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    St. Malo – Tag 7-9

    Bretagne!

    Nicht weit nach unserer Abfahrt von Le Mont-Saint-Michel passieren wir an der Schnellstraße das Schild mit der Aufschrift „Région Bretagne“. Wir haben also endlich die Bretagne erreicht!

    Das Landschaftsbild hat sich nicht wesentlich verändert. Leichte Hügel, goldgelbe Getreidefelder, dunkelgrüne Maisfelder, ab und zu Gruppen von Bäumen und Büschen und Äcker mit Kartoffeln oder anderen Feldfrüchten dominieren die Aussicht links und rechts der Straße. Nur selten Anzeichen menschlicher Behausungen. Die goldgelben Felder sind zum großen Teil abgeerntet, was uns ein relativ früher Zeitpunkt zu sein scheint, heute am 01. Juli. Vielleicht können die Bauern hier wegen des milden Klimas sogar zwei Fruchtfolgen im Jahr einfahren?

    Unser Ziel ist die Hafenstadt Saint Malo, an einer Bucht in der Nähe der Mündung des Flusses Rance gelegen.

    Die Anfahrt zu unserem Campingplatz gestaltet sich etwas schwierig, da uns das Navi durch enge Einbahnstraßen schickt, und einmal müssen wir auch eine Straßensperre mit einer Umleitung umfahren. Wir entdecken andere Womos, die ebenfalls im Straßendickicht umherirren und folgen dann einem Hinweisschild, das uns schließlich zu unserem Ziel bringt.

    Unser Übernachtungsplatz ist ein Campingplatz auf einer Halbinsel in der Cité d’Alet, einem Stadtteil von St. Malo (48°38’09.5″N 2°01’40.9″W).

    Cité d’Alet

    Der Campingplatz gefällt uns sehr gut auf der von drei Seiten von Wasser umgebenen Halbinsel, und wir beschließen, gleich drei Nächte hierzubleiben.

    Am ersten Tag erkunden wir die Cité d’Alet. Auf allen Seiten trifft man auf Wasser, und besonders gut gefällt uns die Strandpromenade mit ihren alten Häusern, der Kirche im Hintergrund und dem Wachtturm Tour Solidor am Eingang der Bucht.


    Eine Besonderheit von St. Malo ist der extrem hohe Tidenhub zwischen Ebbe und Flut, der hier problemlos 8 Meter oder mehr erreichen kann. Das ist bedingt durch den relativ schmalen Ärmelkanal, aber auch durch die Lage von St. Malo in der Bucht. Die Wassermassen der Gezeiten schaukeln sich dadurch regelrecht auf.

    Für uns bedeutet dies einen Wasserstand sehr nahe bei Niedrigwasser, der es uns erlaubt, trockenen Fußes in der Bucht von Cité d’Alet umherzuspazieren und Fotos aus Perspektiven zu schießen, die bei Flut nicht möglich sind. Naja, so ganz trocken bleiben unsere Füße dann doch nicht, denn stellenweise ist der Matsch und Modder doch ziemlich weich und wir sinken beim Laufen ganz schön ein.

    Wir klettern aus dem Watt heraus auf die Straße und laufen an der Strandpromenade entlang. Eine Tafel zeigt die Strände von St. Malo und Umgebung. Die spiegelnde Glasscheibe davor sorgt für ganz interessant Bildeffekte.

    Am Ende der Bucht gibt es eine Treppe, die hinunter zum Watt führt und die 8 Meter Tidenhub gut verdeutlicht. Wie gesagt, bei Hochwasser reicht der Meeresspiegel fast bis an das obere Ende der Treppe!

    Seitlich neben der Bucht beginnt ein kleiner Wald. Wir laufen etwas in ihn hinein und erreichen nach kurzer Zeit eine weitere Bucht.

    Nachdem wir noch ein schönes Blumenfoto mit blauen Schmucklilien geschossen haben, beschließen wir ein kleines Experiment. Wir nehmen ein Foto auf an einer bestimmten Stelle der Bucht auf jetzt bei Niedrigwasser. Am nächsten Morgen kommen wir wieder her zur Zeit des Hochwassers und nehmen das gleiche Foto aus der selben Perspektive ein zweites Mal auf. Das Ergebnis sieht man hier.

    Altstadt

    Der nächste Morgen beginnt sehr wolkenverhangen und trüb. Heute wollen wir uns die Altstadt von Saint Malo ansehen.

    Zu Fuß ist es vom Campingplatz aus nicht weit dorthin, nur gut eine halbe Stunde ist zu absolvieren. St. Malo ist eine Stadt des Wassers. Überall trifft man hier auf Meeresbuchten und Kanäle. Entsprechend führt uns der Weg zum Stadtzentrum am Wasser entlang.

    Wir erreichen bald das Hafengebiet der Stadt, wo gerade eine große Schleuse trocken gelegt wurde und teilweise neu gebaut wird. Was für ein tiefes Loch!

    Das Besondere an der Altstadt ist die Festungsmauer, die einmal rings um die ganze Stadt herum führt. Die Altstadt selbst ist gar nicht so alt und mittelalterlich, wie man es vielleicht von anderen Orten her kennt. Die Gebäude sind alle sehr städtisch und hoch und erinnern im Baustil etwas an die bekannte Silhouette von Paris. Eigentlich sind die meisten Häuser sogar Neubauten, denn St. Malo wurde im 2. Weltkrieg zu 85% zerstört, und man entschloss sich nach dem Krieg, alles wieder originalgetreu aufzubauen.

    Wir erklimmen die Festungsmauer und blicken links auf den Hafen und rechts auf die Stadt.

    Bald erreichen wir den hinteren Teil der Stadtmauer, der die Stadt direkt zum Meer hin abgrenzt. Hier gibt es einen schönen Strand, an dem sich heute allerdings nur wenige Menschen aufhalten. Alte Verteidungsanlagen und Kanonen gibt es hier auch.

    Es ist nur ein kurzes Stück hinunter an den Strand. An der Stadtmauer hängt hier von außen ein junger Mann an bergsteiger-ähnlichem Geschirr und bearbeitet mit einem gasbetriebenen Flammenwerfer die Mauer. Wir fragen uns erst wozu, sehen dann aber einige Büsche, die im Mauerwerk wachsen. Der Mann fackelt die Büsche mit seinem Flammenwerfer ab, ähnlich wie wir es zuhause im kleinen Maßstab mit dem Unkraut auf dem Gehweg vor unserem Haus machen.

    Nicht weit vom Strand entfernt gibt es eine Insel, die bei Ebbe leicht erreichbar ist.

    Nun verlassen wir die Festungsmauer und schauen uns etwas in der Stadt um.

    Zu guter Letzt besichtigen wir noch die Kathedrale von Saint Malo, die uns aber nicht so gut gefällt wie die Dorfkirche von Arromanches. Aber es gibt einen sehr modernen Altar.

    Gezeitenkraftwerk

    Am dritten Tag verabschieden wir uns von Saint Malo, besuchen aber vorher noch das Gezeitenkraftwerk. Dieses Kraftwerk nutzt den extremen Tidenhub zur Stromerzeugung. Ein Damm sperrt den Ausgang des Flusses Rance in die Bucht von St. Malo ab. In diesem Damm gibt es einige Öffnungen, durch die das Wasser bei Ebbe und Flut hin- und herfließen und Turbinen zur Stromerzeugung antreiben kann. Insgesamt erreicht das Kraftwerk damit 250MW Leistung, was für die Versorgung einer Stadt von 200.000 Einwohnern ausreicht. Das Gezeitenkraftwerk von St. Malo wurde 1966 eröffnet und es gibt bisher weltweit immer noch nur wenige Kraftwerke dieses Typs.

    Wir parken auf dem Parkplatz neben dem Kraftwerk am Fluss Rance und schauen uns um.

    Über den Damm führt eine Hauptstraße, und wir nehmen die Unterführung, um das Kraftwerk von der anderen Seite der Straße zu erkunden. Neben uns verläuft eine Schleuse, in der einige Segelboote auf die Schleusung warten. Wie sollen diese Boote mit ihren Masten die über die Schleuse führende Straße queren?

    Auf dem Damm können wir erahnen, wie das Wasser unter uns durch die Turbinen strömt. Die Wasseroberfläche ist sehr unruhig, es bilden sich sogar Strudel. Die Wassermenge, die hier durch die Turbinen strömt, überschreitet die Wassermenge der Niagara-Fälle! Mit einem Video können wir die Strudel noch viel besser erfassen.

    Plötzlich ertönt eine laute Glocke, eine Ampel springt auf Rot und Schranken senken sich quer über die Hauptstraße. Kurz danach beginnt das Straßenstück, das über die Schleuse führt, sich zu heben. Nun wird uns klar, wie die Segelboote mit ihren Masten die Schleuse durchfahren können!

    Mit vielen Eindrücken im Kopf wird es nun Zeit, die Gegend von St. Malo zu verlassen. Wir fahren weiter Richtung Westen und tiefer in die Bretagne hinein.

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