Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Ghaub und machen uns wieder auf den Weg zum nächsten Ziel am Waterberg. Nach einem Stück Staubstraße biegen wir ein in die geteerte Hauptstraße und alsbald in die Nationalstraße B1 Richtung Süden, der wir schon von Tsumeb her gefolgt sind. Rund 270 Kilometer stehen heute auf dem Programm.
Die Fahrt geht auf der gut ausgebauten Straße flott voran. Der Verkehr ist für deutsche Verhältnisse eher gering, aber verglichen mit der Autodichte, die wir in der Wüste erlebt haben mit 2-4 Autos pro Stunde, ist hier sehr viel mehr los. Einige LKWs sind in beiden Richtungen unterwegs, was die Fahrt durch ein paar Überholmanöver etwas auflockert. Das Überholen an sich ist auf der meist geraden Straße bei übersichtlichem Verkehr kein Problem.
Wir fahren zunächst eine Weile durch die Otaviberge und sehen grüne, mit Bäumen und Büschen bewachsene Hügel und Bergkuppen ringsum. Die nächste Stadt ist Otavi, das wir auf einer Umgehungsstraße passieren.
Nach einer Weile kommen wir an eine Polizeikontrolle, die wir heimlich fotografieren. Zum Glück hat uns der Polizist nicht dabei erwischt! Die kleine Schlange vor uns baut sich zügig ab, und zum zweiten Mal nach der Anmietung des Autos kommt unser internationaler Führerschein zum Einsatz. Die Einträge darin scheinen den Polizisten zufriedenzustellen und wir dürfen nach einem freundlichen „drive safely“ weiterfahren.

Das Landschaftsbild verändert sich, es wird etwas flacher. Viele Farmen links und rechts der Straße mit Büschen und Bäumen, eingezäunt und von Zeit zu Zeit von einer Torzufahrt unterbrochen. Zwischen der Straße und den Zäunen verläuft ein ziemlich breiter Streifen gelbes Gras, das zurzeit anscheinend erntereif ist. Überall sehen wir Menschen mit Traktoren und anderem Gerät, die das Gras mähen und zu runden oder rechteckigen Bündeln formen. Vermutlich wird das Gras für die Fütterung der Tiere verwendet.

Von Otavi bis zur nächsten Stadt Otjiwarongo sind es 140km. Diese lange Strecke unterbrechen wir mit einer Toilettenpause an einem Rastplatz und inspizieren dabei die parallel zur Straße ebenfalls schnurgerade verlaufende Bahnlinie. Offenbar wurde die Bahn im Jahr 2014 modernisiert, wie das auf den Schwellen eingeprägte Datum verrät.





In Otjiwarongo tanken wir, und vier Mitarbeiter der Tankstelle fangen an, unser Auto zu betanken und die Scheiben zu reinigen. Wir bedanken uns mit einem ordentlichen Trinkgeld, das sie untereinander teilen wollen. Otjiwarongo ist eine relativ große Stadt. Sie gefällt uns, wir sehen moderne Häuser am Straßenrand, aber wir halten hier nicht, denn wir haben noch einiges an Strecke vor uns.
Am Ende müssen wir dann doch noch etwas Staubstraße fahren, als wir das Hinweisschild zu unserem Ziel sehen, dem Waterberg Plateau Park. Hier biegen wir ab, und nach ein paar Tordurchfahrten, wo man sich unser Kennzeichen notiert, erreichen wir den Parkplatz an der Rezeption. Dort erhalten wir eine Karte von dem Gebiet hier.


Der Waterberg ist ein großer Tafelberg von 48 Kilometern Länge und 15 Kilometern Breite, der sich aus der flachen Umgebung ca. 200 Meter erhebt. Er besteht aus Sandstein und ist dadurch entstanden, dass vor einigen Millionen Jahren die Umgebung durch Erosion abgetragen wurde und der oben flache Berg quasi übrig blieb.
Der Waterberg war Schauplatz eines Krieges zwischen der deutschen Kolonialmacht gegen die einheimischen Herero, die sich gegen die Deutschen wehrten. Dieser Krieg von 1904 wird heute als Völkermord eingestuft.
Im Jahr 1972 wurde auf dem 405km² großen Plateau mit dem Waterberg-Plateau-Park ein Nationalpark eingerichtet. In diesem Nationalpark leben viele seltene Tiere, darunter Nashörner, viele Arten auch nicht so häufiger Antilopen und als Raubtiere Leoparden und Geparde. Außerdem gibt es hier ein paar Exemplare des überaus seltenen Kappgeiers. Das Betreten des Plateaus ist nur in Begleitung von Rangern erlaubt, und es werden Pirschfahrten und Safaris angeboten, ähnlich wie in Etosha.
Von der Ferne sehen wir die steile Kante des Plateaus.

Ursprünglich hatten wir überlegt, hier an einer Pirschfahrt teilzunehmen, aber nachdem wir bereits zwei Tage in Etosha verbracht haben, wollen wir heute den Berg bei einer Wanderung erkunden. Es gibt hier mehrere Wanderwege, und wir wählen den Mountain View Wanderweg. Wir fahren mit dem Auto noch ein Stück bergauf zu einem Parkplatz, der mitten im Waterberg Resort liegt, das aus vielen Bungalows besteht.
Nach einem Imbiss aus der Kühltasche geht es los. Der Weg ist leicht begehbar durch den Wald. Michael muss sich häufig unter den Bäumen bücken, aber Annette hat da weniger Probleme. Wir kommen gut voran, machen schöne Aufnahmen von der Umgebung und unser alkoholfreies Wegbier überlebt nicht lange.








Kurz vor dem höchsten Punkt des Weges geht es nicht mehr weiter. Der weiße Markierungspfeil an der Strecke zeigt nach oben, aber da kommt bald ein Geröllhaufen mit kühlschrankgroßen Felsbrocken, der nicht begehbar aussieht. Andere Routen sind nicht erkennbar, und auch eine Befragung von komoot hilft nicht weiter. Wir überbrücken die Ratlosigkeit mit ein paar Aufnahmen. Die steile Felswand direkt vor uns zeigt viele verschiedene Farben, von rot über schwarz nach gelb, auch weiß und grün sind dabei. Es wirkt wie von einer meisterhaften Malerhand erschaffen, ist aber ausschließlich ein Werk der Natur. In den Felslöchern entdecken wir Klippschliefer, die wir bisher noch nicht auf unserer Reise gesehen haben. Sie sehen aus wie große Meerschweinchen und tummeln sich in der steilen Wand. Obwohl sie aussehen wie Nagetiere, sind ihre nächsten Verwandten die Elefanten. Schon seltsam!



Als wir schon überlegen umzukehren, hören wir Stimmen den Weg hinaufkommen und zwei Deutsche erscheinen, ein sehr junger Mann und ein Mann, der vielleicht zehn Jahre jünger ist als wir. Wir diskutieren das Problem, und der junge Mann springt gemsenartig über die Felsen, mal hierhin, mal dorthin, bis er dann vermeldet, einen Weg gefunden zu haben. Sein älterer Begleiter folgt ihm und anschließend auch wir beide. Nach einer Weile entdecken wir die Ursache für das Problem. Ein Bergsturz hatte den ursprünglichen Weg verschüttet.
Es geht nun auf dem richtigen Weg zügig nach unten. Auf der Straße, die durch die Bungalows des Resort führt, tauchen dann auch noch ein paar Warzenschweine auf.


Unten an der Rezeption treffen wir dann noch mehr von ihrer Sorte.

An der Ausfahrt wird wie üblich geprüft, ob wir den Eintritt an der Rezeption bezahlt haben.
In der Umgebung des Waterbergs gibt es viele Lodges und Camps, auch direkt im Nationalpark am Rande des Plateaus. Wir haben uns für eine Unterkunft entschieden, die außerhalb des Parks liegt, die Waterberg Guest Farm. Es handelt sich um ein sehr weitläufiges Gelände mit Wildbestand. Unser Bungalow ist ein paar hundert Meter vom Zentralbereich entfernt auf einem Hügel und der Nachbar weit weg, das gefällt uns. Von dort haben wir einen wirklich schönen Blick auf den Waterberg, den wir mit Kaffee, Tee und Gebäck genießen.





Abends gibt es im Restaurant ein mehrgängiges Abendessen mit Wild, Kartoffelbrei und Gemüse. Uns fällt auf, dass es wieder keine Musik im Restaurant gibt, und wir empfinden das als sehr angenehm. Wir sprechen kurz darüber und stellen fest, dass wir sowohl in Restaurants als auch in Supermärkten bisher nie Musik aus Lautsprechern gehört haben. Das ist so ganz anders, als es in Deutschland üblich ist! Einmal hörten wir dezente Live-Musik, das war im Etosha Safari Camp. Und ein einziges Mal gab es wirklich Musik aus der Konserve in Supermarkt und Restaurant, das war in Uis. Eigentümerin beider Geschäfte war eine Frau, bei der wir seinerzeit schon vermutet hatten, dass sie Europäerin sein könnte.
Vor allem gibt es hier auch kräftiges Internet. Gut für unseren Blog!
Zur Nacht hin kühlt es sich auch hier deutlich ab, und auch in dieser Unterkunft gibt es keine Heizung, sodass unsere bewährte Zwiebel-Schlafbekleidung wieder herhalten muss.
Übrigens: seitdem es so kalt geworden ist, sehen wir auch fast keine Exemplare der Grillen mehr, die uns bisher so zahlreich durch Namibia begleitet hatten.