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    Giraffen (fast) in Windhoek – Tag 17

    Wie in den letzten Tagen bereits gewohnt, erwartet uns ein schöner, sonniger aber kalter Morgen. Wir nutzen die Gelegenheit, noch etwas am Blog zu arbeiten und einen Beitrag hochzuladen. Dabei schießen wir noch ein paar Fotos des schönen Zentralbereichs der Waterberg Guest Farm im frühen Morgenlicht.

    Wir bleiben in dieser schönen Unterkunft nur für eine Nacht und fahren zeitig los, denn wir haben eine Strecke von etwa 300 Kilometern vor uns. So langsam müssen wir uns nämlich mit dem Gedanken eines Rückfluges nach Deutschland anfreunden, und so haben wir für die beiden letzten Nächte in Namibia ein Quartier in Windhoek gebucht, am östlichen Stadtrand Richtung Flughafen. Unterwegs wollen wir allerdings noch einen kleinen Abstecher unternehmen.

    Die Fahrt geht wieder über die Nationalstraße B1 in inzwischen gewohnt flottem Tempo von ca. 110 km/h gut voran. Die nächste Stadt ist Okahandja in rund 150 Kilometern Entfernung. Michael vertreibt sich die Zeit wieder mit dem Messen der längsten geraden Strecke zwischen zwei Kurven. Erst 14, dann 18, dann sogar 20 Kilometer schnurgeradeaus. Das ist schon ganz schön lang!

    Zwischendurch passieren wir wieder eine Polizeikontrolle, an der wir aber durchgewunken werden. Es scheint häufiger Kontrollen an dieser Nationalstraße zu geben.

    Ab Okahandja geht die B1 in die A1 über, eine von zwei vierspurigen Autobahnen in Namibia und gleichzeitig Einfallstraße nach Windhoek von Norden her.

    Die Fahrt geht noch leichter voran, weil das Überholen noch einfacher geworden ist. Bald entdecken wir an der Seite ein über eine weite Strecke mit einer Mauer eingefasstes Grundstück. Die Ziegelsteine dieser Mauer kommen uns sehr bekannt vor und scheinen die zu sein, die wir in der Fabrik in Uis gesehen haben.

    Bald erreichen wir Windhoek und es gibt wieder eine Polizeikontrolle. Wie wir inzwischen bemerkt haben, gibt es an allen Zufahrtsstraßen von und in die Stadt Kontrollen. Wieder werden wir durchgewunken, berühren Windhoek nur und verlassen die Stadt alsbald in westlicher Richtung auf der C28. Unser Ziel ist der 25km von der Hauptstadt entfernte Daan Viljoen Game Park. Das ist ein 40km² großer Wildpark, der seit 1962 besteht. In diesem Park gibt es keine gefährlichen Tiere, aber dafür reichlich anderes Wild, sodass man sich hier gefahrlos zu Fuß auf verschiedenen Wanderpfaden bewegen und dabei Tiere beobachten kann.

    Inmitten des Parks gibt es mehrere Stauseen, von denen der 1933 nach einer Dürreperiode angelegte Augeigas Dam mit 21 Metern Höhe der größte und tiefste ist. Wegen der schönen Lage gibt es am See ein Camp und Bungalows sowie ein Restaurant.

    Wir erreichen den Eingang des Parks, erhalten eine Karte des Gebiets und den Hinweis, dass es da einen schönen Fahrweg „One Way Detour“ abseits der zentralen Teerstraße gäbe, und dass dieser Fahrweg nur mit Allradantrieb zu befahren sei.

    Wir beschließen, uns die Sache erst einmal anzusehen. An der Abfahrt zum Fahrweg sieht dieser doch ganz vernünftig aus, also nehmen wir die kleine Umleitungsstrecke, die landschaftlich schöner sein soll.

    Nach kurzer Zeit verwandelt sich die Strecke in eine wahre Berg- und Talbahn. Besonders die beiden Flussdurchfahrten, zu denen es erst steil bergab und dann wieder bergauf über felsige Partien und vom Regen ausgewaschene Fahrspuren geht, haben es wirklich in sich. Letztendlich ist das alles machbar für unser technisch ausgereiftes Fahrzeug, teilweise im Schritttempo, aber wir verstehen jetzt: Wenn die Namibier 4×4 dran schreiben, dann meinen sie das auch so! Schöne Ausblicke über die Landschaft mit Fotostopps entschädigen aber für die Schaukelei. Einen kleinen Picknickplatz, den wir gerne nutzen, gibt es auch.

    Dass wir uns in einem WiIdpark befinden, bemerken wir, als wir nach einer Kurve plötzlich auf einige Gnus treffen, die teils in der Sonne, Teil im Schatten gemütlich wiederkäuen. Die Tiere sind nicht ganz so abgehärtet wie in Etosha und werden nervös, als wir uns nähern. Wir versuchen, so behutsam wie möglich vorbeizufahren.

    Irgendwann erreichen wir nach 6,5 km Allradstrecke die Rezeption und entrichten unser Eintrittsgeld für den Park. Wir wollen uns nun den schön gelegenen Augeigas Stausee ansehen. Der Zutritt zur Lodge ist für Tagesgäste eigentlich untersagt, aber man lässt uns auf der Straße und den Spazierwegen umherlaufen.

    Wir laufen auf der Straße den See entlang bis zur schmalen, aber hohen Staumauer. Erstaunlich, wie viel Wasser ein Fluss, der die meiste Zeit des Jahres trocken fällt, aufstauen kann. Das Wasser ist größtenteils grün vom Algenbewuchs und wirkt fast wie eine große Wiese, aber den Wasservögeln gefällt es.

    Am Wochenende kommen viele Windhoeker hierher, und wir verstehen warum.

    Obwohl es uns hier sehr gut gefallen hat, sind wir etwas enttäuscht, weil wir bisher so wenige Tiere gesehen haben, bis auf die Gnus oben am Fahrweg. Deshalb beschließen wir, auf dem Rückweg von der Teerstraße einen kleinen Schlenker auf einen Seitenweg zu machen, weil es dort einen Aussichtspunkt geben soll. Als wir den Seitenweg erreichen, sieht es wieder nach Geschaukel aus, also lassen wir das Auto stehen und gehen das kurze Stück zu Fuß.

    Von hier oben haben wir einen guten Blick auf einen weiteren kleinen Stausee, an dem sich gerade viele Tiere tummeln, hauptsächlich Springböcke und Gnus. Also sind wir doch in einem Wildpark!

    Aber es kommt noch besser. Als wir ein paar Meter weitergehen, treffen wir auf eine Giraffe, die ganz dicht neben dem Weg steht und sich an einem hohen Baum labt.

    So nah hatten wir bisher noch keine Giraffe gesehen. Das Tier schaut uns die ganze Zeit regungslos an, bewegt sich aber nicht davon. Wir gehen den Weg etwas weiter um eine Biegung und treffen auf noch mehr Giraffen!. Wir können es gar nicht richtig fassen, wie nah wir den Tieren hier sind, die etwas Respekt vor uns zeigen, aber keine Angst. Teilweise schauen sie uns an, teilweise fressen sie weiter. Wir verhalten uns so ruhig wie möglich und genießen den Moment.

    Was für ein Glück, denken wir. Wenn wir diesen Seitenweg gefahren statt gelaufen wären, hätten wir die Giraffen wahrscheinlich vertrieben.

    Nach einer Weile, die wir sehr genießen, ziehen die Giraffen langsam weiter und wir fahren nun in Richtung des Supermarktes Superspar, weil wir noch etwas Vorräte brauchen. Von der C28 haben wir einen guten Ausblick auf die Ausläufer der Stadt.

    Windhoek wächst stark, weil viele Menschen vom Land in die Stadt ziehen und hier ihr Glück versuchen. Dementsprechend gibt es auch hier Gebiete mit einfachen Wellblechhütten. Wir haben aber den Eindruck, dass die Stadtverwaltung sich bemüht, das Problem zu lösen, denn wir sehen überall in der Stadt viele Neubaugebiete mit kleinen Reihen- oder freistehenden Häusern. Diese Häuser sehen einfach aus mit kleinen Grundstücken, vermitteln aber insgesamt ein sehr sauberes und ordentliches Bild.

    Am Parkplatz des Supermarktes parken wir neben einem Quad aus Deutschland. Die Parkplatzwächter sind begeistert und schießen Fotos von dem Fahrzeug. Wir natürlich auch.

    Heute kaufen wir hier nicht nur ein, sondern genießen ein typisch namibischen Abendessen, bestehend aus Klopsen in heller Soße mit Reis, Spinat, Möhren sowie Pizza. Schmeckt gut. Nebenbei lesen wir die „Allgemeine Zeitung“, die hier ausliegt und tatsächlich so heißt und auf Deutsch erscheint. Sie berichtet von einem Kälteeinbruch in Südafrika mit Schneechaos, passend zur Kältewelle, die wir gerade erleben. Ein schönes Bild ist auch dabei.

    Nun aber endlich los zu unserer Unterkunft Ti Melen Boutique Guesthouse, das am östlichen Stadtrand auf einem Hügel liegt, in Richtung des Flughafens. Mehr über diese Unterkunft schreiben wir morgen.

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