Heute ist Samstag, es ist warm, die Sonne scheint, und wir nehmen uns Zeit für ein ausgiebiges Frühstück.


Eine weitere Stadttour steht heute auf dem Programm, und zwar soll es nach Split gehen. Mehrere Wege führen dort hin. So könnten wir mit dem Schiff von Trogir fahren, mit dem Linienbus von Trogir oder auch mit Flixbus. Wir entscheiden uns für den Linienbus der Linie 37 für die Hinfahrt und für Flixbus für die Rückfahrt.
Aber erst einmal müssen wir nach Trogir zum Busbahnhof gelangen, und dafür wollen wir eigentlich den Bus 44 nehmen, der direkt am Campingplatz hält. Eigentlich, denn die Abfahrtzeit nach Fahrplan scheint nur eine Empfehlung zu sein, denn der Bus, dessen Position wir auf der interaktiven Karte verfolgen können, fährt mehr als 30 Minuten verspätet. Also beschließen wir, die 25 Minuten zum Busbahnhof zu laufen.
Der Bus 37 fährt dann pünktlich in Trogir ab und bringt uns in einer knappen Stunde nach Split. Die Buslinie führt am Flughafen vorbei durch viele Ortschaften, und irgendwann sehen wir in der Ferne große Häuser, auch Hochhäuser, Industrieanlagen und Kräne. Wir merken, dass Split eine Großstadt ist, mit rund 180.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kroatiens, aber voller Vergangenheit und Geschichte.
Der Bus bringt uns zum Busbahnhof, und weil es bis zur Altstadt noch ein Stück ist, steigen wir spontan einen wartenden Stadtbus um, der uns laut Google Maps direkt vor das Tor der Altstadt bringt.
Hier steigen wir aus und stehen direkt vor dem Osttor des Diokletianspalastes.

Der Diokletianspalast geht zurück auf den römischen Kaiser Diokletian, der als einziger römische Kaiser überhaupt im Jahre 305 abgedankt ist und sich zur Ruhe gesetzt hat. Für den Ruhestand ließ er sich einen Palast bauen in der Nähe seines Geburtsortes, und dieser Palast entstand in einer Rekordzeit von nur 10 Jahren. Es handelt sich um eine große Anlage von ca. 300 x 300 Metern, in der Diokletian die letzten ca. zehn Jahre seines Lebens verbracht hat.
Nach seinem Tod wurde der Palast weiter von den römischen Kaisern genutzt, und im Laufe der Jahrhunderte wurde er in Kriegszeiten zum Zufluchtsort für die umliegende Bevölkerung, und es entwickelte sich daraus mit den Jahren die Stadt Split um den Palast herum, wie wir sie heute kennen. Heute zählt der Diokletianspalast zum Unesco Welterbe.
Wir haben uns zur Stadtführung die App Daremapp herunter geladen, die uns durch den Palast und die anderen Teile der Altstadt begleitet.
Zunächst aber fällt uns die Bauweise der römischen Mauern auf. Nur außen sind diese Mauern schön verkleidet, aber innen drin ist es eher ein Sammelsurium von Feldsteinen.

Unsere Führung beginnt am Nordtor des Palastes, also gehen wir zunächst dort hin. Das Nordtor, auch genannt das Goldene Tor, war ausschließlich dem Kaiser vorbehalten. In den Nischen über dem Tor standen ursprünglich Standbilder römischer Kaiser.


Vor dem Tor, außerhalb des Palastes, steht aus moderner Zeit die mehrere Meter hohe Bronzestatue des Bischofs Gregor von Nin. Der Bischof lebte im 10. Jahrhundert in Nin, wo wir bereits waren. Er setzte sich der Legende nach dafür ein, dass Gottesdienste in slawischer Sprache statt in Latein gehalten werden, und wird bis heute in Kroatien verehrt. Es soll besonderes Glück bringen, wenn man den großen Zeh der Figur berührt, und entsprechend glänzt der Zeh golden und ohne Patina. Da man außerdem nach Split zurück kehrt, wenn man den Zeh berührt, wollen wir es auch versuchen.


Die Tour führt durch das Goldene Tor hinein in die Stadt und gleich rechts eine versteckte Treppe empor. Sie führt zur Kirche des heiligen Martin, die quasi in die Außenbefestigung des Palastes hinein gebaut wurde. Sie ist nur 10 Meter groß und damit eine der kleinsten Kirchen der Welt. Leider ist die Tür verschlossen und wir können nicht hinein.

Wir gehen nun die Nord-Süd-Straße in den Diokletianspalast hinein. Hier hat sich inzwischen vieles verändert und viele Wohnhäuser aus nachrömischer Zeit sind entstanden.Von den ursprünglichen Gebäuden des Palastes, die hier im Nordteil standen, finden sich nur die Grundmauern.

Die Straße führt zur Kreuzung mit der Ost-West-Straße. An diesem zentralen Ort des Palastes liegt das Peristyl, ein großer freier Platz. Gerade vor uns auf der Südseite schließen sich die ehemaligen privaten Wohnräume des Kaisers an.

Auf der linken Ostseite steht das Mausoleum des Diokletian, in dem er begraben wurde und das inzwischen eine Kirche geworden ist. Der Glockenturm wurde wesentlich später hinzugefügt.

Auf der rechten Westseite des Peristyl führt ein schmaler Weg zum ehemaligen Jupitertempel, der heute als Taufkirche oder Baptisterium genutzt wird. Über dem schmalen Gang stützt eine imposante Holzkonstruktion die hohen mittelalterlichen Häuser gegeneinander ab, um sie vor dem Einsturz zu bewahren.


Von den ehemals kaiserlichen Privaträumen ist nicht mehr sehr viel erhalten, außer der Stelle, an der sie sich mal befunden haben. Ein Blick zurück zeigt das Peristyl von der anderen Seite.


Nun gehen wir weiter und verlassen den Diokletianspalast auf der Südseite. Früher ragte das Meer direkt bis an die Mauern des Palastes, heute befindet sich die Strandpromenade Riva hier und das Meer beginnt erst einige Meter weiter entfernt. Die lange Südfront des Palastes sieht beeindruckend aus.


In der Nähe entdecken wir ein Bronzemodell der Altstadt von Split, wie sie heute aussieht. Den Diokletianspalast, den wir gerade erkundet haben, kann man gut darauf erkennen.


Wir freuen uns darüber, die engen Gassen der Altstadt gegen die Weite der Strandpromenade Riva eingetauscht zu haben, und halten hier uns hier ein wenig auf, auch um unsere mitgebrachten Mittagsbrötchen zu futtern.




Es ist an der Zeit, die Stadtführung per App wieder aufzunehmen. Sie führt uns zurück in die Altstadt zum sogenannten Obstplatz, weil hier regelmäßig ein Gemüsemarkt stattfindet. Wir befinden uns jetzt außerhalb des römischen Palastes im neueren Teil der Stadt Split, der seit dem Mittelalter in mehreren Etappen gewachsen ist. Alles ist hier viel weiter und freien als in den beengten Gassen des Palastes.

Der Weg führt weiter zum zentralen Stadtplatz. Das Besondere dieses Platzes ist der Mix aus Gebäuden verschiedener Stilepochen, die hier einträchtig nebeneinander stehen. Wir sehen zum Beispiel das Rathaus im gotischen Stil. Auf der Fassade des Rathauses zeigt eine Steinmetzarbeit das Wappen der Stadt Split. Es kommt uns bekannt, denn es zeigt das Goldene Tor des Diokletianspalastes.


Andere Häuser an diesem Platz stammen aus dem Klassizismus oder dem venezianischen Stil aus der Zeit der italienischen Besiedlung der dalmatinischen Küste.



Beeindruckend ist auch die große Uhr an dem Uhrturm des venezianischen Palastes. Diese Uhr zeigt statt der heutzutage üblichen 12 Stunden alle 24 Stunden eines Tages an, wie es im Mittelalter üblich war.

Unsere Tour geht weiter und wir laufen durch die Fußgängerzone zum Platz der Republik.



So langsam werden wir müde von unserem Stadtspaziergang, denn es ist auch warm und sonnig, und so beschließen wir, uns ein Plätzchen für eine kleine Siesta zu suchen. Gleich neben der Altstadt, am Ende der Halbinsel liegt die Grünanlage des Marjan, und wir gehen in diese Richtung. Uns war zunächst nicht klar, dass der Marjan auf einem Hügel liegt, aber als wir das realisieren, gehen wir den Hügel über zahlreiche Stufen tapfer hinauf. Wir werden versöhnt durch die schönen Ausblicke, die man von hier oben auf die Stadt hat.



Hier oben gibt es ein weitläufiges Waldgebiet, das auf einer Halbinsel in das Meer ragt. Auch wir finden hier ein schattiges Plätzchen unter Bäumen und ruhen uns etwas aus. Für den Abstieg vom Marjan in die Stadt nehmen wir dann einen anderen, etwas kürzeren und direkteren Weg.



Wir müssen nun noch zum Busbahnhof für Fernbusse laufen, der sich direkt am Bahnhof und nicht von der Altstadt befindet. Busse fahren hier in alle mögliche Richtungen und auch eine Menge Flixbusse halten hier. Wir entdecken Flixbusse, die weiter nach Süden fahren und sogar einen, der direkt nach Frankfurt unterwegs ist. Unser Bus der Linie Flixbus-Linie 898 kommt bals, und wir steigen ein. Der Bus wird ist sehr komfortabel und schon was anderes als der Linienbus heute früh. Die Fahrzeit ist auch nur halb so lang, und so genießen wir die schnelle Fahrt zurück nach Trogir. Erstaunlich viele Menschen steigen hier aus und anscheinend ebenso viele warten darauf einzusteigen in den Bus, der weiter nach Zagreb fährt.
Vom Busbahnhof in Trogir zum Campingplatz nehmen wir den mittlerweile schon bekannten Weg und sind bald wieder an unserem Quartier angekommen.