Quiberon
Die letzten Tage in der Bretagne wollen wir auf der Halbinsel Quiberon verbringen. Eigentlich war Quiberon ursprünglich eine Insel, ist aber durch Verlandung bereits im 11. Jahrhundert zur Halbinsel geworden. Inzwischen führen eine Straße sowie eine Bahnlinie über einen Damm auf die Halbinsel.

Auf Quiberon leben rund 6000 Menschen, die im Wesentlichen vom Tourismus und etwas Fischerei leben. Entsprechend viele Campingplätze gibt es hier, von denen wir uns zunächst einen an der Ostküste gelegenen Platz aussuchen, Camping Beauséjour (47°30’01.4″N 3°07’12.6″W). Da wir vorher nicht reserviert hatten, können wir hier nur zwei Nächte stehen bleiben.
Quiberons Ost- und Westküste sind völlig unterschiedlich. Während die Ostküste über eine Bucht dem in der Ferne sichtbaren Festland zugewandt ist, öffnet sich die Westküste dem Meer. Dadurch ist die Ostküste ruhig und von vielen Badestränden geprägt, und die Westküste, die „Wilde Küste“ (Côte Sauvage) ist rau, mit Wellengang und (eigentlich) gesperrten Badestränden.
Wir haben Glück, stehen in der zweiten Reihe und haben einen direkten Blick auf die ruhige Ostküste von der Womo-Tür aus. Die direkte Strandlage nutzen wir aus und halten mal die Füße in das fast lauwarme Wasser.


Radtour in den Norden
Die Halbinsel Quiberon ist eine gute Gelegenheit, endlich unsere Fahrräder vom Womo abzuschnallen und in Gang zu setzen. Das Relief der Insel ist weitgehend flach mit wenigen leichten Steigungen, es gibt ein paar angelegte Radwege und auch der Fernradweg 45 führt hierher.
Los geht’s! Zunächst wollen wir in einer Runde den Norden der Insel, beginnend mit dem mittig gelegenen Ort St. Pierre Quiberon erkunden. Die Tour beginnt an der ruhigen Ostküste.

Wir radeln bis ganz ans Ende der Halbinsel, wo wir einen Blick auf den Damm werfen, der sie mit dem Festland verbindet.

Zufällig kommt gerade ein Zug vorbei. Die Bahn verkehrt hier ungefähr im Stundentakt, außerdem gibt es auf der Insel 4 lokale Buslinien. Man kann also relativ leicht auch ohne Auto anreisen und sich hier aufhalten, zumal es auch zahlreiche Fahrradverleihe gibt.

Es geht wieder zurück auf die Halbinsel, und wir biegen nach rechts ab in Richtung Westküste und treffen auf die Bucht von Portivy mit ihrem Hafen. Hier gibt es auch Gärten mit frei wachsendem Oleander. Dieser Busch verträgt keinen Frost, und wir kennen ihn sonst nur aus Italien. Ein Zeichen für das milde Klima hier an der Südküste der Bretagne!


Die Fahrt geht weiter Richtung Süden, die westliche Wilde Küste entlang.



Es wird Mittagszeit, und wir finden ein Schattenplätzchen auf ein paar Felsen in einer Bucht. Die Füße stehen im Wasser, es ist schattig und dadurch gut erträglich bei ca. 35 Grad. Herrlich!

Ganz in der Nähe entdecken wir zufällig einen Campingplatz, auf dem es für uns auch noch einen freien Stellplatz für die nächsten Tage gibt. Dieses Problem ist also auch gelöst!
Unterwegs zurück zum Womo kommen wir an noch mehr sehr fotogenen Oleander-Büschen vorbei.

Sonntagsspaziergang
Am Sonntag wechseln wir zunächst auf den neuen Campingplatz an der Westküste, Camping Municipal de Kerné (47°29’31.6″N 3°08’14.5″W). Von hier aus ist es nicht weit zu einem netten Meeresfrüchte-Restaurant direkt am Meer. Nach reichlich Muscheln, Pommes, Fischsuppe, Salat und Cidre schauen wir uns noch etwas um und klettern auf den Felsen herum. Hier gibt es einige Stellen, die anscheinend regelmäßig vom Meer überflutet werden und dann austrocknen. Zurück bleibt die ziemlich dicke Kruste aus Meersalz von einigen Zentimetern Stärke – eine natürliche Saline!


Kutschfahrt
Endlich, es hat in der Nacht heftig gewittert, und die Luft hat deutlich abgekühlt auf Werte um 25 Grad. Gutes Wetter zum spazieren Gehen, und wir machen uns auf zu einer Tour nach Quiberon. Der Ort, der der ganzen Halbinsel den Namen gab, umfasst den gesamten Süden und ist das touristische Zentrum hier. Es sind knapp 3 Kilometer Fußweg dorthin.
Als erstes treffen wir auf eine neugierige Katze an einem Dachfenster.

Der Weg verläuft durch ruhige Wohngebiete. Erst unmittelbar an der Strandpromenade wird es voller und viele Urlauber halten sich hier auf. An einer Ecke hält eine Kutsche, mit zwei Pferden bespannt, und der originelle Kutscher wartet auf Kundschaft.


Wir überlegen nicht lange. Die Kutschfahrt dauert rund eine Stunde und kostet 8 Euro. Wir zahlen unseren Obulus, steigen ein uns bald beginnt die Fahrt. Es geht mit 2 PS inmitten des Autoverkehrs mitten durch Quiberon. Die Autofahrer haben Respekt und halten Abstand!






Bald erreicht unserer ruckeliges und schaukelndes Gefährt die Wilde Westküste.




Wir fahren jetzt tatsächlich an unserem neuen Campingplatz vorbei. Deutlich können wir unser Womo stehen sehen.

Auf der westlichen Küstenstraße geht es wieder zurück nach Quiberon. Reihenweise Autos überholen uns und schießen dabei Fotos. Wir sind die Attraktion! Wir haben Zeit und drehen ein kleines Video.
Die Fahrt geht die wilde Küste entlang zurück nach Quiberon. Genug Gelegenheit, um Fotos zu schießen.




Zum Abschluss der schönen Kutschfahrt gibt es noch ein Selfie zu viert.

Radtour durch den Süden
Den südlichen Teil der Halbinsel Quiberon hatten wir bisher noch nicht so richtig erkundet. Das holen wir jetzt im Rahmen einer Fahrradtour nach. Wir radeln Richtung Südosten durch die Wohngebiete des Ortes Quiberon (der der Halbinsel den Namen gab) und vorbei an der Strandpromenade, wo gestern die Kutsche stand. Durch den Ort hindurch geht es hinaus auf eine schmale Landzunge ganz weit im Südosten. Irgendwann endet der Radweg und wir gehen zu Fuß weiter. Wir haben einen schönen Blick zurück auf den Ort und klettern etwas auf den Felsen an der Küste herum.




Hier trifft die raue, wilde Westküste auf die ruhige Ostküste. Wir gehen langsam auf der Ostseite der Halbinsel wieder Richtung Norden. Der Übergang von der felsigen Westküste auf die sandige Ostküste ist interessant.

Bald steigen wir wieder aufs Rad und fahren entlang der Ostküste Richtung Quiberon zurück. Einer der Strände hier lädt uns zu einer kleinen Pause ein.

Die Fahrt geht weiter und bald passieren wir den Yachthafen.



Wir wenden uns in das Landesinnere und sehen in der Ferne die Kirche im historischen Zentrum von Quiberon. Auffällig auch hier die südlich anmutende Vegetation mit den großen Palmen.

Die Kirche und die Umgebung entpuppen sich als nicht ganz so fotogen, und so bleibt es bei einem Foto hier. Uns gefällt aber eine kleine Plastik aus Eichenholz in der Nähe mit dem Titel „Anglerin mit Kormoranen“.


Heute ist unser letzter Tag in der Bretagne. Morgen geht es wieder zurück in die Normandie, wo sich der Kreis unserer Rundreise schließt.