Parkplatz, wobei man die Zufahrt recht schwungvoll nehmen muss, denn sie ist ziemlich steil. Von der Straße aus betrachtet wirkt das Guesthouse fast wie ein kleines Schloss, wie es auf dem Hügel thront.

    Das Beste am Haus: Es gibt hier eine Heizung! Also müssen wir uns etwas korrigieren, was das Vorhandensein von Heizungen anbelangt: Zumindest in der Hauptstadt gibt es das.

    Wir haben die Idee, den heutigen Tag für einen Ausflug Richtung Süden zu nutzen, denn abgesehen von Sossusvlei haben wir uns auf der gesamten Reise im nördlichen Teil Namibias nördlich von Windhoek aufgehalten. Wir sind also gespannt, wie es weiter im Süden aussieht. Im Reiseführer finden wir interessante Hinweise auf die roten Dünen der Kalahari und fragen deshalb die Leute hier in der Unterkunft nach Möglichkeiten für einen Tagesausflug. Man gibt uns den Rat, es doch in der Kalahari Red Dunes Lodges zu versuchen. Dort gäbe es Mittagessen und man könne dort durch die Dünen laufen. Diese Lodge zählt zum gleichen Verbund wie das Ti Melen Boutique Guesthouse.

    Ein Blick auf Google Maps verrät uns, dass die einfache Entfernung zur Lodge rund 210 Kilometer beträgt und dass sie direkt an der Nationalstraße B1 liegt. Angesichts der guten Verhältnisse auf dieser Straße halten wir das als Tagesausflug für machbar.

    Also rein ins Auto und los. Wir fahren am Ende der Autobahn auf die A1 und dann bald auf die B1. An der Auffahrt zur A1 sieht alles nach Baustelle aus, und wir recherchieren später, dass die Autobahn bis zum Flughafen um 50km verlängert werden soll.

    Die Strecke passiert zunächst die Berge südlich von Windhoek in zahlreichen Kurven und Steigungen, bevor sie dann wie schon gewohnt im offenen, leicht hügeligen Land hauptsächlich geradeaus verläuft. Wir brechen sogar unseren internen Rekord und erreichen eine maximale Geradeausstrecke von 27 Kilometern!

    Die Landschaft wird zunehmend karger, links und rechts säumen lange Zäune die Straße, die vermutlich Farmgelände abgrenzen. Zwei Orte werden durchfahren, Rehoboth und Kalkrand.

    Nach zwei Stunden erreichen wir die Zufahrt zur Kalahari Red Dunes Lodge. Der Mann am Tor will uns zunächst nicht durchfahren lassen, aber als wir ihm sagen, dass wir von Ti Melen Boutique Guesthouse kommen, können wir mit der Rezeption telefonieren und werden eingelassen.

    Ein kurzer Sandweg führt zur Rezeption, wo wir ausgesprochen herzlich empfangen und mit Handschlag begrüßt werden, fast wie alte Bekannte. Wir erhalten eine Karte mit Beschreibungen der verschiedenen Wege hier und können nach dem Spaziergang dort auch Mittagessen. Das klingt alles nach einem sehr schönen Tag!

    Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns für den 6,5km langen Dune Walk, denn wir wollten ja die roten Dünen sehen. Die nette Dame von der Rezeption gibt uns noch ein Walkie Talkie mit, denn man weiß ja nie und hoffentlich brauchen wir es nicht. Wirklich sehr aufmerksam!

    Los geht’s. Der Weg führt anfangs den Fahrweg entlang, biegt dann aber bald auf einen Dünenkamm ein und führt bergab, bergauf oder besser: düneab, düneauf durch die Landschaft. Die Dünen sind nicht hoch, so etwa 10 bis 30 Meter, und liegen wie parallele Wellen nebeneinander. Wir sind hier am Rande der Kalahari, einer riesigen Trockensavanne oder Steppe oder Halbwüste, die eine Million km² groß ist und sich weit bis nach Botswana hinzieht. Es ist hier trocken, aber nicht so trocken wie in der Namib, die über weite Strecken eine echte Wüste ist. Namib und Kalahari werden durch das zentrale Hochland Namibias voneinander getrennt, in dem Windhoek, aber auch Waterberg, Ghaub und Etosha liegen.

    Die Dünen der Kalahari sind sogenannte Längsdünen, die parallel zur vorherrschenden Windrichtung von Nordwest nach Südost verlaufen. Sie bestehen aus dem typischen roten Sand, der hier vorherrscht, und sie wandern nicht, sondern sind von Akazien und Gras bewachsen. Das Zusammenspiel von rotem Sand, gelbem Gras, grünen Bäumen und Büschen sowie gleißend blauem Himmel ergibt eine faszinierende Farbigkeit.

    Es ist wieder sehr ruhig hier und wir genießen die Stille der Wüste, die wir schon so oft erlebt haben. Überhaupt ist Namibia ein stilles Land mit seinen weiten Landschaften und wenigen Menschen, und strahlt eine Ruhe aus, die man in Deutschland nur selten findet.

    Natürlich finden wir auch Zeit für schöne Fotos der Umgebung.

    Der Sand ist sehr fein, und Michael lässt ihn sich staubfein durch die Finger rieseln. Der Wind weht die Staubkörnchen mit Leichtigkeit davon. Dazu gehört natürlich auch ein Nahfoto, das zeigt, dass der Sand nicht nur rot ist, sondern aus vielen verschiedenen Mineralien besteht.

    Auf dem Gelände der Lodge gibt es auch wilde Tiere, die sich uns aber nicht so richtig zeigen mögen. Wir treffen auf die Überreste eines Oryx mit Haut und Knochen und sehen dann kurze Zeit später doch tatsächlich einen Springbock im Gras liegen. Für ein Foto passt der Hintergrund an dieser Stelle leider nicht so ganz, und wir gehen ein Stück weiter, um einen schöneren Hintergrund mit rotem Sand zu erwischen. Leider verändert sich dabei der Vordergrund ganz erheblich, denn der Springbock tut das, was er am besten kann, und springt davon. Schade.

    Aber wir treffen auf einige Nester von Webervögeln vom Typ Mehrfamilienhaus, immerhin etwas.

    Das Wandern durch die Dünen ist doch anstrengender als erwartet, denn im Sand läuft es sich nicht so leicht wie auf einem festen Untergrund. Zum Glück haben wir reichlich Wasser und Sonnenschutz mitgenommen, denn die Sonne brennt doch ziemlich stark vom wolkenlosen Himmel, obwohl die Lufttemperatur im Schatten nur um die 20 Grad beträgt. Im Sommer muss es hier in der Mittagshitze unerträglich sein.

    Bewegung macht hungrig, und so freuen wir uns, als wir die schöne Lodge und das Restaurant erreichen. Auf der Außenterrasse haben wir einen guten Blick auf ein nahes Wasserloch und eine dösende Herde Gnus. Wir sind die einzigen Gäste im Restaurant und bestellen von der Lunchkarte einen Wrap und einen Hamburger sowie zwei alkoholfreie Cocktails. Wie immer schmeckt es wieder sehr lecker!

    Es wird Zeit, die Rückfahrt anzutreten, denn wir haben noch zwei Stunden Fahrt vor uns, und wir müssen noch tanken und wollen kurz am Supermarkt anhalten.

    In Kalkrand tanken wir. Das Dorf mit 1600 Einwohnern hat seine Bedeutung von dieser Tankstelle, die die einzige ist im Umkreis von 100 Kilometern. Alles sieht sehr ärmlich aus hier, welch ein Kontrast zu der Luxus-Lodge, wo wir gerade zu Mittag gegessen haben. Und dies, obwohl es in der Nähe einen Stausee gibt und infolge dessen einiges an Gemüse angebaut wird. Die Satellitenansicht des Gebiets zeigt einige grüne Felder in der Gegend, die man vom Boden aus nicht so gut erkennen kann. Die Landwirtschaft scheint den Menschen kein genügendes Auskommen zu bescheren, denn es lungern dort einige Leute herum, die uns auch prompt anbetteln.

    Wir fahren zügig 100 Kilometer weiter nach Rehoboth. Ungefähr 20km davor halten wir kurz für ein Foto, da wir gerade zum vierten Mal auf dieser Reise den südlichen Wendekreis überschreiten. Zweimal passierten wir diese Linie nach und von Sossusvlei und zweimal heute, nun wieder Richtung Norden.

    In Rehoboth, einer Stadt mit rund 40.000 Einwohnern, halten wir kurz an einem Supermarkt an. Menschen der Mittelklasse erledigen in einem kleinen Einkaufszentrum und einem schicken Supermarkt ihre Wochenendeinkäufe, genauso wie in Deutschland. Aber was für ein Kontrast abermals zu Kalkrand! Das Gefälle zwischen Arm und Reich oder auch zwischen Stadt und Land ist hier erheblich größer als in Deutschland oder Europa.

    Rehoboth hat eine interessante Geschichte. Die Siedlung entstand Mitte des 19. Jahrhunderts durch deutsche Missionare. Bald siedelten sich hier Mischlinge zwischen einheimischen Nama und weißen Siedlern aus Südafrika an, als Puffer zwischen den verfeindeten Nama und Herero. Diese Menschen nannten sich Rehobother Baster. Nama und Herero führten öfter Krieg gegeneinander, sodass Rehoboth immer wieder geplündert und zerstört wurde. Die deutsche Kolonialverwaltung wollte den Konflikt befrieden ,suchte die Unterstützung der Rehobother Baster und sicherte ihnen dafür Autonomie zu. Diese gewisse Autonomie bestand über die Jahre fort. Einen Tag vor der Unabhängigkeit Namibias 1990 erklärten sich die Rehobother Baster ebenfalls als eigenen Staat. Diese Unabhängigkeit wird international nicht anerkannt und auch von den Rehobother Bastern nicht konsequent verfolgt. Wir haben bei unserem Aufenthalt dort nichts davon bemerkt, aber die Stadt profitiert aufgrund dieser Geschichte wahrscheinlich auch touristisch.

    Die Rückfahrt nach Windhoek war dann etwas anstrengend, denn der Gegenverkehr Richtung Süden nach Rehoboth war erheblich. Fast wie in einer Karawane folgte ein Auto dem anderen, die meisten mit drei, vier oder fünf Menschen besetzt. Wir vermuten, dass es sich dabei um Berufsverkehr handelt, denn es war inzwischen 17 Uhr, und dass die Menschen Fahrgemeinschaften bilden. Dazu passt, dass die Einwohnerzahl von Rehoboth in den letzten Jahren rasant gewachsen ist.

    Für uns bedeutet es, dass wir 30 Kilometer weit einen LKW nicht überholen können. Wir nutzen die Gelegenheit und trainieren unsere Geduld. Schließlich erreichen wir aber noch rechtzeitig vor der Dunkelheit unser Quartier.

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