Unser heutiges Etappenziel ist die Goldene Stadt: Prag, die tschechische Hauptstadt! Wir waren vor ziemlich genau 11 Jahren schön einmal hier, als Michael dienstlich nach Prag musste und wir die Gelegenheit zu einem Städte-Kurztrip genutzt hatten. Wir haben ein paar schöne Erinnerungen an die Stadt und sind gespannt darauf, sie aufzufrischen.
Ein Blick auf die Karte zeigt, dass von unserem Übernachtungsplatz in Boxdorf nördlich von Dresden die Strecke auf der Autobahn rings um Dresden ziemlich lang ist und die Fahrt direkt durch die Stadt wesentlich kürzer. Wir beschließen, zeitig gegen 8 Uhr loszufahren und denken, dass wir heute am Samstag die Innenstadt von Dresden gut passieren können. Wir behalten Recht und es geht zügig voran, gleich hinter Dresden auf die Autobahn A17 Richtung Süden. Wir überqueren die erste Landesgrenze auf unserer Reise, nämlich die zwischen Deutschland und Tschechien, und erreichen ohne weitere Probleme auf der gut ausgebauten Autobahn unser Ziel.
Ein Übernachtung ist in Prag geplant, und dafür haben wir uns einen Campingplatz und Caravan Park auf der Insel Císařská Louka in der Moldau ausgesucht, direkt mitten in der Stadt (50°03’44.4″N 14°24’48.6″E). Eine schmale Straße führt der Länge nach über das schmale, langgestreckte Eiland, sodass wir gegen 11:30 unser Womo auf einem schönen Wiesenplatz zum Stehen bringen.
Ein spätes Frühstück stärkt uns, eine kurze Mittagspause ebenso, und dann geht es los, die Stadt zu erobern. Wir haben uns noch schnell die App des Prager Nahverkehrs runtergeladen und festgestellt, dass Senioren ab 60 Jahren nur die Hälfte bezahlen. Also gönnen wir uns zwei Tagestickets in der App und marschieren ab.
Wie gesagt, wir campen auf einer Insel. Das bedeutet, dass wir zunächst einmal zum Festland übersetzen müssen. Dafür benutzen wir die Fähre, die tagsüber alle 20 Minuten die kurze Strecke zwischen der Insel und den beiden Ufern der Moldau im Kreis fährt. Das ist ein wirklich kurioses Gefährt! Der Kapitän akzeptiert auch unsere frisch erworbenen Tagestickets.



Wir setzen auf das rechte Moldauufer über. Vom Wasser aus haben wir einen sehr schönen Blick auf die Stadt und besonders auf die Burg Vyšehrad mit ihrer weithin sichtbaren Kirche. In der Ferne sehen wir auf dem anderen Ufer die Prager Burg.






Nach einer kurzen Fahrt über die Moldau legen wir am rechten Ufer an. Wir brauchen nach der langen Autofahrt etwas Bewegung, und so erklimmen wir den Hügel zum Vyšehrad. Beim Aufstieg über die vielleicht einhundert Treppenstufen kommen uns viele internationale Touristen entgegen. Wir sind also auf dem richtigen Weg, hier gibt es bestimmt was zu sehen!
Der Vyšehrad ist eine uralte Burganlage, die auf das 10. Jahrhundert zurückgeht, also teilweise über 1000 Jahre alt ist. Über die Jahrhunderte hat sich hier natürlich viel verändert, wobei vor allem Kaiser Karl IV. im 14. Jahrhundert viel zum heutigen Erscheinungsbild beitrug, in dem er die Basilika St. Peter und Paul auf der Burg zu ihrer jetzigen Gestalt aus- und umbauen ließ.

Vieles ist auch verloren gegangen, weil die Burg irgendwann militärisch als Wehranlage unwichtig wurde und dann verfallene Gebäude abgetragen wurden, zuletzt 1911.

Heute hat man von hier oben einen schönen und weiten Blick über Prag. Auf der einen Seite schauen wir gemeinsam mit vielen anderen Touristen hinunter auf die Moldau und weiter über das Moldautal bis hinüber zu den Hügeln in der Ferne.


Sehr gut erhalten ist die alte Wehrmauer rings um die Burg. Auf ihr können wir um die ganze Anlage herum laufen und erhalten dadurch immer wieder einen anderen Blick auf die Stadt, quasi ein 360-Grad Rundblick über Prag. Wir stellen fest, dass wir so einen kompletten Rundweg um eine Burg bisher woanders noch nicht gesehen haben, weil doch meistens immer irgendwo ein Stück zerstört wurde. Hier nicht, und das finden wir sehr schön.






Am Ende unseres Rundgangs entdecken wir noch eine Hochzeitsgesellschaft, die gerade zum Foto-Shooting angetreten ist und in allen möglichen Kombinationen aus Freunden und Familienangehörigen vor die Kamera tritt. Ein sehr junges Brautpaar, stellen wir fest. Wir setzen uns auf eine Bank und schauen zu.


So, jetzt wollen wir uns aber noch mehr von Prag anschauen. Wir gehen zurück nach unten Richtung Fluss.

Unten angekommen nehmen wir die Straßenbahn der Linie 17, die uns in rund 12 Minuten Fahrt in die Altstadt fährt, wo wir an der Karlsbrücke aussteigen. Hatte ich oben geschrieben, dass es auf dem Vyšehrad viele Touristen gibt? Hier an der Karlsbrücke sind es wirklich viele Touristen! So ein Gewimmel von Menschen. Teils lassen wir uns mit den Massen treiben, teils bahnen wir uns einen Weg hindurch, und wir laufen über die Karlsbrücke, benannt nach Kaiser Karl IV., der uns schon als Baumeister auf dem Vyšehrad begegnet ist und der uns noch öfter in Prag begegnen wird. Hier in Tschechien und in Prag ist man immer noch sehr stolz auf diesen böhmischen König, der später römisch-deutscher Kaiser und einer einflussreichsten Herrscher des Spätmittelalters wurde.
Vor und auf der Brücke schießen wir Fotos von den schönen Steinfiguren, die links und rechts das Brüstung säumen, mit Blick zur Prager Burg, dem Hradschin, auf die Moldau und auf die sogenannte Prager Kleinseite, das Stadtviertel auf dem anderen (linken) Ufer der Moldau.




Wir überqueren die Karlsbrücke im Pulk der Touristen und schauen uns ein wenig auf der Kleinseite um. Hier findet man besonders viele Restaurants und Bars und entsprechend viel internationales Publikum. Vor einigen Etablissements bilden sich regelrechte Schlangen von Menschen, um Einlass zu bekommen.


Uns sind das zu viele Menschen auf einem Haufen, sodass wir beschließen bis zur nächsten Brücke Mánesův most zu gehen und die Moldau wieder Richtung Altstadt zu überqueren. Auf dieser Brücke erleben wir nur den normalen Auto- und Fußgängerverkehr einer Großstadt und längst nicht den Trubel wie auf der benachbarten Karlsbrücke. Aber ehrlich gesagt, ist Mánesův most auch nicht so schön anzusehen. Wir schießen ein Foto mit Blick zur Karlsbrücke.

So viel Bewegung macht hungrig. Bei unserem letzten Besuch hatten wir hier eine ganz besondere Spezialität genossen und wir sind neugierig, ob es die noch gibt. Also gehen wir in Richtung auf den zentralen Wenzelsplatz, der nach dem Geburtsnamen Wenzel von Kaiser Karl IV. benannt ist. Richtig, derselbe Kaiser, dessen Spuren wir bereits zweimal in Prag begegnet sind.
Am Wenzelsplatz stehen viele schöne historische Gebäude der Altstadt, von denen wir einige Fotos machen.



Eine besondere Sehenswürdigkeit am Wenzelsplatz ist die Rathausuhr. Diese Uhr entstand in mehreren Phasen zwischen 1410 und 1560 und zeigt neben der Uhrzeit auch viele astronomische Phänomene wie z.B. die Mondphasen, das aktuelle Sternzeichen und noch einiges mehr.

Neben dem Rathaus entdecken wir dann noch die Spezialität, an die wir uns so gut erinnert haben. Prager Schinken, im Ganzen gegrillt und portionsweise verkauft, dazu ein Kartoffel-Sauerkrautpfanne und ein kühles Bier. Lecker!


Ein so gutes Essen erfordert natürlich noch einen besonderen Nachtisch. Wir entdecken einen Stand, an dem eine Frau Teigkringel über dem Feuer auf einem Drehspieß bäckt. Den Wespen gefällt das auch und sie freuen sich über dieses schöne Karussell.
Wir interessieren uns mehr dafür, was man aus diesen Teigkringeln machen kann, nämlich mit einem großen Schlag Softeis toppen und dann gemütlich auf einer Bank unter Bäumen vertilgen.

Das war ein wirklich schöner Tag in Prag! Langsam machen wir uns auf den Weg zu unserer Insel, wo wir den Abend mit süßem Nichtstun verbringen und uns auf die morgige Tour weiter nach Süden freuen.