Sardinien!
Nach einer angenehmen und ruhigen Überfahrt von rund 330 Kilometern über das Meer erreichen wir den Hafen von Olbia an der Nordostecke von Sardinien. Um 6 Uhr werden wir von einer Durchsage geweckt, alle Passagiere mögen doch jetzt bitte die Kabinen verlassen. Wir leisten dem Folge und gegen 7:30 legen wir an.
Wir verlassen in einem Pulk von Fahrzeugen die Fähre und werden von der Insel mit einem blutroten Sonnenaufgang und schönem Wetter empfangen.

Camping Village Pedra & Cupa
Unser Ziel für die ersten Tage ist der Ort Budoni, ca. 35 Kilometer südlich von Olbia an der Ostküste Sardiniens gelegen. Dort haben wir einen Campingplatz entdeckt, den „Camping Village Pedra & Cupa“, wo wir die nächsten Tage verbringen wollen. Der Platz liegt direkt am Strand und verfügt über mit Netzen überspannten, schattige Plätze. Außerdem ist der Weg zu guten Restaurants in der Nähe nicht weit. Einen Pool und ein Restaurant gibt es hier auch.

Zwischen dem Campingplatz und dem Strand liegen ein paar Feuchtgebiete mit kleinen Seen, dicht bewachsen von hohem Schilf und bewohnt von einer Reihe von Vögeln, die man von einer kleinen Beobachtungsstation aus gut und unbemerkt verfolgen kann.


Am Strand gibt es auch Parkplätze, die von vielen Tagesgästen benutzt werden. Jetzt im Oktober ist das Parken hier sogar kostenlos.
Wir schauen uns in der Umgebung des Platzes um und genießen die Ruhe nach einer doch etwas stressigen Anreise hierher.
Wandern am Monte Albo
Von Budoni aus ergeben sich schöne Möglichkeiten für ein paar interessante Ausflüge. Nach so viel Zeit quasi im körperlichen Ruhezustand, das heißt im Womo und auf dem Schiff, spüren wir ein Bedürfnis nach Bewegung. Unsere Fitnessuhren stimmen dem unbedingt zu, also planen wir eine Wanderung im Monte Albo.
Der Monte Albo, auf deutsch „Weißer Berg“, ist ein Gebirgszug, der sich über ca. 20 Kilometer Länge von Nord nach Süd in der Nähe der Ostküste entlangzieht. Der Name rührt von der hellen Farbe des Kalksteins her. Es reicht bis auf etwas über 1000 Meter hinauf, und unsere Wanderung soll uns bis fast ganz nach oben führen. Wir sind gespannt!
Den Monte Albo kann man auf der Straße umrunden, und wir beschließen, diesem Rundkurs zu folgen. Ungefähr in der Mitte des Rundwegs liegt der Parkplatz, an dem unsere Wanderung beginnt. Eine Übersichtskarte zeigt das Wandergebiet.

Nach der Abfahrt von der vierspurigen Hauptstraße SS131 schraubt sich die schmale Straße immer höher, und die Landschaft wird immer karger. Wir treffen auf eine Gruppe Rinder, Kühe mit Kälbern und junge Stiere, die sich an einer Wasserquelle an frischem Nass erfreuen. Schon irgendwie idyllisch, trotz der rauen Landschaft rings umher. Die Straße ist für die Tiere kein Hindernis, und wir fahren entsprechend vorsichtig.



Wir fahren die kurvenreiche Straße weiter und erreichen nach einer Weile den Startplatz unserer Wanderung nahe bei einem Restaurant, das jetzt im Oktober aber bereits geschlossen hat (40°32’31.6″N 9°36’05.8″E). Mit Hilfe von komoot haben wir unsere Tour geplant und auch aufgezeichnet.

Der Weg verläuft durch Wald und steigt leicht an. Unterwegs passieren wir einen kleinen Unterstand. Vor hier haben wir auch einen schönen Blick auf den Parkplatz und unser Womo.


Nun nimmt die Steigung deutlich zu , und wir kommen ins Schnaufen. Unterwegs ergeben sich immer wieder Ausblicke auf das Landesinnere von Sardinien. Uns fällt auf, wie dünn besiedelt das Land doch ist.



Geschafft! Auf 1000 Meter Höhe erreichen wir das Felsplateau des Monte Albo!


Hier oben ist es karg, steinig, aber relativ flach. Der Wind weht kräftig und beständig über das Plateau. Es fühlt sich an wie im Hochgebirge, obwohl wir doch nicht höher sind als zum Beispiel der Harz. Wir beschließen, noch ein Stück weiter bergauf zu gehen bis zum flachen Gipfel auf 1050m Höhe.



Wir legen eine Rast mit Apfelschnitten und Wasser ein, denn die haben wir uns verdient. Nach einer Weile steigen wir auf der anderen Seite des Monte Albo über sehr steiniges und alpines Gelände langsam wieder ab. Unterwegs treffen wir auf ein anderes Paar, das heute hier unterwegs ist. Ansonsten ist die Gegend hier menschenleer, welche ein Kontrast zum Gewimmel unten am Strand!
Mit dem Womo setzen wir dann den Rundkurs um den Monte Albo fort und erreichen am Nachmittag wieder den Campingplatz.
Radtour nach San Teodoro
Die Gegend um Budoni leicht hügelig und sehr einladend für Fahrradtouren mit dem E-Bike. Wir nehmen uns eine Tour nach San Teodoro vor in etwa 15 Kilometern Entfernung, bei der wir einen 120 Meter hohen Hügel passieren müssen. Mit unseren E-Bikes überhaupt kein Problem.
Wieder wird die Strecke mit komoot geplant.

Die Tour verläuft über Nebenstraßen bzw. Radwegen an der Haupstraße und fährt sich leicht. Unterwegs passieren wir den Ort Ottiolu mit einem schönen Yachthafen.


In San Teodoro tobt das Leben. Der Strand ist voll mit Touristen, die vom sehr großen Parkplatz ans Meer strömen. Welch ein Kontrast zu Budoni oder auch zu Ottiolu! Vermutlich liegt das an dem wirklich sehr schönen, flach abfallenden Strand, der sich über mehrere Kilometer Länge entlang zieht.

Auf der dem Land zugewandten Seite des Strandes breitet sich eine Lagune aus, die nur mit einer schmalen Durchfahrt mit dem Meer verbunden ist. Hier tummeln sich zahlreiche Wasservögel, die durch die flache Lagune staksen und nach den in großer Menge vorhandenen Fischen Ausschau halten.



Posada
Nicht weit weg von Budoni liegt auf einem steilen Hügel das Dorf Posada und dort auf dem höchsten Punkt eine antike Burg, das Castello Della Fava. Wir nutzen unser Womo für einen Ausflug dorthin.
Den hohen Bergfried der Burg sehen wir schon von weitem bei der Anfahrt durch die Ebene. Wir finden einen Parkplatz direkt am Fuß des Aufstiegs zur Burg und gehen den Weg durch das schön restaurierte Dorf nach oben.


Von der antiken Burganlage gibt es nur noch einige Mauerreste und Fundamente, aber der Bergfried wurde restauriert und ist zu besichtigen.

Der Aufstieg zur Aussichtsplattform erfolgt in abgezählten Gruppen, denn das Innere des Turms ist recht eng mit steilen Treppen, und es macht Sinn, die Anzahl der Touristen zu begrenzen. Wir steigen die Treppen nach oben und erreichen bald eine senkrechte Leiter, die zu einer schmalen Öffnung in der Decke führt, die vielleicht 50x50cm groß ist. Ein wirklich sehr enges Loch, durch das wir uns zwängen müssen! Oben angekommen, stehen wir auf der Aussichtsplattform und haben einen weiten Blick über das unter uns liegende Posada und die sich weit erstreckende Ebene drum herum.






Der Abstieg durch das enge Loch ist wieder eine kleine Herausforderung, aber dieses Mal wissen wir ja schon, was uns erwartet. Am Fuß des Turms angekommen, findet sich ein netter Mitbürger, der ein Foto von uns beiden schießt.

Auf der Rückfahrt gehen wir noch Mittag essen in einer Tavola Calda in Siniscola. Das ist eine Art Kantine mit Büffet, wo man für einen Pauschalpreis von 13 Euro essen kann. Das Lokal hat nur mittags an Werktagen geöffnet, und wir finden uns in einer Schar von Handwerkern und Arbeitern wieder. Und lecker ist es auch!
