Die Nacht im Industriegebiet von Graz verlief ruhig, aber der Montagmorgen begann dann doch recht früh. Uns war nicht klar, dass in der Umgebung unseres Übernachtungsplatzes einige Firmen ansässig sind, die auf ihrem Hof alle Arten von Lkw und Baufahrzeugen abstellen, die natürlich frühmorgens irgendwo pünktlich eintreffen müssen. Und so wurden wir zeitig von den vorbeifahrenden Fahrzeugen geweckt, was aber gar nicht so schlimm war, denn wir wollten sowieso früh aufbrechen zu unserer Stadttour.
Graz ist mit etwas über 300.000 Einwohnern die nach Wien zweitgrößte Stadt Österreichs. SIe liegt am Fluss Mur, ist die Hauptstadt des Bundeslandes Steiermark und liegt an den äußersten Ausläufern der Alpen in einer hügeligen und welligen Landschaft. Die malerische Altstadt zählt zum Unesco-Weltkulturerbe, und dies zusammen mit dem spürbaren südlichen Flair und dem milden Klima macht sie zu einem attraktiven Ziel für Besucher aus aller Welt.
Soweit also die Informationen aus dem Internet. Wir sind neugierig geworden, beschaffen uns eine Tageskarte der Grazer Verkehrsbetrieb und stiefeln los zur knapp einen Kilometer entfernten Haltestelle der Straßenbahnlinie 5.
Die Tram bringt uns zügig zum Schlossberg, einem Hügel mitten in der Stadt. Es gibt einen Aufzug für den Weg nach oben, aber wir entscheiden uns zu etwas morgendlicher Bewegung und nehmen die recht interessant aussehende Treppe, die in knapp 300 Stufen nach oben auf das Schlossberg-Plateau führt.

Beim Aufstieg erhaschen wir immer wieder wechselnde Ausblicke auf die Stadt Graz mit vielen schönen und gut hergerichteten Altbauten, aber natürlich auch zahlreichen Neubauten in moderner Architektur. Auch die Mur blitzt blau im Sonnenlicht ab und zu zwischen den Häusern hindurch.





Bei einem der alten Häuser fällt uns auf, wie sich im Laufe der Jahrhunderte der Dachfirst verschoben hat und nun etwas wellig verläuft. Der darunter liegende Dachstuhl wird wohl nicht weniger schief sein, aber er steht noch! Ebenso fällt uns an diesem Haus auf, wie eng die Gebäudeflügel beieinander stehen und wie wenig Licht damit von der Hofseite die Räume erreicht.

Unterwegs treffen wir auch auf die Trasse der Schlossbergbahn. Dies ist eine Standseilbahn, die von der Unterstadt hinauf zum Plateau des Schlossbergs verläuft. Wir beschließen, als kleine Belohnung für unseren Aufstieg mit Muskelkraft die Bahn für den Abstieg zu nutzen.




Oben angekommen, gehen wir etwas auf dem Plateau herum und lernen, dass es hier früher einmal eine Burganlage gab, die aber im 19. Jahrhundert fast komplett abgetragen und durch eine Parkanlage ersetzt wurde. Nach Protesten der Grazer Bürger blieb aber der Uhrturm mit seiner historischen Uhr und dem fünf Meter messenden, von weitem sichtbaren Zifferblatt erhalten.





Ebenso blieb der Glockenturm erhalten, allerdings ist die dazugehörende Kapelle bis auf die Grundmauern verschwunden.


Die Mittagszeit nähert sich, und beschließen, uns nach unten in die Stadt aufzumachen, um uns etwas zu essen zu suchen. Wie bereits erwähnt, nehmen wir dafür als kleine Belohnung die Standseilbahn. Wir sind umso erfreuter, also wir feststellen, dass wir die Bahn mit unserem Tagesticket benutzen dürfen und kein extra Fahrgeld bezahlen müssen.




In der Stadt entdecken wir in einem Hinterhof ein uriges Restaurant, das ein Mittagsmenü mit Frittatensuppe und dann Kartoffel-Gemüsebratlinge mit Salat anbietet. Wir schlagen zu.
Gut gesättigt beginnen wir einen Rundgang durch die malerische Altstadt.






Unser Rundgang führt uns zum Mariendom und dem daneben liegenden Mausoleum von Kaiser Maximilian, das aber leider montags geschlossen ist. Der Dom ist aber geöffnet, und wir gehen hinein.



Gleich neben dem Dom liegt die Grazer Burg, die früher der Sitz der Herzöge war und heute die Landesregierung der Steiermark beherbergt. Viel zu sehen gibt es hier nicht außer einer interessanten Doppelwendeltreppe aus dem 15./16. Jahrhundert. So eine Treppenkonstruktion haben wir bisher noch nicht gesehen.




Gleich neben der Burg liegt der Burggarten, in dem man schön spazieren gehen und sich erholen kann.


Die Zeit vergeht wie im Fluge, und so langsam meldet sich der Magen wieder. Wir haben Appetit auf was typisch Österreichisches, und da bietet sich die Filiale der Restaurantkette „Kaiser’s Kaiserschmarrn“ geradezu an. Dort gibt es nur Kaiserschmarrn, aber das dafür in zig möglichen Varianten. Wir entscheiden uns für die Varianten Zwetschke und Apfel/Zimt/Vanille. Es schmeckt so richtig gut!

Unsere Stadttour hat uns müde gemacht, und so machen wir uns wieder auf den Rückweg mit der Straßenbahn Nummer 5. Unterwegs entdecken wir, dass der Zug von Stadler hergestellt wurde, wie man an Symbolen auf den Fenstern und Türen entdecken kann. Etwas googeln lehrt uns, dass er sogar bei Stadler in Pankow (!!!) entwickelt und gebaut wurde. Die Welt ist schon klein!
Auf dem Rückweg von der Haltestelle ins Industriegebiet kommen wir noch an der Bäckerei Kern vorbei, die sich etwas Originelles hat einfallen lassen, um dem Diebstahl ihrer Transportboxen vorzubeugen…

Der Rest des Tages ist Siesta und Vorfreude auf morgen, denn dann geht es weiter nach Süden!
Wirklich tolle Bilder, wunderschöne Tage! Lg