Früh aufstehen
Um 6:30 klingelt heute Morgen der Wecker, denn wir wollen frühzeitig an unserem Ziel ankommen. Unser Übernachtungsplatz in Beauvoir liegt am äußersten Rand der Normandie (48°35’51.2″N 1°30’33.5″W). Von hier sind es ca. 5 Kilometer zu Fuß bis zum Eingang des Klosters Le Mont-Saint-Michel, das wir heute besichtigen wollen. Unsere am Vorabend online gebuchten Tickets gestatten uns den Einlass direkt nach der Öffnung um 9 Uhr bis um 10 Uhr, und wir wollen möglichst zeitnah zur Öffnung dort sein.
Der Weg zum Mont-Saint-Michel
Um 8 Uhr geht es los. Der Weg führt auf einem kombinierten Rad- und Fußweg am Ufer des Flusses Couesnon entlang.

Nch ein paar Kilometers haben wir zum ersten Mal einen schönen Blick auf unser Ziel. Die markante Silhouette des Monte Saint Michel ist sehr bekannt, wie das Kloster und die umgebenden Gebäude auf der kleinen Insel thronen und das umliegende flache Land im wahrsten Sinne des Wortes überragen. Je mehr wir uns nähern, umso mehr Einzelheiten könnnen wir erkennen.

Der Weg führt jetzt über eine auf Stelzen gebauten Straße über das Meer. Diese luftige Konstruktion ersetzt seit 10 Jahren einen massiven Damm, denn dieser Damm hat die Meeresströmungen bei Ebbe und Flut unterbrochen und dazu geführt, dass die Umgebung der Insel immer mehr verlandete.
Über diese Brücke können sich nur Fußgänger, Radfahrer und Shuttlebusse bewegen. Ansonsten gibt es auf dem Festland zahlreiche Parkplätze.
Dorf und Geschichte
Wir betreten die Insel und gehen nach rechts in das am Fuß des Klosters gelegene Dorf. Es sind schon einige Touristen unterwegs, und wie wir noch feststellen werden, wird sich ihre Anzahl noch viel mehr erhöhen. Jedes Jahr wird Le Mont-Saint-Michel von rund 3 Millionen Touristen besucht.


Der Mont Saint Michel ist ein ca. 50 Meter hoher Granitfelsen im Meer, der bei Ebbe leicht zu Fuß erreichbar ist. Vor ca. 1000 Jahren begann die Bebauung des markanten Felsens. Zunächst mit einer kleinen Kirche, aus der sich dann ein Kloster entwickelte, das dem heiligen Michael gewidmet wurde. Das ganze Mittelalter hindurch was Le Mont-Saint-Michel ein wichtiger und bekannter Wallfahrtsort. Um das wachsende Kloster herum siedelte sich ein Dorf an, in dem weltliche Bedienstete des Klosters lebten. Heute leben im Dorf noch 23 Einwohner.
Mit der französischen Revolution wurden 1790 die Mönche vertrieben, das Kloster verstaatlicht und zu einem der schrecklichsten Gefängnisse Frankreichs umgebaut. Insgesamt waren hier bis 1863 rund 18.000 Gefangene untergebracht. Nach Auflösung des Gefängnisses besann man sich wieder auf die historische Architektur, alles wurde restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Inzwischen leben auch wieder ein paar Mönche hier.
Die große Treppe
Wir sind pünktlich um 9 Uhr am Eingang und schieben und mit vielen anderen Touristen die Treppe hoch Richtung Ticketkontrolle. Wir hatten online eine Augmented-Reality Führung gebucht und nehmen dafür unsere Tablets in Empfang. Diese Führung wird uns noch viel Spaß bereiten!
Das Kloster betritt man dann über die große Treppe, die lang und gerade nach oben führt und den mittelalterlichen Wallfahrern den Eindruck vermittelte, sie kämen dem Himmel immer näher.

Westterrasse
Oben angekommen betreten wir zunächst die sogenannte Westterrasse. Sie liegt direkt vor dem Portal der Klosterkirche und erlaubt einen weiten Blick über die Bucht. In schwindelerregender Höhe entdecken wir die vergoldete Figur des heiligen Michael auf der Turmspitze, die allerdings erst 1897 aufgestellt wurde.




Klosterkirche
Wir gehen in die Kirche hinein und sehen zunächst ein Modell des Berges aus Pappe und Papier. Das sieht nach viel Arbeit aus!
Wir schauen uns in der Kirche um und schießen ein paar Fotos. Aus unserer Tablet-Führung lernen wir, dass die Kirche ursprünglich viel farbiger aussah. Alle Wände, die heute nur noch aus nacktem Stein bestehen, waren ursprünglich verputzt und weiß gestrichen. Darauf wurden farbige Ornamente in leuchtenden Farben und Gemälde als Fresken aufgetragen.



Kreuzgang
Seitlich von der Kirche betreten wir den Kreuzgang. Zierlich wirkende Säulen stützen das Dach, und in der Mitte gibt es eine Grünfäche (die zurzeit eher bräunlich verfärbt ist…).




Refektorium
Von einer Ecke des Kreuzganges betreten wir das Refektorium, also den Speisesaal des Klosters. Im Tablet können wir wieder die herrlich freundliche Ausmalung des Raumes im Mittelalter bestaunen, die uns viel besser gefällt als der Anblick der heutigen kahlen Wände. Wir lernen, dass diese Kahlheit auch zurückgeht auf die Restaurierung des 19. Jahrhunderts, als man sich bewusst für diese Schlichtheit entschieden hat.
Das Refektorium diente zur Zeit, als das Kloster ein Gefängnis war, als Schlafraum für ein paar hundert Gefangene. Unser Tablet zeigt auch dies sehr anschaulich, wie verschandelt der Raum damals aussah.


Radhaus
Wir gelangen zum Radhaus, dem einzigen erhaltenen Teil aus der Gefängniszeit. Hier steht ein großes Rad, das von den Gefangenen im Innern wie ein Hamsterrad angetrieben wurde und mit dem ein Schrägaufzug bedient wurde.


Wandelgang
Der sogenannte Wandelgang ist einer der ältesten Teile des Klosters. Hier kann man einen Teil des originalen Granitfelsens sehen und versteht, wie das Kloster quasi rundherum um den Felskern gebaut wurde.

Außenanlagen
Wir verlassen das Innere des Gebäudes und spazieren durch die Außenanlagen und den Klostergarten. Von hier haben wir wieder einen schönen Blick auf das Meer.




Über die äußere Befestigungsmauer gehen wir zurück in Richtung Dorf und verstehen an einer Biegung sofort, wie sich 3 Millionen Touristen auf einem relativ kleinen Fleckchen Erde anfühlen.

Da gerade Ebbe ist, laufen wir ein paar Schritte hinaus aufs Watt und schießen noch ein nettes Selfie mit Le Mont-Saint-Michel.

Rückweg
Der Stelzensteg hat sich inzwischen auch gut mit Menschen gefüllt, die vom und zum Berg unterwegs sind.

Wir beschließen, einen Teil des Weges etwas bequemer zurückzulegen und nehmen den Shuttebus zum Parkplatz. Obwohl, es ist ziemlich stickig in dem überfüllten Bus und so richtig bequem ist es auch nicht.
Der Bus ist ein Spezialmodell der deutschen Firma Cobus. Der Bus hat an beiden Enden einen Führerstand und kann deshalb immer hin- und herfahren, ohne auf der engen Insel wenden zu müssen.

Zurück in Beauvoir gönnen wir uns ein leckeres Mittagessen mit Muscheln und Pommes.

Am Nachmittag fahren wir dann zu unserer nächsten Station nach Saint Malo.