Camping Torre di Barì Sardo
Wir steuern einen neuen Campingplatz an der Ostküste Sardiniens an, der ein gutes Stück südlich vom letzten Platz in Budoni liegt: Camping Torre di Barì Sardo (39°49’53.5″N 9°40’38.9″E), benannt nach dem gleichnamigen Ort gleich in der Nähe.
Der Platz ist eher einfach ausgestattet, aber sauber und zweckmäßig und fußläufig zum Strand gelegen. Die Stellplätze sind relativ groß und schattig unter hohen Eukalyptus-Bäumen. Es gefällt uns sehr gut, und wie sich noch herausstellen wird, werden wir sechs Nächte hier verbringen.

Nach ein paar Tagen gesellt sich sogar ein Hausgast zu uns, der immer zutraulicher wird. Natürlich wissen wir, was Gastfreundschaft bedeutet, und lassen unseren Gast nicht ohne eine Mahlzeit ziehen.




Barì Sardo
Die Tage auf dem Campingplatz beginnen damit, dass wir am Auto eine kleine Panne beseitigen müssen. Eigentlich ist es keine Panne, sondern die Warnmeldung „Motorölstand kontrollieren“. Das tun wir und stellen fest, dass wir Öl nachfüllen müssen. Zum Glück liegt Barì Sardo nicht weit entfernt, nur knapp 3 Kilometer Fußweg über den Hügel sind es dorthin. Google sagt uns, dass es dort Geschäfte und Tankstellen gibt, wo man Motoröl kaufen kann. Wir machen uns auf den Weg.

Unterwegs kommen wir an ein paar Eseln auf einem Acker vorbei.

Über Barì Sardo selbst gibt es nicht so viel zu berichten. Außer, dass wir uns durchgefragt haben nach „Olio Motore“ und am Ende fündig wurden und unser Womo wieder einsatzbereit.
Torre di Barì Sardo
Barì Sardo liegt etwas erhöht im Landesinneren, aber Torre di Barì Sardo ist eine kleine Küstensiedlung direkt am Meer. Namensgebend ist ein alter Turm, den man auch besichtigen kann. Links und rechts vom Turm erstreckt sich der Strand, der hier aber eher etwas grobkörnig ausfällt und relativ steil ins Meer abfällt.



Parallel zum Strand verläuft ein Pinienwald, durch den man wunderbar spazieren kann und der im Sommer sicherlich angenehme Kühle spendet.

Abends brechen wir auf zu einer Besichtigung des Turms. Im Licht der untergehenden Sonne ergeben sich schöne Farbeffekte und Schattenwürfe.


Das Innere des Turms kann man gegen ein kleines Entgelt erkunden. Im Preis inbegriffen ist eine umfangreiche Audioführung auch auf deutsch, die die Geschichte des Turms ausführlich erklärt. Wir steigen über eine enge Treppe nach oben in das Obergeschoss, wo uns eine kleine Ausstellung erwartet.

Der Turm wurde, gemeinsam mit rund 80 weiteren Türmen entlang der Küste, zum Schutz vor Piraten um das Jahr 1600 herum errichtet. Piraten kamen damals aus Nordafrika und überfielen die Küsten in Italien und auch Sardinien, wo sie Menschen verschleppten und in Algerien und Tunesien auf Sklavenmärkten verkauften. So gerieten über die Jahre eine Million Menschen in die Sklaverei. Mit dem System der Wehrtürme an der Küste versuchte man mehr oder weniger erfolgreich, diese Überfälle zu verhindern.

Es gab schon optische (Feuer) und akustische (Signalhörner) Warnsysteme der Bevölkerung.

Spiaggia di Su Sirboni
Die Ostküste Sardiniens ist von zahlreichen Stränden geprägt, und einen von ihnen können wir bequem auf einer Fahrradtour erreichen, die Spiaggia di Su Sirboni.

Wir fahren auf Nebenstraßen durch das Flachland. Die Straße ist von hohem Schilf, von Kakteenbüschen und von Eukalyptusbäumen gesäumt. Der Weg verläuft Mal eben, mal über leichte Hügel hinweg.


Nach einer Weile habe wir einen Blick auf unser Ziel. Der Strand liegt sehr schön in einer Bucht, eingerahmt von kleinen Hügeln.

Wir schließen die Räder an und gehen das letzte Stück zu Fuß. Der Weg zum Strand ist etwas steinig, aber durchaus mit Sandalen machbar.


Die Spiaggia di Su Sirboni ist recht bekannt, und so sind wir nicht alleine hier. Wir gehen baden, das Mittelmeer ist für die Jahreszeit noch angenehm warm.

Grotta Su Marmuri
Auf Sardinien gibt es viele Höhle – italienisch „Grotta“ – im Karstgestein, und eine davon liegt nicht weit von unserem Campingplatz entfernt – die Grotta Su Marmuri, die marmorierte Grotte.
Für die Anfahrt zur Grotte brauchen wir das Womo. Wir fahren auf größeren und kleineren Straßen in das Hinterland Sardiniens, während sich die Piste immer weiter bis auf fast 1000m Höhe schraubt.

Dörfer sind hier steil an den Hang gebaut, zum Beispiel der kleine Ort Ulussai. Der Vorteil ist natürlich, dass hier fast jeder einen guten Ausblick in die Ferne hat.

Unser Navi führt uns zum Glück nicht durch die engen Straßen von Ulussai, sondern in einem Bogen daran vorbei. Die Straße wird dann doch noch richtig steil, bleibt aber durchgängig asphaltiert, und im ersten Gang und mit lautem Motorgebrumme erreichen wir den Parkplatz an der Grotte (39°48’51.8″N 9°29’16.6″E).


Wir buchen die Führung um 11 Uhr. Wir haben Glück, denn von November bis März kann man die Grotte nicht besichtigen wegen der Fledermäuse, die hier überwintern.
In einer ziemlich großen Gruppe von vielleicht 50 Menschen steigen wir dann mit unserer Führerin weiter 180 Stufen bergauf Richtung Höhleneingang. Es hat sich ergeben, dass wir in einem Pulk junger Leute recht zügig nach oben laufen, und wir sind schon ein kleines bisschen stolz, dass wir ohne Pause mithalten können.
Die Gruppe wartet auf die Nachzügler, und wir sehen nun den Eingang zur Höhle, ein riesiges, gähnendes, schwarzes Loch.

Es geht in die Höhle hinein und wieder nach unten. Insgesamt steigen wir bei der Besichtigung über 800 Stufen und der Weg ist zwei Kilometer lang. Eine wirklich große Grotte!
Mit einem Blick nach hinten verabschieden wir uns vom Tageslicht.

Durch die Höhle ist vor langer Zeit ein großer Fluss geströmt, der sich über viele, viele Jahre immer tiefer eingegraben hat. Dazu ist Wasser von oben eingedrungen und hat imposante Tropfsteine geformt.


Es gibt auch heute etwas Wasser hier unten. Im Winter steigt die Wassermenge erheblich, was ein zweiter Grund für die Schließung der Höhle ab November ist.


Aufgrund des langen Weges verteilt sich die große Gruppe, und wir laufen bald fast alleine durch die Grotte. Wir erreichen dann eine wirklich große und hohe Höhle, wo uns die Führerin ein paar Erläuterungen gibt.


Immer wieder sehen wir imposante Stalagmiten und Stalagtiten.


Ein Tropfstein sieht aus wie ein Kaktus und heißt auch so. Wenn man bedenkt, dass diese Steine in hundert Jahren nur einen Millimeter wachsen, dann muss hier über Tausende von Jahren immer an der gleichen Stelle Wasser herunter getropft sein. Wobei das genaue Alter der Grotte noch unbekannt ist.

Die Höhle ist zwar sehr groß, an manchen Stellen aber doch eher flach.

Am Ende des Weges sehen wir dann ein Loch im Boden. Dies führt zu einer weiteren Etage unter uns, das heißt zu einem weiteren Höhlensystem einige Meter unter uns. Dies ersparen wir uns aber heute, es ist ja auch nicht öffentlich zugänglich.

Wir nehmen zurück den Weg, den wir gekommen sind, und sehen nach einer Weile wieder Licht am Ende des Tunnels.

Praktischerweise befindet sich direkt neben der Grotte ein Restaurant, dass uns zum Mittagessen einlädt. Bei Antipasti, sardischen Spezialitäten wie Culurgiones (gefüllte Teigtaschen) und Frisciura (Eintopf aus Herz, Leber, Lunge) sowie einem Tartufo bei Espresso und Tee finden wir eine sehr angenehme Stärkung.



Sa Perda Stampada
Nach dem Besuch der Grotte haben wir erstaunlicherweise immer noch Energie, und so fahren wir nach Tesonis für eine kleine Wanderung. Wir parken das Womo am Ende der Sraße auf einem Parkplatz (39°42’12.6″N 9°39’59.2″E).

Wir sind hier Luftlinie gar nicht weit entfernt von der Spiaggia di Su Sirboni, wo wir neulich einen schönen Strandnachmittag verbracht haben. Allerdings trennt und vom Strand ein Hügel, und auf diesem Hügel liegt unser Ziel in zwei Kilometern Entfernung und 150 Meter über uns.
In der Nähe des Parkplatzes beginnen mehrere Wanderwege, und wir nehmen den nach oben Richtung Sa Perda Stampada. Schöne Ausblicke auf die Küste tun sich auf.




Der Weg geht ziemlich steil nach oben, und wir schnaufen allmählich unserem Ziel entgegen. Plötzlich, gar nicht weit vom Ende der Wanderung entfernt, raschelt es deutlich vernehmbar im Gebüsch neben uns. Zu sehen ist nichts, aber es ertönt ein lautes Geräusch, eine Art Heulen. Das Rascheln kommt näher. Unser Verstand sagt uns: es gibt keine wilden, gefährlichen Tiere auf Sardinien. Unser Adrenalin sagt was anderes, und so fangen wir tatsächlich an, den Weg entlang zu rennen. Bis – ja bis wir dann gleich des Rätsels Lösung entdecken. Eine Herde Bergziegen äst im Gebüsch und hat mehr Angst vor uns als wir vor ihnen! Wir müssen über uns lachen uns schießen ein paar Fotos der scheuen Tiere.



Kurz darauf erreichen wir unser Ziel Sa Perda Stampada. Es handelt sich dabei um einen Felsen mit einem durch Erosion entstandenen Loch in der Mitte, von wo wir auf einen Strand auf den anderen Seite des Hügels blicken können, an dem wir vor ein paar Tagen vorbei geradelt sind.



Wir verabschieden uns von den Ziegen und auf dem Rückweg gelingen uns auch noch ein paar schöne Fotos.


Die Gegend um Torre di Bari haben wir nun recht ausgiebig erkundet, und es wird morgen Zeit, weiter Richtung Süden zu fahren.